Sonsbeck: SeWo muss neue Wohnungen für selbstbestimmtes Wohnen suchen

SeWo sucht neue Bleibe : Kündigung für betreutes Wohnen

Die Sonsbecker SeWo GmbH, die behinderten Menschen selbstbestimmtes Wohnen ermöglicht, muss das Wohnhaus an der Herrenstraße räumen. Die Initiative Integratives Leben als Eigentümerin will das Gebäude verkaufen.

Die Kündigung kam für alle überraschend: Für Tobias, Kathrin und Kira, drei junge Menschen zwischen 25 und 36 Jahren, die in einer Wohnung an der Herrenstraße 51 und 53 leben und von der Gesellschaft Selbstbestimmtes Wohnen (SeWo) betreut werden. Für die SeWo selber, die in dem Haus ein Büro hat. Für einen vierten Mieter, der ebenfalls dort wohnt, aber nicht zum Kundenstamm der SeWo gehört. „Am 28. März sind wir zu einer Mieterversammlung bei der INI (Initiative Integratives Leben, Anm. d. Red.) an der Stettiner Straße eingeladen worden“, erzählt Sandra Gommers, Sozialpädagogin und Leiterin des Selbstbestimmten Wohnens in Sonsbeck.

Dort hätten Rouven Rieger, Geschäftsführer der INI, und Johannes Roelofsen die Mieter beziehungsweise deren Eltern als gesetzliche Betreuer informiert, dass man das Haus verkaufen wolle – und sie gebeten, auszuziehen. Man habe auch schon einen Interessenten, habe es geheißen; der kaufe allerdings erst dann, wenn das Haus leer sei.

Natürlich kann die INI die Menschen nicht von jetzt auf gleich vor die Tür setzen: Ein bis eineinhalb Jahre Zeit hatte Rouven Rieger der SeWo zunächst gegeben, für Tobias, Kathrin und Kira neue Wohnungen und zudem für sich selbst geeignete Büroräume zu finden. Selbiges sollte auch für den alleinstehenden Mieter, der ebenfalls noch im Haus lebt, gelten. Doch seit dem 10. Mai gilt die mündliche Vereinbarung offensichtlich nicht mehr: „Am heutigen Tage sind die Kündigungen für alle Bewohner und auch das Büro zum 31. August eingegangen. Vor allem unsere Kunden sind am Boden zerstört und haben nun Existenzängste“, heißt es in einer Mitteilung von Sandra Gommers an unsere Redaktion. „Schade, dass sich an den gesagten Zeitraum seitens der INI nicht gehalten wird.“ Es habe auch kein weiteres Gespräch bezüglich einer erneuten Vereinbarung stattgefunden. Leider hatten wir nur die mündliche Zusicherung und keine schriftliche“.

Gommers hofft, „dass wir in Sonsbeck eine neue Bleibe finden.“ Denn die Menschen, die von der SeWo betreut werden, haben hier ihr soziales Netz gesponnen, kennen sich aus in dem Ort, wissen wo die Apotheke und der Bäcker sind. Auch im Rathaus macht man sich Gedanken, wie man helfen kann und gemeinsam eine Lösung findet. „Wir werden gut durch den Bürgermeister und die Wirtschaftsförderung unterstützt“, so Gommers, die für jede weitere Hilfe aus der Bevölkerung dankbar ist (siehe Infokasten).

Am 1. September 2016 hatte die Initiative Integratives Leben den Bereich ambulante Betreuung für Menschen mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf an die SeWo abgegeben. 22 Heilpädagogen, Sozialarbeiter und Assistenzgeber betreuen seither in drei Schichten die drei Bewohner des Hauses an der Herrenstraße sowie weitere drei Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen, die in Wohnungen in dem noch recht neuen Mehrparteienhaus leben, das die Initiative Integratives Leben An der Ley/Ecke Hochstraße gebaut hat.

Die Mitarbeiter der SeWo müssten nun aber nicht um ihre Jobs fürchten, versichert Sandra Gommers. Denn selbst wenn man in Sonsbeck keine geeigneten Wohnungen findet, werden die Kunden weiter von der SeWo betreut – egal, wo sie hinziehen. „Da stehen wir bei den Eltern im Wort.“

Die Initiative Integratives Leben äußerte sich auf Anfrage nicht zu der Kündigung. „Ich bitte um Verständnis, dass wir zu internen Abläufen und Entscheidungsprozessen keine Stellungnahme abgeben“, teilte Sabine Aushorn, Teamleitung Personal, unserer Redaktion schriftlich mit.

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