Seeadler auf Bislicher Insel in Xanten haben wieder Nachwuchs

Bislicher Insel : Familie Seeadler hat wieder Nachwuchs

Die Bislicher Insel ist für zwei Seeadler zur Heimat geworden. Zum dritten Mal werden sie Eltern. Forscher wollen mehr über sie herausfinden.

Noch ist unklar, wie viele es sind. Wahrscheinlich zwei, wie in den vergangenen Jahren, vielleicht auch drei. „Wir wissen es nicht, wir können nicht ins Nest schauen“, sagt Ilka Weidig, Biologin beim Regionalverband Ruhr (RVR) und Leiterin des Naturforums Bislicher Insel. „Aber wir wissen, dass sie geschlüpft sind.“ Vor Ostern muss es gewesen sein. Hobby-Ornithologen, die das Seeadler-Pärchen auf der Bislicher Insel regelmäßig aus sicherer Entfernung beobachten, haben den Nachwuchs durch ihre Ferngläser und Kamera-Objektive gesehen.

Es ist das dritte Mal, dass die Xantener Seeadler Junge bekommen haben – und es ist immer noch etwas Besonderes. Zwar leben in anderen Regionen Deutschlands Hunderte Seeadler-Brutpaare, vor allem im Nordosten. Aber zwischen Rhein und Weser hatten die Raubvögel rund 200 Jahre lang nicht mehr gebrütet, bis 2017 auf der Bislicher Insel zum ersten Mal zwei Jungvögel schlüpften. Noch heute ist das Seeadler-Pärchen auf der Bislicher Insel das einzige bekannte in Nordrhein-Westfalen mit Nachwuchs. Das Naturschutzgebiet ist zu ihrer Heimat geworden, denn hier finden sie, was sie brauchen: Nahrung, Platz und vor allem Ruhe.

Naturschützer halten deshalb ausreichend Abstand zum Nest und empfehlen das auch Besuchern der Bislicher Insel. Aber schon mehrfach mussten sie allzu aufdringliche Personen auffordern, dem Horst nicht zu nahe zu kommen. Die Seeadler könnten sich sonst durch den Menschen gestört fühlen und das Naturschutzgebiet verlassen, vielleicht für immer, warnt Weidig. Besucher sollten deshalb auf den angelegten Wegen bleiben und die Beobachtungshütten nutzen, um die Seeadler zu beobachten. Allerdings müssen sie Geduld mitbringen, und vorerst werden sie den Nachwuchs wahrscheinlich nicht sehen können: Es werde noch einige Wochen dauern, bis die jungen Seeadler den Horst verließen und das Fliegen übten, berichtet die Biologin. „Ich denke, dass sie im August und September recht aktiv sein werden und man sie beobachten kann.“ Voraussichtlich im Herbst würden die jungen Raubvögel dann ihre Eltern verlassen. Genauso wie es ihre vier Geschwister in den vergangenen Jahren getan haben.

Wo diese sich niedergelassen haben, ist unklar. Deshalb prüfen Naturschützer im Auftrag der Vogelschutzwarte Helgoland, ob sie die neuen Jungvögel in den nächsten Monaten mit Ringen und Sendern ausstatten können. Dann könnten Forscher den Lebensweg der Vögel nachvollziehen. Sie wüssten, wohin diese fliegen, wo sie sich eine Heimat suchen und ob sie selbst brüten. Die Vogelschutzwarte Helgoland ist die Beringungszentrale für die nordwestdeutschen Bundesländer, also auch für Nordrhein-Westfalen.

Seeadler gehören zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Sie erreichen eine Flügelspannweite von mehr als zwei Metern. Sie bleiben ganzjährig in ihrem Revier und leben von Fischen sowie Wasservögeln.

Auf der Bislicher Insel brüten, rasten und überwintern zahlreiche, teilweise gefährdete Vogelarten. Das etwa 1200 Hektar großen Naturschutzgebiet ist eine der wenigen Auenlandschaften in Deutschland, liegt in einer Altrheinschlinge und erhielt seinen Inselcharakter vor mehr als 200 Jahren, als der Rhein durch den Bislicher Kanal im Norden begradigt wurde.

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