Sonsbeck: Unsere Autoren zur Schulschließung

Sonsbeck: Gedanken zur Sonsbecker Schulschließung

Emotion oder Wirtschaftlichkeit? Unsere Autoren sitzen zwar seit Jahren Seite an Seite, ihre Meinungen gehen aber weit auseinander.

Uwe Plien: Es gibt diesen alten Spruch: „Erst stirbt die Schule, dann das Dorf“. Das bekommt bald auch Sonsbeck zu spüren, wenn es dort keine weiterführende Schule mehr gibt.

Bernfried Paus: Du übertreibst. Die Kinder leben doch weiter hier. Und einige kommen sowieso aus der Nachbarschaft.     

Uwe Plien: Ja, aber man kennt das doch: Dann gehen sie in Xanten zur Schule, halten sich immer häufiger dort auf, finden dort neue Freunde, fehlen in Sonsbeck.

RP-Redakteur Bernfried Paus Foto: Fischer, Armin (arfi)/Fischer, Armin (afi)

Bernfried Paus: Das gilt doch für Kinder aus dem Ort, die ein Gymnasium oder eine Realschule besuchen, schon lange. Die Gesamtschüler müssen halt auch mit dem Bus fahren. Wo ist das Problem? Ab Klasse 8 steht der Schulortwechsel sowieso an.

Uwe Plien: So kann man das nicht sehen. Wenn die Schule schließt, geht einfach ein belebendes Element verloren. Keine Lehrer mehr, keine Eltern, die an die Schule kommen. Das ist ja auch ein Wirtschaftsfaktor. Und sei es nur die Bäckerei um die Ecke, die weniger Umsatz macht.

  • Neuss : Weiterführende Schulen stellen sich vor

Bernfried Paus: Ich glaube nicht, dass das so stark ins Gewicht fällt. Es waren ja ohnehin  nur noch drei Klassen in Sonsbeck, künftig sind es nur noch zwei. Bei allem Respekt: Eine solche Restschule ist kein Faktor mehr. Bei so wenig Schülern ist der schulorganisatorische Reibungsverlust durch zwei Standorte kaum noch zu rechtfertigen.    

Uwe Plien: Dann stellt sich die Frage, was aus dem Schulgebäude wird. So eine Immobilie ist ein ziemlicher Klotz am Bein der Gemeinde. Das sieht man auch in Ossenberg, wo schon vor Jahren die Grundschule geschlossen wurde. Bis heute gibt es für den Altbau noch keine neue Verwendung. Ich finde, da lässt das Land die ohnehin in finanzieller Sicht gebeutelte Gemeinde im Regen stehen. 

RP-Redakteur Uwe Plien Foto: Fischer, Armin (arfi)/Fischer, Armin (afi)

Bernfried Paus: Nur noch zwei Klassen lassen die Schule zunehmend zum Geisterhaus werden. Da fällt die Betriebskostenrechnung pro Schüler zunehmend ungünstiger aus. Und Investitionen ergeben auch kaum noch Sinn. Bei dem Schulgebäude an der Herrenstraße sind eine Bestandsaufnahme und vor allem Ideen gefragt.      

Uwe Plien: Ich bleibe dabei: Zu einer vitalen Gemeinde wie Sonsbeck gehört auch eine weiterführende Schule. Die großen, anonymen Bildungseinrichtungen bringen nur neue Probleme mit sich. Eine Schule gehört zur Identifikation mit dem Heimatstädtchen, mit dem Wohnplatz, mit dem Lebensumfeld einfach mit dazu.

Bernfried Paus: Ich glaube das nicht. In ein paar Jahren wird man nur noch in verklärter Erinnerung von der Schule in Sonsbeck sprechen. Schullandschaft verändert sich nun mal. Von der Volksschule mit allen Jahrgängen in einer Klasse redet heute auch kein Mensch mehr. Wichtig ist doch vor allem, dass die Schüler den besten Unterricht bekommen. Die Gemeinde muss vor allem dafür sorgen, dass sie für die Zeit nach dem Unterricht für junge Leute attraktiv bleibt.