Xanten: Schreibend raus aus dem "Krüppelbett"

Xanten: Schreibend raus aus dem "Krüppelbett"

In jüngster Zeit ist Berndt Mosblech, der nach einem Autounfall seit vielen Jahren bettlägerig in einem Duisburger Pflegeheim lebt, wieder als Autor aktiv. Jetzt veröffentlicht er im Verlag Ralf Liebe den Band "Widerworte".

Es fasst einen durchaus ans Herz, wenn man folgende Sätze in Berndt Mosblechs neuem Band "Widerworte" liest: "Was ich in meinem Krüppelbett allem zuvor vermisse, ist die Kraft, anderen zu helfen." Gleich darauf fügt er hinzu: "Meine gelegentliche Seltsamkeit ist eher kauziger Zynismus als Verbitterung." Vielleicht denkt Berndt Mosblech an den autobiografischen Ausdruck "Matratzengruft" des kranken Heinrich Heines, wenn er für sich die kaum schonende Beschreibung "Krüppelbett" verwendet. Herauslesen kann man bei Mosblech jedenfalls, dass er kein Mitleid haben will. Mosblech will gelesen werden!

Wer nicht mehr ganz jung und literarisch interessiert ist, der kennt Berndt Mosblechs Lebensskizze. Für die anderen sei die biografische Notiz aus dem gerade herausgekommenen Band zitiert: "Geboren 1950 in Duisburg, dort nach seinem Studium der Germanistik, Philosophie und Theologie als Lehrer tätig. Nach einem Autounfall lebt er seit vielen Jahren bettlägerig in einem Pflegeheim seiner Heimatstadt. 1971 gründete er gemeinsam mit Hildegardmarie Binder die 'Literarische Werkstatt Duisburg'. Im Rahmen umfangreicher Lektorats- und Herausgebertätigkeit für verschiedene Verlage betreute Mosblech seit 1972 fast 70 Buchpublikationen vernehmlich junger Autoren."

Zu ergänzen bleibt, dass Mosblech selber mehrere Bücher veröffentlichte, darunter beispielsweise "Zwischen Abschied und Wiederbegegnung", "Der Tag hat keine Eile" oder als letzter Band aus der frühen Phase "Als wären 24 Stunden ein Tag". Fast 30 Jahre lang gab es von Berndt Mosblech keine neuen Publikationen mehr, doch als im Jahr 2011 eine Werksauswahl von Berndt Mosblechs erschien, sorgte dies offenbar für einen neuen Energieschub: Vor zwei Jahren erschien sein Band "Ich schreibe, also bin ich" und nun der Folgeband "Widerworte". In den beiden jüngsten Veröffentlichungen, die jeweils im Verlag Ralf Liebe erschienen sind, finden sich sowohl ältere Texte als auch zahlreiche Erstveröffentlichungen. "Lyrik, Merksätze und Aphorismen" ist der Untertitel der "Widerworte". Vielleicht könnte man noch "Lebensweisheiten" als Beschreibung hinzunehmen.

Der Band wendet sich nicht an Schnell-Leser, sondern an Zeilenkoster. Mit autobiografischen Elementen geht Mosblech sehr sparsam um, stattdessen blickt er reflektierend auf die Welt. Da lesen wir beispielsweise Sentenzen wie "Erst unter Druck wird aus Kohle Diamant" oder "Mit Willen kannst du auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, etwas bauen." Bisweilen überrascht Mosblech den Leser mit überraschenden psychologischen Analysen, wie etwa: "Neid ist eigentlich nur eine Sonderform der Anerkennung." Mosblech ist zwar körperlich nur eingeschränkt mobil, doch nimmt er am Geschehen in der Welt und in der Stadt, dank der Medien und guter Freunde, regen Anteil. Sätze wie "Was üblich ist, mag es auch Rechtens sein, ist noch lange nicht richtig" oder "Meist ist ein Neubeginn einfacher, als das Festhalten am Alten" oder auch "Alleingelassene sind für Verführer bevorzugte Beute" sind Reflexionen angesichts des Zeitgeschehens.

Der selbst attestierte "kauzige Zynismus" spiegelt sich in einigen bewusst plakativen Aussagesätzen wider, etwa: "Die meisten Haie sterben nicht durch Harpunen, sondern durch Plastikmüll."

An mindestens zwei Stellen der "Widerworte" spürt man den Optimismus, den sich Mosblech wohl erkämpfen musste. Die erste heißt: "Einige wenige Sonnenstrahlen stellen bisweilen die ganze Welt in den Schatten." Bei der anderen Stelle spielt wohl auch Mosblechs Lebensschicksal eine Rolle:

"Fünf Gründe, warum ich noch lebe,

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Erstens: Kampfgeist

Zweitens: Ausdauer

Drittens: Mut

Viertens: Phantasie

Fünftens: Unbeirrbare Überzeugung, dass auch morgen die Sonne wieder aufgeht."

Berndt Mosblech: Widerworte - Lyrik, Merksätze und Aphorismen. 102 Seiten. Verlag Ralf Liebe (Weilerswist). 14 Euro. ISBN: 978-3-944566-74-0.

(pk)