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Sonsbecker Landwirte protestieren gegen Pläne des RVR und der Gemeinde

Vor Ratsentscheidung zum Kooperationsstandort in Sonsbeck : Landwirte protestieren gegen Industriefläche

In Sonsbeck regt sich weiter Protest gegen die geplante Ausweisung des Kooperationsstandorts. Mehrere Landwirte sehen nicht nur ihre eigene Existenz bedroht, sondern sorgen sich auch um die Zukunft der Gemeinde.

Am Donnerstag wird im Gemeinderat entschieden, wie sich die Verwaltung zum Entwurf des neuen Regionalplans positionieren soll. In ihrer Stellungnahme möchte sie die geplante Ausweisung eines 43 Hektar großen Kooperationsstandorts zur Ansiedlung von Großindustrie begrüßen – der Ball liegt bei den Ratsfraktionen, ob sie dieser Auffassung folgen wollen.

Einige Sonsbecker Landwirte haben sich ihre Meinung dazu bereits gebildet. Für sie steht fest: „Keine Großindustrie in Sonsbeck“. Das zeigen sie derzeit auch an der Ecke Alpener Straße/Bergweg mit einem großen Banner. Und sie nennen ihre Gründe: „Der Regionalplan sieht vor, dass über 100 Hektar Naturraum vernichtet werden, der dann unter anderem als wirtschaftliche Grundlage für viele landwirtschaftliche Betriebe verloren ist“, lautet es in einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Zu diesen mehr als 100 Hektar zählten auch Wohnbau- und Gewerbeflächen.

„Eigentlich war es immer so, dass die Gemeinde die Landwirte geschätzt hat. Aber welches Signal sendet man damit an Jungbauern, die dann gar nicht mehr wissen, wie viel Fläche sie in ein paar Jahren noch bewirtschaften können?“, fragt Frank Terhorst, der den Protest mit organisiert. Rückendeckung erhält er vom SPD-Landtagsabgeordneten René Schneider. Die Neuausweisung von Industrieflächen in Sonsbeck entziehe den Landwirten ihre Existenzgrundlage und bedrohe langfristig die sichere Versorgung mit regionalen Lebensmitteln, nimmt Schneider auf Anfrage unserer Redaktion Stellung.

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Es geht den Landwirten aber nicht nur um ihre Existenz, sondern auch um das dörfliche Leben in Sonsbeck. „Es gibt laut Auskunft einer Immobilienfirma genau zwei Sparten, für die ein solcher Kooperationsstandort interessant ist: Niederländische Firmen, die die laxeren deutschen Emissionsschutzgesetze mit Kusshand nehmen, und große Logistikbetriebe“, sagt Axel Fröhlich. „Da entstünden hauptsächlich Jobs im Niedriglohnsektor. Solche Arbeitnehmer könnten sich Wohnen in Sonsbeck überhaupt nicht leisten. Also würde durch Pendler eine Verkehrsbelastung entstehen, die viel zu hoch wäre.“ Diese Vermutung veranlasst Bürgermeister Heiko Schmidt auf Anfrage unserer Redaktion allerdings zu einer klaren Aussage: Dieses Bild aufzumachen, sei schlichtweg populistisch. „Es geht darum, dass sich die Gemeinde in Dimensionen weiterentwickelt, die zu unserem ländlichen Raum passen“, so Schmidt. Die Ausweisung eines Kooperationsstandortes solle für die nächsten 20 bis 25 Jahre lediglich ausreichend Spielräume in dieser Entwicklung ermöglichen.

Aber da wäre laut der Landwirte noch das Problem mit dem Wasser. Die geplante Fläche läge auf einem Höhenrücken. „Wir kommen bei Starkregen in Sonsbeck jetzt schon an unsere Grenzen. Wenn dann noch zusätzlich Fläche versiegelt wird, kann das Niederschlagswasser nicht mehr versickern, sondern läuft in Richtung Ort“, sagt Stephan Hufer. Auch in diesem Punkt widerspricht der Bürgermeister: Durch vorherige Planungen werde sichergestellt, dass versiegelte Flächen kontrolliert entwässert würden. Somit gebe es auch kein wildabfließendes Wasser.

Trotz aller Meinungsverschiedenheiten wollen die Landwirte ihren Protest aber nicht als totale Ablehnung der Pläne verstanden wissen. Es sei nachvollziehbar, dass die Gemeinde sich entwickeln wolle. Aber dies müsse im Konsens mit Betroffenen geschehen, und nicht über deren Köpfe hinweg. Doch gerade darüber wundert man sich bei der CDU. „Das ist schon überraschend. Der Bürgermeister hat im Oktober vergangenen Jahres Gespräche mit Vertretern der Landwirtschaft geführt. Zudem wurde in der Winterversammlung der Ortsbauernschaft darüber gesprochen“, sagt Fraktionsvorsitzender Josef Elsemann auf Anfrage. Die CDU nehme die Proteste aber ernst und werde die Argumente bei ihren Beratungen berücksichtigen.