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Sonsbeck: Nutrias machen Landwirten zu schaffen

Nagetier in Sonsbeck : Nutrias machen Landwirten zu schaffen

Frank Terhorst nutzte einen Ortstermin vorab des Umweltausschusses in Sonsbeck, um auf Probleme mit den Nagern aufmerksam zu machen. Die Population sei drastisch gewachsen, die Schäden inzwischen massiv, beklagte der Landwirt.

Es hätte eigentlich ein Ortstermin werden können, der die Sonsbecker Politiker im Vorfeld des Umweltausschusses positiv hätte stimmen dürfen. Bei bestem Sommerwetter ging es gemeinsam mit Berthold von Quistorp raus in die Natur, wo der Vorsteher des Kostenpflichtiger Inhalt Wasser- und Bodenverbandes Kervenheimer Mühlenfleuth den Ausschussmitgliedern die Renaturierung einer rund drei Hektar großen Fläche an der Gochfortzley näher erläuterte. Doch bestimmt hat diesen Termin ein anderes Thema. Landwirt Frank Terhorst nahm ihn zum Anlass, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, das ihn schon seit Jahren beschäftigt. Das Problem trägt Pelz, kann sich zu jeder Jahreszeit fortpflanzen und gräbt seine Wohnhöhlen in die Uferböschungen. „Inzwischen ist die Population der Nutrias so groß geworden, dass sie massive Schäden anrichten“, so Terhorst.

Schon an der Gochfortzley zeigte von Quistorp den Ausschussmitgliedern ein typisches Schadbild der Nager. An mehreren Stellen waren größere Mengen Erde in den Bach gefallen. Eine große Erle wies abgestorbene Hauptäste auf. „Nutrias unterhölen die Uferbereiche, wodurch es irgendwann zu Einstürzen kommt“, erklärte von Quistorp. Grabe sich der Nager unter die Wurzeln von Bäumen, würden diese mit der Zeit eingehen. „Wo die Ufer flacher sind, gibt es weniger Probleme, Nutrias bevorzugen steilere Hänge“, ergänzte der Verbandsvorsteher.

 Landwirt Frank Terhorst verwies auf Unterhölungen durch Nutrias an den Ufern der Sonsbecker Ley, wo auch er seine Ackerflächen hat.
Landwirt Frank Terhorst verwies auf Unterhölungen durch Nutrias an den Ufern der Sonsbecker Ley, wo auch er seine Ackerflächen hat. Foto: Beate Wyglenda
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An der renaturierten Fläche der Gochfortzley sind die Ufer abgeflacht worden, um dem Wasser bei Bedarf mehr Raum zu geben. Insgesamt 8000 Kubikmeter Erdreich sind im Rahmen der 2019 durchgeführten Maßnahme ausgebaggert worden. Entsprechend groß ist nun das Rückhaltevolumen. Eingebrachtes Totholz und verschiedene Wassertiefen sowie neu gepflanzte Bäume und Weiden geben zahlreichen Tieren neuen Lebensraum. Auch der Kiebitz fühle sich dort inzwischen heimisch, erzählte von Quistorp. Gut so, denn die Zahl der Bodenbrüter hat sich nach Angaben des Naturschutzbundes in den letzten Jahren stark dezimiert.

Dagegen sei die Zahl der Nutrias, wie von Quistorp und Terhorst betonten, drastisch gewachsen. Bei einem Ortswechsel zur Sonsbecker Ley (am Glossendeich) verwies Terhorst auf Erdhöhlen „im Fünf-Meter-Abstand“. „Das Ufer ist in den vergangenen Jahren sukzessive um bereits gut eineinhalb Meter weggebrochen“, so der Landwirt, der auch Erdhöhlen von rund vier Metern Tiefe ausgemacht haben will. Das sei ein Problem, das nicht nur der Wasser- und Bodenverband, der Gewässer pflegt, habe. Die Landwirte verlören Ackerfläche. „Letztes Jahr ist ein Nachbar wegen einer Unterhöhlung mit seinem Schlepper eingebrochen und nach hinten übergefallen“, berichtete Terhorst. „Da geht es um erhebliche Schäden.“

Er wisse, dass die Zuständigkeit für das Problem nicht bei der Gemeinde, sondern dem Kreis Wesel liege, gab der Landwirt in Richtung der Politiker an. Er bat aber darum, als Gemeinde mehr Druck bei der Kreisverwaltung auszuüben. Als Beispiel nannte auch von Quistorp den Kreis Borken, der eine Kooperation mit niederländischen Wasserverbänden abgeschlossen hat, unter anderem damit niederländische Schädlingsbekämpfer auch auf deutscher Seite Nutrias jagen.

(beaw)