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Sonsbeck: Katholische Kita zieht ins Provisorium - Abriss ist Ende Juli

Kita-Umzug in Sonsbeck : Kindergarten packt seine Koffer

Die Kita der Katholischen Kirchengemeinde Sonsbeck ist ins Provisorium umgezogen. Ende Juli soll nach zweieinhalb Jahren Verzögerung der Abriss erfolgen. Zuvor gibt’s eine Abschiedsparty.

Noch bringen mit transparenten Rot-, Grün- und Gelbtönen gemalte Weltraummännchen an den Fenstern etwas Fröhlichkeit in den inzwischen kargen Raum der Zirkusgruppe. Im angrenzenden Bewegungszimmer hängen ein paar selbst gebastelte, bunte Girlanden von der Decke. „Hier und da sind noch Spuren von Leben zu erkennen“, bestätigt Pastor Günter Hoebertz. „Aber im Grunde ist mit dem Auszug der Kinder auch die Seele aus dem Gebäude raus.“ Nicht nur die Kinder haben die katholische Kita an der Spülstraße in Sonsbeck inzwischen verlassen. Auch ansonsten ist es dort ziemlich leer geworden. Am Montag und Dienstag stand der Umzug an. Sämtliches Mobiliar ging raus aus der Einrichtung, die Kindern 45 Jahre lang Hort, Spiel- und Lernstätte war, und rein in das Kostenpflichtiger Inhalt eigens errichtete Provisorium im Gebäude der Privaten Realschule, das nun für rund ein Jahr neues Domizil sein soll.

Wie berichtet, soll das bestehende Kostenpflichtiger Inhalt Gebäude der Kita St. Maria Magdalena einem Neubau weichen, um Platz für fünf Gruppen mit bis zu 120 Kindern zu schaffen. Das alte Gebäude war bislang für drei Gruppen konzipiert. Das reichte schon lange nicht mehr aus. Bereits seit 2020 sind deshalb Kinder in den Räumen der Realschule untergebracht.

 Pastor Günter Hoebertz und Kita-Leiterin Brigitte Michalleck stehen im weitgehend leer geräumten Kita-Gebäude.
Pastor Günter Hoebertz und Kita-Leiterin Brigitte Michalleck stehen im weitgehend leer geräumten Kita-Gebäude. Foto: Armin Fischer (arfi)
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Ende Juli soll der Abriss des alten Kita-Gebäudes erfolgen. „Voraussichtlich“, fügt Hoebertz schnell hinzu. Bei Zeitangaben ist er vorsichtig geworden. Denn das Vorhaben an der Spülstraße hat sich enorm verzögert. Die Vergrößerung war von der Katholischen Kirchengemeinde Sonsbeck ursprünglich sogar ganz anders geplant: Zunächst sollte lediglich ein Anbau Platz für eine zusätzliche Gruppe schaffen. Vom Bistum Münster und dem Gemeinderat gab’s das Okay dafür, ein Entwurf war bereits erstellt. „Das Gebäude ist schließlich gut in Schuss“, betont Hoebertz. Obwohl 1977 errichtet, habe das Bistum Münster immer darauf geachtet, es auf dem neuesten technischen Stand zu halten. So sei erst vor zehn Jahren noch das Dach erneuert worden. Die Fenster seien gerade mal sechs Jahre alt. Aber: „Es stellte sich heraus, dass ein Anbau weder pädagogisch noch wirtschaftlich sinnvoll wäre“, sagt Hoebertz.

Also wurde nach einem Jahr Planung die Idee von einem Anbau verworfen und ab 2020 ein Neubau angestrebt – groß genug für vier Gruppen. Das allerdings machte das Kreisjugendamt hellhörig, das bei der Kirchengemeinde anfragte, ob sich ein Neubau nicht auch für fünf Gruppen realisieren ließe. Wieder musste umgedacht werden. Denn: „Für die gesamte Gemeinde reichen die Kirchensteuermittel gerade aus, um drei Gruppen zu finanzieren“, erklärt der Pastor. Nun sollten es allein im Ortskern fünf Gruppen werden. Zudem betreibt die Kirchengemeinde eingruppige Einrichtungen in Hamb sowie Labbeck. Eine große finanzielle Belastung. St. Maria Magdalena ließ sich in Absprache mit dem Bistum Münster dennoch darauf ein. „Wir wollten ein Zeichen setzen, als Kirche für die Bürger in der Gemeinde da zu sein“, betont Hoebertz. Um das Projekt realisieren zu können, wurde nach Investoren gesucht und mit der Volksbank Niederrhein „ein sehr zuverlässiger Partner“ gefunden, „der nicht profitorientiert handelt, sondern im Sinne des Gemeinwohls mit uns an einem Strang zieht“, sagt der Pastor.

Auch der Gemeinde Sonsbeck ist er für die „unkomplizierte Unterstützung“ bei Herrichtung der Übergangslösung dankbar. „Das Landesjugendamt hat daran sehr hohe Anforderungen gestellt“, sagt Hoebertz. Die Corona-Pandemie und die explodierenden Baupreise hätten ihr Übriges getan, das Bauprojekt um rund zweieinhalb Jahre zu verzögern.

Deshalb sind Hoebertz sowie auch Einrichtungsleiterin Brigitte Michalleck nun froh, endlich die nächste Etappe gehen zu können. „Als es mit dem Umzug losging, musste man schon manchmal schlucken“, sagt Michalleck, die seit 1980 in der Kita arbeitet und 1977 als Praktikantin selbst den Einzug miterlebt hat. „Doch bei allem Abschiedsschmerz ist es gut, dass es nun vorangeht.“ Ab Mittwoch ist die Kita am Übergangsstandort wieder geöffnet.

(beaw)