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Sonsbeck: Leitungswechsel in der Jugendbildungsstätte Forsthaus Hasenacker

Leitungswechsel im Forsthaus Hasenacker Sonsbeck : Ein Baumeister in der Jugendbildung

Fünf Jahre lang hat Tim Jansen die Einrichtung Forsthaus Hasenacker in Labbeck geleitet. Als wegen Corona die Schüler ausblieben, ging er aufwendige Renovierungen an. Nach Abschluss der Arbeiten nahm der Leiter nun Abschied.

Als Tim Jansen die Leitung im Forsthaus Hasenacker übernahm, reizte es ihn besonders, in einer kleinen Einrichtung zu arbeiten. Zuvor war der Diplom-Sozialarbeiter lange für eine Tochtergesellschaft der Stadt Bocholt tätig gewesen, ebenso als Betriebsleiter eines deutschlandweit agierenden Unternehmens für Angebote der sozialen Arbeit. In Labbeck angekommen, merkte Jansen jedoch schnell: In der kleinen Jugendbildungsstätte stehen große Arbeiten an. Fünf Jahre lang entwickelte er Organisation, Marketing und Bildungsangebote weiter, brachte mit aufwendigen Sanierungsarbeiten das denkmalgeschützte Haus auf Vordermann. Nun ist der 45-Jährige weitergezogen. Seit Anfang März hat das Forsthaus Hasenacker mit Eva Kolesnikova eine neue Leitung.

So idyllisch die Jugendbildungsstätte gelegen ist, so versteckt liegt sie auch im Tüschenwald. Eines von Jansens Hauptanliegen war es daher, die Einrichtung sichtbarer zu machen, „um möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die tollen Bildungsangebote zugänglich zu machen“, wie der frühere Leiter sagt. Angeboten werden für Schulklassen und Ferienfreizeiten Seminare, Projekte und Exkursionen, beispielsweise zu historischen Themen wie der Stein- oder Römerzeit sowie zur Schulung der Sozialkompetenz. Ein Schwerpunkt liegt auch in der Umweltbildung, wobei die Kinder die Natur auf dem 30.000 Quadratmeter großen Gelände mit Wald, Wiesen und Teichen spielerisch erkunden können. Jansen überarbeitete die Homepage der Einrichtung, die Flyer und das Logo. Er warb in Internetforen für das Haus. Zudem setzte er sich dafür ein, das Personal aufzustocken und eine Verwaltungsstelle zu schaffen.

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Im ländlichen Raum passende Mitarbeiter zu finden, sei aber gar nicht so leicht, wie Jansen bemerkt. „Zum Glück haben wir ein sehr gutes Team und wurden über Empfehlungen fündig.“ Bei der Suche nach einem Hausmeister half dann der Zufall. „Beim Spaziergang im Wald habe ich einen Labbecker getroffen, der mir erzählte, nächstes Jahr in Rente zu gehen“, so Jansen. „Er kannte die Jugendbildungsstätte gut und fühlte sich ihr verbunden, also wurde er direkt verpflichtet.“

Das gereifte Marketingkonzept zeigte Wirkung. Doch als es Zeit war, die Früchte dieser Arbeit zu ernten, kam Corona und setzte alles auf Auszeit. Klassenfahrten waren nicht möglich, Ferienfreizeiten und Wochenendausflüge wurden gecancelt. „Von heute auf morgen blieben die Gäste aus“, erzählt Jansen. „In der Anfangszeit des ersten Lockdowns dachten wir noch, nach dem Sommer gehe der Betrieb weiter. Nach wenigen Wochen war aber klar, die Pandemie wird uns langfristig begleiten.“

Abwarten war nicht. Der Leiter bemühte sich um Fördermittel und nutzte die Zeit, um Renovierungen an dem 1779 erbauten Forsthaus und seinen Nebengebäuden anzugehen. Die Elektrik und die Heizungsanlagen wurden erneuert, die Bodenbeläge ausgetauscht und der Brandschutz verbessert. Im Speisesaal sorgt ein neu eingebauter Schallschutz dafür, dass es etwas ruhiger zugeht, wenn die ganze Schülerschar zum Essen zusammenkommt. Auch die Schlafräume bekamen eine Frischekur sowie eine neue Ausstattung. Wunderschöne Fotografien des Foto-Künstlers Christoph Buckstegen vom Gelände und von freudig spielenden und forschenden Kindern früherer Workshops zieren im ganzen Haus die Wände.

Draußen gingen die Renovierungsarbeiten weiter. Die Fassade wurde gestrichen, die Eingangstür ausgetauscht. Die Sporthalle bekam eine neue Holz-Verkleidung. Auf dem Gelände entstanden eine neue Feuerstelle sowie ein „grünes Klassenzimmer“, ein mit Bruchstein errichteter Halbkreis zum Sitzen, damit die Kinder nach den Exkursionen ihre Erfahrungen miteinander teilen können. Vervollständigt wurde das Projekt durch neu gepflanzte Bäume. Fertig werde man bei einer Einrichtung wie dem Forsthaus Hasenacker nie. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt Jansen. „Aber während der Bauphase sind gute Beziehungen gewachsen. Inzwischen gibt es ein gutes Netz von lokalen Handwerkern, die das Haus betreuen.“

Seit dem Herbst 2021 konnten schrittweise auch die Kinder wiederkehren. „Die letzten Jahre waren sehr intensiv, aber als ich das erste Mal eine Klasse an der Feuerstelle sitzen und die fröhlichen Kinder sah, wusste ich, dass sich die Arbeit gelohnt hatte.“

Mit Abschluss der Arbeiten reifte in Jansen jedoch auch der Wunsch, selbst einen Abschluss zu finden. Schon ein Jahr zuvor spielte er mit dem Gedanken, sich beruflich noch einmal weiterzuentwickeln. Solange Renovierungsbedarf bestand, legte er die Pläne aber auf Eis. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass ich die Einrichtung gut aufgestellt sehe“, sagt der 45-Jährige. Anfang des Jahres hat er eine Anstellung in der Kommunalverwaltung der Stadt Wesel angenommen. Das Forsthaus Hasenacker will der Mann aus Haldern bei Rees aber trotzdem weiter besuchen. „Mir ist nicht nur die Einrichtung, sondern auch der Ort ans Herz gewachsen“, sagt Jansen. „Das war das spannendste Projekt, das ich bisher in meinem beruflichen Leben gemacht habe“, betont er. Um dann mit einem Lächeln hinzuzufügen: „Aber auch ein herausforderndes.“

(beaw)