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Sommerakademie im APX: Vom Hörsaal zur ersten Ausgrabung

Sommerakademie im APX : Vom Hörsaal in die Grube

Während des Sommers lernen 30 Studenten in Xanten, wie Archäologie in der Praxis funktioniert. Ihre ersten Funde haben sie schon gemacht.

Seit zweieinhalb Wochen suchen Julie Brüls und Janik Nussdorfer im Boden des Archäologischen Parks Xanten (APX) nach Überresten der Römer. Sie haben schon Nägel und Keramikscherben gefunden, die Belgierin und der Schweizer sind von diesen Funden begeistert. „Es ist ein besonderes Gefühl“, sagt Nussdorfer, der an der Universität Zürich Archäologie studiert. Wahrscheinlich seien sie die ersten Menschen seit knapp 2000 Jahren, die diese Hinterlassenschaften der Römer zu Gesicht bekommen. „Und wenn ich mir vorstelle, dass sie in einem Museum landen könnten, dann ist das cool.“

Brüls und Nussdorfer gehören zu 30 Frauen und Männern aus neun Ländern, die an der internationalen Archäologischen Sommerakademie in Xanten teilnehmen. Der APX organisiert diese achtwöchige Ausgrabung für Nachwuchs-Archäologen schon zum neunten Mal. Dabei wird er von der Regionalen Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) finanziell unterstützt.

Die jungen Menschen studieren noch, sie kommen zum Beispiel aus Deutschland, Spanien, Luxemburg, Frankreich oder Italien, sind zwischen 18 und 25 Jahre alt und leben während ihres Praktikums in der römischen Herberge. Tagsüber lernen sie das Grabungshandwerk – nicht theoretisch, sondern praktisch. „Sie übernehmen alle Aufgaben, die auch ein Grabungsleiter hat“, sagt APX-Sprecher Ingo Martell. Die Studenten machten also keine Hilfsarbeiten, sondern würden selbstständig arbeiten und auch alles dokumentieren, was sie finden, damit es anschließend wissenschaftlich untersucht werden kann. „Das sind anspruchsvolle Tätigkeiten“, unterstreicht Martell.

Sie sind auch anstrengend: Die Studenten stehen oder knien stundenlang auf einem Feld neben der römischen Herberge. Mal graben sie mit einer Schaufel, mal mit einer Kelle, mal fegen sie mit einem Handbesen die Erde von einem Fundstück. Dabei zeichnen sie zum Beispiel penibel nach, wie der Boden aussah. Sie müssten präzise arbeiten, um nichts zu zerstören, gleichzeitig sei Kraft nötig, sagen Brüls und Nussdorfer. Was sie noch gelernt haben: Archäologie erfordert Geduld. Seit 2011 graben Studenten jedes Jahr an dieser Stelle und legen vorsichtig Stück für Stück die Reste von Fundamenten frei, auf denen vermutlich die Häuser von Händlern und Handwerkern standen – und es dürften noch einige Studentenjahrgänge hier graben können. Die Arbeit erfordert offensichtlich einen langen Atem. „Ohne Passion geht gar nichts“, sagt Grabungsleiter Ruben Wehrheim.