Sonsbeck: Die Gemeinde kann ein neues Gewerbegebiet für große Betriebe ausweisen.

Gewerbeansiedlung : 43 Hektar Platz für Großgewerbe

Laut Regionalplan Ruhr soll an der Alpener Straße in Sonsbeck ein entsprechend großes Gebiet ausgewiesen werden, in dem sich große Firmen niederlassen können. Der RVR möchte dort einen Kooperationsstandort einrichten. Politik reagiert verhalten.

Die Gemeinde Sonsbeck hat die Weichen für zukünftige Gewerbeansiedlungen auf dem Gemeindegebiet gestellt. Jüngst stimmte der Rat mit einer knappen Mehrheit einer Stellungnahme der Verwaltung zu, die vom Kreis Wesel angefordert worden war.

Denn der Kreis ist derzeit dabei, sein bereits im Jahr 2014 erstelltes Industrie- und Gewerbeflächenkonzept zu aktualisieren. Grund ist, dass sich die Planung des Regionalverbands Ruhr geändert hat. Im Fall von Sonsbeck sieht diese Planung vor, südlich des Gewerbegebiets Peterskaul an der westlichen Seite der Alpener Straße etwa zwischen Heideweg und Stadtveener Straße ein knapp 43 Hektar großes Gebiet für industrielle und gewerbliche Neuansiedlungen auszuweisen – als sogenannten Kooperationsstandort. Dabei handelt es sich um Flächen, die größer als zehn Hektar sind. Sie sollen Großansiedlungen (von mindestens acht Hektar) auch in kleineren Kommunen ermöglichen und haben den Zweck, überregional bedeutsame Ansiedlungen zu ermöglichen, auch wenn an geeigneten Stellen das Flächenkontingent der betreffenden Kommune überstiegen wird.

Die Gemeinde hat daher in ihrer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass sich die im RPR ausgewiesene Fläche teils mit Gebieten überschneide, die von kommunalem Interesse sind. Nichtsdestotrotz befürwortet man die Ausweisung der bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche als zukünftiges Gewerbegebiet. „Dieser Schritt bietet mehr Chancen als Risiken“, sagte Bürgermeister Heiko Schmidt unserer Redaktion. „Denn die Handlungshoheit, was auf dieser Fläche letztlich passiert, bleibt in kommunaler Hand.“ Das habe man sich auch vom Städte- und Gemeindebund bestätigen lassen. „Daher drohen auch keine Enteignungen der jetzigen Eigentümer, wie es bereits zu hören war.“

Der Regionalverband Ruhr setzt schon seit einiger Zeit auf die Planung mit Kooperationsstandorten. Denn in vielen großen Städten sei die Nachfrage nach Ansiedlungen gerade von Großbetrieben der Logistik nach wie vor ungebrochen groß. Dort stehen allerdings keine freien Flächen mehr zur Verfügung. Insgesamt wurde vom RVR für das gesamte Ruhrgebiet ein quantitativer Bedarf von rund 700 Hektar für solche regionalen Kooperationsstandorte ermittelt. Daher möchte man nun vermehrt aufs platte Land ausweichen.

Dieses Vorhaben stößt bei einigen Ratsfraktionen allerdings auf wenig Gegenliebe. So äußerte nicht nur die SPD in der jüngsten Ratssitzung Bedenken. „Sonsbeck ist landwirtschaftlich geprägt. Diese Flächen werden auch weiterhin benötigt. Wir halten eine Mindestgröße von acht Hektar pro Neuansiedlung für viel zu viel“, sagte Fraktionsvorsitzende Christa Weidinger. Ihr CDU-Kollege Josef Elsemann stimmte ihr zumindest teilweise zu: „Wir wissen, was das Wesen der Gemeinde Sonsbeck ist: kleine Betriebe.“ Dennoch solle man sich nicht von vornherein alle Chancen auf eine positive Entwicklung der Gemeinde verbauen, indem man die Pläne nun ablehne.

Zumal die Verwaltungsspitze um Bürgermeister Heiko Schmidt betonte, dass einige Wahlen vergehen würden, bis sich in der Sache etwas Konkretes tun würde.

An der Alpener Straße in Sonsbeck plant der Regionalverband Ruhr einen Kooperationsstandort für gewerbliche Ansiedlungen (rot umzackter Bereich). Foto: RVR/Gemeinde Sonsbeck/Screenshot Regionalplan Ruhr

„Da sind noch so viele verschiedene Schritte vorgeschaltet, dass es noch Jahre dauern kann, bis die Sache akut wird.“ Allerdings hat die Umplanung von einer landwirtschaftlichen zu einer zukünftigen gewerblichen Fläche einen großen Vorteil: Sie kann nicht mehr anders genutzt werden. Auch nicht für den Kiesabbau.

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