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Sonsbeck: SPD-Bundestagskandidat Rainer Keller fragt nach Schutz bei Starkregen

SPD spricht über Schutz bei Starkregen : „Sonsbeck hat ausgesehen wie Venedig“

SPD-Bundestagskandidat Rainer Keller sprach mit Mitgliedern der Sonsbecker Ortspartei über Schutzmaßnahmen vor einer Überflutung bei Starkregen.

Der nächste Starkregen kommt bestimmt und wird irgendwann wahrscheinlich auch Sonsbeck treffen. Die ungünstige topografische Lage der Gemeinde lässt sich auch mit politischem Einfluss nicht ändern, in einem Gespräch erinnerte der SPD-Bundestagskandidat Rainer Keller am Freitagabend zusammen mit der SPD-Vorsitzenden Nadine Bogedain, Fraktionschefin Christa Weidinger und den beiden SPD-Ratsherren Robert Peters und Denis Beckovic aus Sonsbeck aber an die bedrohlichen Ausmaße, die die Starkregen-Ereignisse vor fünf Jahren im Kreis Wesel angenommen hatten.

Zu dem Gespräch war auch Landwirt Berthold von Quistorp eingeladen, Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes Kervenheimer Mühlenfleuth. Der WBV KM ist Wächter über 170 Flusskilometer, kontrolliert und pflegt die Entwässerungsgräben in sechs Kommunen im Kreis Wesel.

Keller konnte sich noch sehr gut an den Starkregen vor fünf Jahren erinnern: Er sei damals Kreisbeauftragter des Katastrophenschutzes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gewesen. „In acht Stunden gab es 668 Hochwasser-Einsätze, sind Keller voll- und Kanäle übergelaufen.“ In Sonsbeck sei Land unter gewesen, es habe hier ausgesehen wie in Venedig. Keller wollte von Berthold von Quistorp wissen, welche Lehren man daraus gezogen habe, welche Maßnahmen umgesetzt worden seien. Man habe Retensionsflächen geschaffen, warte jetzt seit einem Dreivierteljahr auf den Bescheid der Bezirksregierung, Flächen an zwei Gewässern einzukaufen, um dort das Pilotprojekt Renaturierung angehen zu können. Das Land wolle das Projekt mit 80 Prozent fördern. Ob er das richtig verstehe, dass das Land diese Maßnahmen zurzeit ausbremse, wollte Keller wissen. „Kann man so sagen“, entgegnete von Quistorp.

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Als weitere Maßnahmen in Sonsbeck, die nach dem Starkregen umgesetzt worden seien, gab Weidinger die Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland, die Untersuchung des Kanalnetzes, die Sanierung von Regenrückhaltebecken, den Einbau eines Schiebers und von Rückschlagklappen sowie die Entschlammungen und Reinigung von Gräben an, damit Wasser besser abfließen könne. Von Quistorp und Bogedain waren sich einig: „Je mehr Flächen wir versiegeln, desto mehr Probleme bekommen wir.“ Weidinger sprach in diesem Kontext von einem Teufelskreis: Die Gemeinde finanziere sich über den Verkauf von Grundstücken.

Die Gesprächsteilnehmer plädierten dafür, weitere Versiegelung zu stoppen, gegen Steingärten mobil zu machen und Anreize zu schaffen, damit Bürger ihre Gärten so gestalteten, dass Regenwasser versickern könne. Auch sollten die Behörden besser vernetzt und bürokratische Abläufe vereinfacht werden, damit Förderanträge schneller bearbeitet werden können. Seine Idee von unterirdischen Wasserspeichern konnte Keller nicht so wirklich erklären, denn „die gibt es in ganz Deutschland noch nicht“.