Sonsbeck fordert vom Kreis Wesel Verbesserungen für Hamb bei Notfall-Einsätzen

Gemeinde soll Kreis unter Druck setzen : Sonsbeck setzt Notruf für Hamb ab

Der kleine Ortsteil ist bei Notfällen kritisch unterversorgt. Daher soll der Kreis Wesel für Hilfe aus Geldern sorgen. Das wird die Gemeinde in ihrer Stellungnahme zum neuen Rettungsdienstbedarfsplan fordern.

Noch haben alle Kommunen im Kreis Wesel ein paar Tage Zeit, ihre Stellungnahmen zum neuen Rettungsdienstbedarfsplan an Landrat Ansgar Müller zu schicken. Dementsprechend wird derzeit in vielen politischen Gremien diskutiert, welche Meinung man zum bislang vielerorts eher kritisch beäugten Planungswerk übemitteln möchte. So auch am Donnerstagabend in der Sitzung des Sonsbecker Haupt- und Finanzausschusses.

Dort waren sich alle Fraktionen einig, der Gemeindeverwaltung noch eine kleine Konkretisierung aufzutragen. Denn insbesondere die Situation für Hamb würde sich, bliebe es bei den derzeitigen Plänen des Kreises, in Zukunft nicht verbessern – sondern im Gegenteil noch weiter verschärfen.

Zum Hintergrund: Bereits mit der jetzigen Verteilung der Rettungswachen und Notarztstandorte konnten die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen in Hamb in den vergangenen drei Jahren nicht erreicht werden. Das Gesetz sieht vor, dass ein Rettungswagen oder Notzarzt in ländlichen Gebieten im Notfall innerhalb von acht bis zwölf Minuten, im Ausnahmefall innerhalb von einer Viertelstunde vor Ort sein muss. Ein funktionierender Rettungsdienst liege laut neuester Rechtsprechung vor, wenn diese Fristen bei 90 Prozent aller Einsätze eingehalten werden können.

Daten des Kreises für die Jahre 2016, 2017 und das erste Quartal 2018 belegen allerdings, dass selbst die Ausnahme-Frist von 15 Minuten bei Einsätzen in Hamb nicht eingehalten werden kann. Bei normaler Hilfsfrist von acht bis zwölf Minuten sogar nur in knapp 30 Prozent aller Notfälle. Hinzu kommt, dass durch eine derzeit geplante Verlegung der Xantener Rettungswache an den westlichen Ortsrand – die Gemeinde Sonsbeck geht von einem fiktiven Standort an der Sonsbecker Straße in Xanten aus – die Strecke nach Hamb für Einsatzkräfte sogar noch einmal länger würde.

Daher drängten die Sonsbecker Ausschussmitglieder am Donnerstagabend darauf, den Kreis Wesel klar und deutlich aufzufordern, eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem Kreis Kleve in die Planungen aufzunehmen. „Wir sollten diese Möglichkeit noch stärker einfordern. Denn im Notfall wären Einsatzkräfte von der Gelderner Rettungswache möglicherweise schneller vor Ort“, sagte SPD-Frau Christa Weidinger. Ihr CDU-Kollege Josef Elsemann stimmte zu: „Zwar wurde von Geldener Seite überhaupt noch nicht geprüft, ob die Mit-Versorgung von Hamb überhaupt leistbar wäre, aber trotzdem wäre das sinnvoll. Es gibt ja bereits Beispiele im Kreis Wesel, wo über Grenzen hinweg geholfen wird. So wird Schermbeck-Gahlen von der Rettungswache Dorsten versorgt.“

Bürgermeister Heiko Schmidt, der abermals Kritik an der intransparenten Informationspolitik der Kreisverwaltung in Sachen Rettungsdienstbedarfsplan äußerte, sagte derweil zu, die Formulierungen der Stellungnahme noch einmal zu überarbeiten und klarere Forderungen zu formulieren. Sonsbecks Ordnungsamtsleiter Markus Jansen gab allerdings gleichzeitig zu verstehen, dass man in dieser Sache „letztlich voll und ganz auf das Entgegenkommen des Kreises angewiesen ist.