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Sonsbeck: Son'Theater spielt sieben Mal vor ausverkauftem Haus

Son'Theater : Wenn Mann sein Verfallsdatum erreicht

Mit der Kriminal-Komödie „Bella Donna“ hat das Son’Theater wieder mal ein klasse Stück auf die Bühne gebracht.

So muss ein Theaterabend aussehen, dann klappt das auch mit dem Zufrieden-nach-Hause-gehen: Mit der Kriminal-Komödie „Bella Donna“ hat das Son’Theater wieder einmal ein Stück auf die Bühne in Sonsbecks guter Stube gebracht, bei dem man herzhaft lachen kann. Und das noch weitere sechs Mal: Acht Vorstellungen gibt das Ensemble bis zum 11. Mai – alle sind allerdings längst ausverkauft. Aus gutem Grund.

Denn seit 20 Jahren sind die Laienschauspieler ein Garant für besten Theatergenuss. Davon können sich auch im 21. Jahr ihres Bestehens die Fans des Son’Theaters wieder überzeugen – zumindest die 2240 Frauen und Männer, die rechtzeitig eine Eintrittskarte für einen der acht Abende gekauft haben.

Bella Donna, schöne Frau: Mit der Kriminalkomödie des österreichischen Drehbuch- und Theaterautors Stefan Vögel hat sich das Son’Theater an ein anspruchsvolles Stück gewagt, das zu den Komödien der Extraklasse zählt. Regie führen Wolfgang Närdemann (Liebhaber Nummer fünf) und Bärbel Melchers, die auch die Hauptrolle spielt: Sie mimt auf der Bühne das Vollweib Carmen Wolf, eine prominente und erfolgreiche Kochbuchautorin, die einen ordentlichen Männerverschleiß hat.

Denn nach zwei Jahren ist sie ihrer überdrüssig, müssen Walter und Bernie und Karl-Heinz und wie sie alle heißen entsorgt werden, weil sie ihr Verfallsdatum erreicht haben. Immer zu Silvester lädt Carmen ihre Liebhaber ein, um mit ihnen mit Champagner anzustoßen. Den hat sie natürlich präpariert: Die Atropa Belladonna, die gemeine Tollkirsche, mit der sie ihre Lover ins Jenseits befördert, hat sie in flüssiger Form in einem kleinen Fläschchen im Oberteil ihres Kleides parat. „Ich kenne die Männer,“ sagt sie. „Die erste Zeit ist immer schön, da vernaschen sie dich drei Mal am Tag. Aber nur die ersten zwei Jahre.“ Dann seien sie abgelaufen, müssten weg.

„Diese Frau sollte man klonen und auf Krankenschein an alle Haushalte verschicken“, wird Martin aus Berlin (Dieter Kluth), Liebhaber Nummer sechs, dem es zwei Jahre später vermutlich ebenso geht wie seinen Vorgängern, an einer Stelle im Stück sagen – zustimmendes Kopfnicken nicht nur der männlichen Zuschauer im voll besetzten Kastell. Denn Bärbel Melchers macht nicht nur eine gute Figur, sie spielt auch einfach großartig, liefert sich köstliche Rede-Duelle mit ihrer ebenfalls herzerfrischend aufspielenden Tochter Sabine (Regina Leurs).

Die steht plötzlich vor der Tür, weil sie jemanden kennengelernt hat, den sie vom Fleck weg heiraten will. Valentin von Strachwitz (Christian Grune) heißt der junge Mann, der aus einem spießigen Elternhaus kommt und Neujahr bei Mutter Carmen um die Hand ihrer Tochter anhalten will. Renate Heursen-Janßen und Franz Melchers spielen in „Bella Donna“ das Ehepaar von Strachwitz, auch sie mit ebenso viel Witz und Leidenschaft wie alle Ensemble-Mitglieder.

Es sind die vielen Überraschungsmomente, die den Theaterabend zu einer höchst vergnüglichen Angelegenheit machen, die Missverständnisse und Verwechslungen, die all die vielen Doppeldeutigkeiten. Und natürlich kommt es am Ende anders als man anfangs denkt. „Son‘ Theater möchte auch ein bisschen in Ihnen nachklingen, wenn Sie nach dem Stück nach Hause gehen“, heißt es im neuen Programmheft. Kein leeres Versprechen. Das ist dem Ensemble wahrlich gelungen.