Gelungene Premiere vom Sontheater Sonsbeck Irrungen und Wirrungen in der Hochzeitssuite

Sonsbeck · Den Sonsbecker Amateurschauspielern vom Sontheater ist wieder ein Hit auf der Bühne gelungen. Die Komödie „Ein Traum von Hochzeit“ demaskiert herrlich erfrischend die Schwächen der Menschen.

 Auch Braut Rachel (Jana Terhorst, l.) und die schöne Unbekannte aus der Hochzeitssuite (Regina Leurs, M.) treffen aufeinander. Rachels Mutter (Renate Heursen-Janßen) ist entsetzt.

Auch Braut Rachel (Jana Terhorst, l.) und die schöne Unbekannte aus der Hochzeitssuite (Regina Leurs, M.) treffen aufeinander. Rachels Mutter (Renate Heursen-Janßen) ist entsetzt.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Tja, so ist das mit den Notlügen: Auch die können kurze Beine haben. Wer einen Beweis braucht: Eintrittskarte für die Komödie kaufen, mit der das Sontheater am Freitagabend im Kastell vor vollem Haus Premiere feierte. „Ein Traum von Hochzeit“ heißt das Stück, das sich das Ensemble für das Jahr „eins“ nach dem Silberjubiläum ausgesucht hat. Eine absolut richtige Entscheidung. In jeder Sekunde musste man damit rechnen, dass da was auf der Bühne passiert, was man auf gar keinen Fall verpassen darf.

Hätte im Publikum eine Jury gesessen, sie hätte in allen Kategorien die Höchstpunktzahl zehn hochgehalten. Für ein bestens aufgelegtes und spielfreudiges Ensemble, für ein wunderbares Bühnenbild, für die Auswahl des Stückes und für die Textsicherheit der Darsteller, die sich an keiner Stelle verhedderten oder durch ein falsches Wort vielleicht eine Pointe vorwegnahmen. „Wie können die sich so viel Text merken? Unfassbar!“, lobte eine Zuschauerin in der Pause der Komödie „Perfect Wedding“ von Robin Hawdon, die Horst Johanning vom Englischen ins Deutsche übersetzt hat.

 Irgendwann können auch die vielen (Not)-Lügen Bräutigam Bill (Christian Grune) nicht mehr helfen. Er wird unsaft zur Erklärung aufgefordert.

Irgendwann können auch die vielen (Not)-Lügen Bräutigam Bill (Christian Grune) nicht mehr helfen. Er wird unsaft zur Erklärung aufgefordert.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Regie führte wieder Christian Grune, der in dem Stück in die Rolle von Bill schlüpft. Der wacht morgens in einem Hotel nach einem durchzechten Junggesellenabschied ausgerechnet im Bett in der Suite auf, die für die Hochzeitsnacht mit seiner Braut Rachel (Jana Terhorst) reserviert ist, die er später am Tag heiraten will. Und das Schlimme ist: Neben Bill liegt eine Frau – und er weiß weder, wie sie heißt, noch, wie sie dahingekommen ist. Bill hat einen Blackout, kann sich an nichts erinnern – und Stück für Stück kommen die Erinnerungen wieder.

Der Traum, der zu einem Alptraum wird, zieht die Zuschauer von der ersten Minute an in den Bann. Und wie das so ist bei Verwechslungskomödien: Auch wenn man ahnt, dass das (Not-)Lügengebilde am Ende wie ein Kartenhaus zusammenfallen wird, ahnt man doch nicht, was für ein Ende es nimmt.

Dieter Kluth, der Mann mit der ungeheuren Bühnenpräsenz und sonoren Stimme, glänzt in der Rolle von Tom, Trauzeuge und bester Freund von Bill. Hannelore Ehrlich gibt das Zimmermädchen Julie, die mit ihrem trockenen Humor und einer unverblümten Art immer wieder für Lacher sorgt. Regina Leurs ist die schöne Unbekannte, die morgens neben Bill aufwacht und im Gegensatz zu diesem noch genau weiß, wie sie dorthin gekommen ist. Und dann stehen nach längerer Abstinenz in kleineren Rollen einmal wieder zwei alte Hasen auf der Bühne, die in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiern können und das Sontheater vor 26 Jahren mitbegründet haben: Renate Heursen-Janßen als Daphne, die Mutter von Rachel. Und Winfried Cleve als Dupont, Hoteldirektor mit französischem Akzent. Dass er bei der Premiere das Zimmermädchen Julie mit „Mai“ angesprochen hat, mag ein Versehen gewesen sein – aber man neigt bei dem humorigen Entertainer Cleve doch eher dazu, es als Absicht zu bezeichnen.

Gemeinsam mit Christian Grune hat Regina Leurs die Möbel (die wieder von Fahnenbruck aus Voerde zur Verfügung gestellt werden) und die Dekoration ausgesucht. Goldenes Beistelltischchen neben einem rosafarbenen Stuhl, die Wände in zwei Pastelltönen gestrichen, eine goldene Kommode mit einer ebenfalls güldenen Blumenvase: Alles edel, alles vom Feinsten. Grune hat mit Schreinermeister Andre Rennings von Holz-Art das Bühnenbild geplant, das diesmal aus einer Hotelsuite mit zwei Räumen und vier weißen Türen besteht.

Und bevor es bei der Premiere im Kastell „Vorhang auf“ hieß, begrüßte wie jedes Jahr ein Mann vor der Bühne das Publikum, der ebenfalls das Amateurtheater mit gegründet hat: Eberhard Schwenk, Geschäftsführer des Sontheaters, seit Jahren guter Geist im Hintergrund und zuständig für sämtliche administrativen Dinge. Er wünschte wie jedes Jahr den Zuschauern mit seinem Spruch „Wer lacht, lebt länger! Auf ein langes Leben!“ einen vergnüglichen Abend. Danke, den hatten wir.

(jas)
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