1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Seniorenheime während der Corona-Pandemie: Trennungsschmerz statt Osterfreude

Seniorenheime während Corona : Trennungsschmerz statt Osterfreude

Wegen Corona gilt ein Besuchsverbot für Altenheime. Umso öfter klingelt nun das Telefon. Aber es kann nicht alles ersetzen. Die Leiterinnen von zwei Seniorenheimen in Xanten berichten, wie Bewohner und Pflegekräfte den Alltag stemmen.

Ostern, das Fest der Hoffnung – in den Seniorenheimen dürfte es trist ausfallen. Ob Ostergottesdienst, gemeinsamer Brunch oder Besuche der Angehörigen: Alle Festivitäten sind in Zeiten der Corona-Pandemie abgesagt. Zu gefährlich für die Bewohner, die nun seit mehreren Wochen isoliert sind. Sabine Graefenstein-Pontkees, die Leiterin des St.-Elisabeth-Hauses in Xanten, berichtet von großem Verständnis der Bewohner für das Besuchsverbot. Dennoch würden „viele sehr darunter leiden, dass sie niemand besuchen darf“, sagt die Leiterin des Hauses am Stadtpark, Susanne Reitze-Jehle. Man versuche, es den Bewohnern so erträglich wie möglich zu machen, aber gerade den Demenzkranken sei die Situation schwer vermittelbar. In ihrem Altenzentrum sind dieses Jahr über Ostern alle Telefone besetzt, um für die besorgten Angehörigen da zu sein und Kontakt mit den Bewohnern herzustellen. Osterkörbe werden angenommen und übergeben. Für die Bewohner sei aber „leider noch kein Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen, sagt Reitze-Jehle, „die Heime werden als letztes wieder Normalität haben“.

Die derzeitige Ausnahmesituation belastet auch die Mitarbeiter der Seniorenheime stark. „Der Arbeitsaufwand ist um ein Vielfaches höher“, sagt Graefenstein-Pontkees, und Reitze-Jehle seufzt: „Wir sind nur noch im Corona-Modus.“ Täglich gebe es gemeinsame Sitzungen, um neue Entwicklungen und Verordnungen zu berücksichtigen. Das Pflegepersonal werde regelmäßig geschult, wie es nun mit den Bewohnern umzugehen hat und sie sowie sich selbst angemessen schützt, betont Graefenstein-Pontkees, die aber auch zu bedenken gibt, dass Körperkontakt in der Pflege gar nicht immer zu vermeiden sei. Ihr Mitarbeiter hätten deshalb ihre Sozialkontakte „drastisch reduziert“: „Wir tragen eine irre Verantwortung. Vernunft ist das Gebot der Stunde.“

Seit vergangenem Freitag gilt die Corona-Aufnahmeverordnung: Kommt ein Bewohner von einem externen Arzttermin oder nach einem Krankenhausaufenthalt zurück, muss er getestet und unter Quarantäne gestellt werden. Es braucht überall getrennte Bereiche, die von separaten Pflegeteams unter unterschiedlichen Hygienevorkehrungen betreut werden müssen. Im St.-Elisabeth-Haus hat man bereits „Quarantänezimmer“ eingerichtet, das Haus am Stadtpark stimmt sich gerade mit der Heimaufsicht des Kreises bezüglich der Umsetzung ab.

Die Versorgung mit adäquater Schutzkleidung sei „erbärmlich“, sagt Reitze-Jehle. „Wie überall fehlen FFP2-Masken und Schutzkittel“, von Kommunen und Ministerien bestellte Lieferungen kämen nicht an, im Moment komme man mit dem, was man habe, aber noch aus. Sie sei froh „einen großen Träger im Rücken“ zu haben, im Notfall könne sie die Ausrüstung von anderen Häusern beziehen. Auch Graefenstein-Pontkees deutet an, dass sie derzeit priorisieren müsse, wo welche Schutzausrüstung am meisten gebraucht werde. Die FFP2-Masken reichen demnach nur für die Quarantäne-Bereiche.

Alle Mitarbeiter seien ständig „auf der Hut“, ob jemand krankheitstypische Symptome zeige, so Reitze-Jehle. Ist das der Fall, muss wie bei allen Menschen der Hausarzt konsultiert werden. Er entscheidet, ob getestet wird. Graefenstein-Pontkees versichert: „Wenn wir einen hinreichenden Verdacht haben, werde ich alle Hebel in Bewegung setzen, damit getestet wird.“ Trete der Tag X ein, an dem ein Bewohner der Einrichtung mit dem Virus infiziert sei, wie nun in einem Seniorenheim in Sonsbeck geschehen, werde ein Pandemieplan aktiv und das Gesundheitsamt hinzugezogen, erklären beide Heimleiterinnen.

„Wir tun alles, um das Virus nicht hineinzulassen“, sagt Graefenstein-Pontkees. Aber wenn es trotzdem zu Infizierungen käme, müsse man mit „Ruhe und Bedacht“ damit umgehen, in der Hoffnung, dass „im Hintergrund die richtigen Entscheidungen getroffen werden“. Noch dürften sich die Bewohner des St.-Elisabeth-Hauses in ihren Wohngruppen bewegen, es gebe einen Alltag, begleitete Spaziergänge und Zugang zu den Terrassen. Würden aber Fälle auftreten, müssten auch Demenzkranke auf ihren Zimmern isoliert werden. „Da würden wir an unsere Grenzen stoßen“, glaubt Graefenstein-Pontkees, „ich hoffe, dass wir das nicht erleben werden“.