Geschichten von früher Braune Schale – weicher Kern

Sonsbeck · Der Sonsbecker Matthias Broeckmann erinnert sich an seine Kindheit auf dem Bauernhof der Eltern – braune Eier waren das Markenzeichen.

 Gertrud Broeckmann ist umzingelt. Um die 400 Hühner hatte die Familie früher im Stall, da mussten viele hungrige Tiere versorgt werden.

Gertrud Broeckmann ist umzingelt. Um die 400 Hühner hatte die Familie früher im Stall, da mussten viele hungrige Tiere versorgt werden.

Foto: Privat

Die Frage ist fast so alt wie die Frage, ob zuerst das Huhn oder zuerst das Ei da war: Weshalb sind manche Eier weiß und andere braun? Und sind die einen gesünder als die anderen? Forscher konnten nachweisen, dass die Eierschalenfärbung genetisch bedingt ist. Ausschlaggebend für die Färbung der Eier seien die Ohren der Tiere, genauer gesagt die Ohrscheiben. Das sind jene Hautlappen, die direkt unter dem Ohr hinter den Augen liegen. Sie geben Aufschluss darüber, welche Farbe die gelegten Eier haben werden, das gilt allerdings nur bei reinrassigen Hühnern. Und: Auch wenn viele Bio-Eier eine braune Schale haben, sind braune Eier nicht gesünder als weiße.

In Sonsbeck haben braunschalige Eier eine lange Tradition. Matthias Broeckmann, der Vorsitzende der CDU Sonsbeck, kam als Kind fast täglich mit ihnen in Berührung. Früher hatten seine Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb, zudem bot seine Mutter schon in den 70er-Jahren Urlaub auf dem Bauernhof an – als eine der ersten in der Region.

Weil seinem Vater nach einem Unfall die Versorgung der Kühe zu viel Arbeit machte, baute er den ehemaligen Kuhstall kurzerhand um und konzentrierte sich fortan auf die Haltung von Hühnern. „Wir hatten um die 400 Hühner im Stall”, erinnert sich Broeckmann. Und weil so viele Hühner schließlich auch eine Menge Eier legen, hatte die ganze Familie gut zu tun. „Am Wochenende war es meine Aufgabe, die Eier aus dem Stall zu holen, sie zu sortieren und zu wiegen”, sagt Broeckmann.

 Matthias Broeckmann als Kind zwischen Kälbern im Kuhstall, der hinterher zum Hühnerstall umgebaut wurde.

Matthias Broeckmann als Kind zwischen Kälbern im Kuhstall, der hinterher zum Hühnerstall umgebaut wurde.

Foto: Privat

Auch das Fegen und das Sauberhalten des Hühnerstalls gehörte zu seinen regelmäßigen Aufgaben. Zunächst wurden die Eier an der Haustür verkauft, daraus entwickelte sich nach und nach ein großer Kundenstamm, sodass es für Broeckmann und seine Mutter Gertrud einmal in der Woche auf „Eiertour” durch die umliegenden Ortschaften ging. Was an Eiern noch übrig blieb, nahm dann ein Großhändler ab.

Um die Nachbarschaft und die Durchreisenden auf den Verkauf hinzuweisen, hing damals ein Schild im Fenster: „Täglich frische braunschalige Eier” stand dort geschrieben. Dieses Schild wurde bald zum Erkennungsmerkmal, auch für die Familie Broeckmann. „Wenn ich im Ort unterwegs war und die Leute mich nicht direkt zuordnen konnten, wusste immer irgendjemand: ‚Ach, das ist doch der von den braunschaligen Eiern’. Das hat sich so durchgezogen”, erzählt Broeckmann und lacht.

Seit Anfang der 90er-Jahre verkauft die Familie keine Eier mehr. Die Anekdote mit den braunschaligen Eiern hingegen hat sich gehalten. Auch heute wird sie in Sonsbeck hin und wieder erzählt. „Durch mein Amt als stellvertretender Bürgermeister bin ich mit vielen Leuten im Gespräch. Wenn sie sich daran zurück erinnern, machen sie gerne ihre Scherze”, sagt Broeckmann. Lachen muss er darüber dann aber auch.

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