Sonsbeck fordert Anpassungen am Regionalplan Ruhr vom RVR

Zukünftige Gemeindeentwicklung : Sonsbeck fordert mehr Wohnbauland vom Regionalverband Ruhr

Die Gemeinde hat zum Entwurf des Regionalplans Stellung genommen. Sie möchte in einigen Punkten mehr kommunale Entscheidungsgewalt verankert wissen. Zudem kritisiert sie Datengrundlagen und die Kiesindustrie.

Der Regionalverband Ruhr (RVR) will sich für die Zukunft aufstellen und erarbeitet daher derzeit einen neuen Regionalplan. Ein erster Entwurf wurde den Mitgliedskommunen, zu denen auch die Gemeinde Sonsbeck gehört, vor einiger Zeit zugesendet. Noch bis Ende Februar hätte man im Sonsbecker Rathaus Zeit gehabt, sich zu den Plänen – unter anderem soll ein Kooperationsstandort für großflächige Gewerbeansiedlung ausgewiesen werden – zu äußern. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat der neue Bauamtsleiter Georg Schnitzler diese Stellungnahme, die am Dienstag im Bauausschuss beraten wird, nun bereits vorgelegt.

Wohnbau Grundsätzlich begrüße die Gemeinde eine flächensparende und nachhaltige Siedlungsentwicklung, schreibt Schnitzler. Dennoch müsse diese auch die maßvolle Entwicklung bestehender Siedlungsbereiche weiterhin ermöglichen. Daher müssten, nicht zuletzt mit Blick auf den geplanten Kooperationsstandort, ausreichend Erweiterungsflächen vorgehalten werden. Zudem kritisiert die Gemeinde in ihrer Stellungnahme, dass der RVR Sonsbecks Wohnbaubedarf anhand einer Datenerhebung aus dem Jahr 2014 ermittelt habe. Stattdessen hätten neuere Daten aus 2017 in den Planungen berücksichtigt werden müssen. Da inzwischen alleine für den Ort Sonsbeck 222 Anfragen nach Bauland vorlägen, sei eine bedarfsgerechte Sicherung von Bauflächen unerlässlich.

So hatte der RVR in seinem Entwurf mehrere Flächen auf Sonsbecker Gemeindegebiet als zukünftiges Bauland dargestellt, unter anderem zwischen Dassendaler und Bögelscher Weg sowie im Bereich der Gerebernus-Kapelle. Für die Gemeinde keine Option, denn zum einen müsste hierfür der Friedhof hinter der Kapelle weichen, zum anderen ließen die gerade bei Starkregen auftretenden Probleme mit Hangwässern vom Dürsberg eine Wohnbebauung in diesem Bereich nicht zu. Ihr Vorschlag: Die Planflächen zum einen auf die andere Seite der Xantener Straße, zum anderen westlich der Straße Landdrostsche Huf bis zur Balberger Straße zu verlegen – denn grundsätzlich bestehe in diesem Bereich der Bedarf nach neuem Bauland.

Auch die RVR-Pläne Südwesten Sonsbecks möchte die Gemeinde überarbeitet wissen. So sieht die Verbandsplanung Flächen zwischen Wildpaßweg und Parkstraße sowie zwischen Vogelsang und Kevelaerer Straße als Wohnbauland vor. Hier befinden sich allerdings zum einen ein Regerückhaltebecken, zum anderen sind diese Flächen bereits bebaut. Als Ausgleich schlägt Schnitzler angrenzende Gebiete in diesem Bereich vor, um ein moderates Wachstum flächengleich zu ermöglichen.

Und auch die geplante Ausweisung des überörtlichen Gewerbe-Kooperationsstandorts südlich der Alpener Straße hat Auswirkungen auf die Wohnbauplanung der Gemeinde. Denn künftige Ansiedlungen von großen Industriebetrieben würde für zusätzlichen Wohnbedarf sorgen – den die Gemeinde im Planentwurf nicht berücksichtigt sieht. Sie fordert daher, eine zusätzliche Fläche zwischen Grootensweg und Mergelstraße als Bauland zu deklarieren.

Gewerbe Wie berichtet, begrüßt die Gemeinde die geplante Ansiedlung des Kooperationsstandorts, auch der Rat bereits zugestimmt. Dennoch fordert Schnitzler eine leichte Verschiebung der bisherigen Planung. Denn Teile der Koop-Fläche überdecken sich im Bereich des Gewerbegebiets Peterskaul mit Flächen für örtlichen Gewerbebedarf. Der Rathaus-Planer schlägt daher vor, den Bergweg als nördlichen Rand der Kooperationsfläche zu deklarieren und als Ausgleich den südlichen Rand bis zum Heideweg auszuweiten.

Darüber hinaus fordert die Gemeinde vom RVR, in diesem Bereich auf die Festsetzung einer Mindestbetriebsgröße von acht Hektar zu verzichten. So hatten es auch die Ratsfraktionen gefordert. „Es sollte im kommunalen Planungsermessen bleiben, wie und in welchen Größenordnungen diese Flächen entwickelt werden“, schreibt Schnitzler.

Verkehr Auch in diesem Bereich werden aus dem Rathaus Forderungen nach Anpassungen laut. So seien zum einen die Balberger Straße (L460) sowie die Hoch- und im weiteren Verlauf die Gelderner Straße (L480) als Verkehrswege mit überörtlicher Bedeutung auszuweisen – dass dies bislang nicht so sei, sei nicht nachvollziehbar. Schließlich handele es sich um Landstraßen und damit per Definition um Straßen, die überörtlichen Verkehr aufnehmen müssen.

Außerdem fordert die Gemeinde, im Bedarfsplan für den Regionalen Radverkehr die Route nach Wesel über Veen und Birten zu überprüfen und den notwendigen Lückenschluss zwischen Sonsbeck und Veen mit Priorität in den Blick zu nehmen.

Kies Anders als in Alpen kommt bei diesem Thema in Sonsbeck nur wenig Unruhe auf. Einzig eine Fläche an der Alpener Straße ist als Kiesabbaugebiet ausgewiesen. Da in diesem Bereich die Umsetzung der Trockenabgrabung  bislang aber nur in sehr geringem Umfang erfolgt sei, stellt man im Rathaus die ausgewiesene Größe des Gebiets grundsätzlich in Frage. Zudem kritisiert die Gemeinde, dass die Kiesindustrie bislang den Nachweis schuldig geblieben sei, ob der von ihr geltend gemachte Bedarf tatsächlich gerechtfertigt ist. Das Fehlen eines nachhaltigen Umgangs mit der endlichen Ressource wird daher bemängelt

Mehr von RP ONLINE