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Sonsbeck: Jugend macht Kirche in St. Maria Magdalena

Sonsbeck : Fünf Freundinnen für ein Halleluja

Die Sonsbeckerinnen Lisa Beckmann, Jule Duckheim, Sophie Lemken, Jessica Terhorst und Celine Gappa bereiten regelmäßig Gottesdienste für Jugendliche vor. Sie wollen zeigen, dass Glaube auch modern sein kann.

Das Problem ist vielleicht ein Stück weit hausgemacht: Bundesweit beklagen sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche einen Rückgang an Gottesdienstbesuchern. Da nimmt sich die katholische Kirchengemeinde St. Maria Magdalena in Sonsbeck nicht aus, auch wenn ihr Gotteshaus zu Messzeiten in der Regel relativ gut gefüllt ist.

Nur was den Besuch von jungen Menschen angeht, würde sich auch Pfarrer Hoebertz über mehr Interesse freuen. Obwohl: Eigentlich kann er sich nicht beklagen. Denn er hat, was andere Geistliche nicht haben: Fünf junge Damen, die sich vor drei Jahren überlegten, wie man Jugendliche in die Kirche holen und Messen attraktiver gestalten kann. „Kids for Kids“ nannten sie sich und ihr Projekt zu Anfang; der Name, so gibt Martina Beckmann zu, „ist auf meinem Mist gewachsen“. Die Mutter unterstützt die Mädchen, die sporadisch Gottesdienste vorbereiten, und zwar so, dass sie die Messordnung wohl einhalten, aber Themen setzen, die Jugendliche ansprechen. „Der Glaube hilft einem im Leben“, sagt sie. Und das versucht Martina Beckmann, den Mädchen mit auf den Weg zu geben.

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Lisa Beckmann (15), Jule Duckheim (15), Celine Gappa (15), Sofia Lemken (14) und Jessica Terhorst heißen die fünf jungen Damen, die sich aus dem Kindergarten und der Grundschule kennen. Vor einem Gottesdienst, den sie vorbereiten, treffen sie sich in der Regel zwei Mal bei Lisa Beckmann, um miteinander zu arbeiten, das Tagesevangelium zu bearbeiten, ein Thema festzulegen, Fürbitten zu notieren und im YouTube-Kanal nach passenden Songs zu suchen, die durchaus auch polarisieren und sogar provozieren können.

So wie am 15. April diesen Jahres, als Pastor Hoebertz die Messe unter das Thema „Frieden“ stellte und angefragt hatte, wer was dazu machen könne und wolle. „Wir!“, entschieden die fünf, die aus dem „Kids“-Alter raus sind und sich heute „Jumaki“ (Jugend macht Kirche) nennen. Und sie machten sich an die Arbeit, suchten im Netz Musikvideos zum Thema, fanden ein Stück von Stadtland MC, ein Rapper, vielseitiger Musiker und Produzent aus Wien, der in seinem Lied „Friede, Freude, Eierkuchen“ durchaus provokante Thesen vertritt. Aber der Pastor ließ die Mädchen gewähren, „er lässt uns echt viel Freiraum“, sagt Lisa Bergmann. Die anderen stimmen ihr zu. Auf die Frage, warum sie sich engagieren, antwortet Celine Gappa pragmatisch: „Wir sind mit Kirche groß geworden, außer Jule waren wir alle Messdienerinnen. Drei von uns sind auf der Marienschule, da bereiten wir ja auch unsere Gottesdienste selber vor.“ Klar, so einfach ist das. Und es macht ihnen Spaß, Impulse zu setzen, die Messe mit verschiedenen Medien aufzulockern. Im vergangenen Jahr beispielsweise spielten sie zum Thema „Musik“ verschiedene Musikvideos im Gottesdienst ab. Darunter „Auf uns“, ein Stück von Andreas Bourani. Denn jede von ihnen spielt ein Instrument: Sofia spielt Trompete, Jessica Akkordeon, Lisa Gitarre, Celine Bass, Jule Saxophon.

Für ihren nächsten Gottesdienst am Sonntag, 9. September, (von 10.30 Uhr an in der Kirche St. Maria Magdalena) haben sie sich wieder bei Lisa Beckmann zu Hause getroffen und bereiteten draußen am großen Terrassentisch das Thema „Liebe“ vor. Auch das Plakat dazu gestalteten sie selbst. Zu Beginn, so viel verraten sie schon, wird Rap von Sido erklingen, im Netz haben sie einen Poetry Slam über die Liebe gefunden, jede trägt eine Fürbitte zum Thema vor. „Wir bitten für die Menschen, die denken, dass sie nicht geliebt werden, sie sollen daran denken, dass sie von Gott geliebt werden“, fällt Jule Duckheim spontan ein.

„Wir bitten für alle Menschen, dass sie die Liebe ihres Lebens finden“, hat auch Celine Gappa ihre Fürbitte gefunden und zeigt eines der T-Shirts, die die Mädchen bei den Gottesdiensten tragen. Das Logo darauf haben sie mit am Computer selber entworfen.

Die T-Shirts werden die fünf auch tragen, wenn am Sonntag, 16. September, endlich das neue Pfarrheim an St. Maria Magdalena eingeweiht werden kann. Sie haben fürs Fest einen Kalender gestaltet, auf dem alle Termine fürs Jahr 2019 eingetragen werden können und den Kinder bei der Pfarrheim-Einweihung bebildern sollen. Den Kalender will die katholische Kirchengemeinde herausgeben und im Herbst für einen guten Zweck verkaufen.