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Sonsbeck: Kita-Leiterin Ursua Vennhof geht nach fast 40 Jahren in Ruhestand

Kita-Leiterin aus Labbeck verabschiedet sich : Zwei Generationen von Labbeckern betreut

Ursula Venhoff geht nach fast 40 Jahren als Leiterin des St.-Georg-Kindergartens in Labbeck in den Ruhestand. Uns erzählt sie, wie sich die Kita-Arbeit seit ihren Anfängen gewandelt hat.

Wenn Ursula Venhoff morgens in den St.-Georg-Kindergarten kommt, schaut sie zunächst aus dem Fenster raus. Ihr Blick schweift über den Außen-Spielbereich mit neuem Klettergerüst, weiter auf die weitläufigen Felder, die sich hinter der Labbecker Kirche erstrecken. „Und wenn die Sonne über den Feldern aufgeht und alles behutsam in Licht hüllt, dann denke ich mir, was habe ich für einen schönen Arbeitsplatz“, sagt Venhoff. Dieses Gefühl erlebe sie jeden Tag, und das seit fast 40 Jahren. Und doch wird sich die Leiterin des Labbecker Kindergartens demnächst anderen Ausblicken widmen. Denn die 64-Jährige geht am 2. Juli in den Ruhestand. Uns gibt sie nochmal einen ganz persönlichen Blick auf die vergangenen Jahrzehnte, die zwar von immer dem gleichen Arbeitsplatz, aber von vielen Veränderungen in der Kindererziehung geprägt waren.

Venhoff ist nach zwei Jahren als Gruppenleiterin in einem Rheinberger Kindergarten 1982 nach Labbeck gekommen. „Damals war es schwierig, an Stellen zu kommen“, erzählt sie. In St. Georg sollte sie als Erzieherin in einer Gruppenbetreuung anfangen. Doch schon kurz nach ihrem Start wurde Venhoff schwanger. 1983 kam ihre Tochter Lisa zur Welt. Viel Zeit in Mutterschutz hat die gebürtige Vynenerin, die heute in Uedem lebt, dennoch nicht verbracht. Denn in dieser Zeit ist die damalige Leiterin verunglückt, konnte ihren Beruf anschließend nicht mehr ausüben. Also wurde Venhoff angefragt. „Es war eine schwierige Entscheidung mit einem Neugeborenen zu Hause“, sagt Venhoff. Das „tolle Entgegenkommen“ der Katholischen Kirchengemeinde, die Trägerin der Labbecker Einrichtung ist, hat die alleinerziehende Mutter überzeugt, nach sechs Monaten mit einer 40-Stunden-Woche voll einzusteigen. „Diesen Schritt habe ich niemals bereut“, betont Venhoff.

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Mit vier Jahren kam ihre Tochter ebenfalls in den Labbecker Kindergarten. „Ich wusste sie hier einfach in einem freundlichen Umfeld gut aufgehoben“, sagt die Leiterin. Die Kita biete mit fast 300 Quadratmetern viel Raum für Möglichkeiten. Wichtig sei es immer gewesen, den Kindern Freiheiten zu lassen, damit sie selbstständig werden. Aktuell gibt es 33 Kinder in eineinhalb Gruppen. „Die Türen stehen immer offen, die Kinder können selbst entscheiden, wann sie mit wem spielen wollen“, erzählt Venhoff. In kleinen Gruppe dürften sie auch alleine den Spielbereich draußen nutzen. Eigeninitiative werde gefördert.

So gehörte es zu Venhoffs schönsten Momenten, als irgendwann die ersten ehemaligen Kita-Kinder – inzwischen erwachsen geworden – wiederum ihre Sprösslinge in den Kindergarten brachten. „Ich habe alle sofort wiedererkannt“, sagt die Leitung. „Anfangs war ich nur etwas überfragt, wie ich jetzt mit diesen erwachsenen Personen umgehen soll: Soll ich sie duzen oder siezen?“, erzählt sie lachend. Die Unsicherheit war aber schnell abgehakt: „Ich dachte, auch diesen Popo habe ich mal abgewischt. Was soll dann also die Förmlichkeit.“ Venhoffs Herzlichkeit kam an, half ihr auch bei einigen Veränderungen.

So nimmt die Kita seit 2012 auch unter dreijährige Kinder auf. Aktuell sind drei der Kleinsten dort in Betreuung. „Viele waren ja skeptisch, als es mit der U-3-Betreuung losgegangen ist. Wir haben aber bislang durchweg positive Erfahrungen gemacht, und ich halte zwei Jahre für ein gutes Einstiegsalter“, so Venhoff. In diesem Alter lernten die Kinder unheimlich viel, saugten von den Älteren alles auf. „Man merkt aber manchmal, dass die Eltern ein schlechtes Gewissen haben“, so die Kita-Leiterin, die betont, in Zeiten, in denen beide Elternteile voll berufstätig sind, müsse es eben Veränderungen geben, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Dazu gehöre auch, dass die Kinder heute bis in den Nachmittag in der Kita bleiben und dort ein Mittagessen bekommen. Dazu gehörten Projekte, um bei der Abnabelung zu helfen. „Früher wurden die Kinder ins kalte Wasser geworfen“, erzählt Venhoff. Auch das habe sich stark verändert.

Viele Eltern seien zudem im Förderverein aktiv, der sich 1997 gegründet hat. „Sie organisieren Basare, haben schon den Kindergarten renoviert und sogar Fördergelder für das neue Klettergerüst beantragt“, lobt Venhoff. Dieses Miteinader mache ihr den Abschied schwer.

Das allerdings ist nur ein Teil ihrer Arbeit. Der andere sind Büroarbeiten. „Inzwischen gibt es so viele Auflagen, und überall muss man sich einlesen“, erzählt die 64-Jährige. „Aber wenn ein Kind weint, kann ich nicht einfach am Schreibtisch sitzen bleiben.“ Das Hin und Her koste Kraft. Und die will Venhoff nun ihrer Familie widmen: sich um ihre 87-jährige Mutter kümmern, mit ihrem Mann auf Reisen gehen. Und da wäre noch ein Buch, das Venhoff zu Ende schreiben möchte: ein Abenteuerroman mit – na klar – Kindheitserinnerungen.