Xanten: Schiedsrichter mit Fahne

Xanten : Schiedsrichter mit Fahne

Das besondere Fußballspiel: Die Akteure des SSV Lüttingen standen Spielern des GSV Duisburg gegenüber, die gehörlos sind. Sven Holtz war fasziniert von der Kommunikation der Gegner.

LÜTTINGEN Es ist ungewöhnlich ruhig auf dem Fußballplatz. Der Schiedsrichter schwenkt heftig mit seiner gelbe Fahne, ein schriller Pfiff ertönt. Elf Fußballer bleiben direkt stehen, die anderen Akteure stoppen erst kurze Zeit später. Unwissende hätten sich wohl gefragt, was da in Lüttingen auf dem Sportplatz eigentlich los war.

In einem Freundschaftsspiel standen sich die Teams des SSV Lüttingen und die Kicker des GSV Duisburg gegenüber. Das besondere an der Partie und auch der Grund, warum der Unparteiische und nicht nur die Linienrichter eine Fahne in der Hand hielten, war die Tatsache, dass die Gäste gehörlos sind.

Den Gegner angepasst

„Ich habe mein Team selten so still auf dem Platz erlebt. Wir haben uns den Gegnern angepasst“, meinte SSV-Trainer Jürgen Brammen, der von Burhan Akdogan besonders begeistert war. Dass der 17-Jährige fußballerisch richtig was drauf hatte, bemerkte die Hintermannschaft der Hausherren schnell. Der Schüler darf seit kurzem zusammen mit dem 19-jährigen Adam Glazewski das Trikot der U 21 Nationalmannschaft der Gehörlosen überstreifen.

Diesen beiden Talenten gelangen auch die Tore für ihre Mannschaft beim 4:2 (3:1)-Endstand. Tobias Schnitzler, Oliver Siwik, Sven Holtz sowie Kai Möller waren die Torschützen des SSV. Für das Team von Coach Peter Becher war es das erste Freundschaftsspiel gegen Fußballer mit normalem Gehör. Auch für die Lüttinger war es eine ganz neue Erfahrung. Fußballerisch gesehen, war es allerdings ein Gegner wie jeder andere.

Sven Holtz faszinierte viel mehr die Kommunikation seiner Gegner. „Meistens haben sie an unseren Reaktionen erkannt, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hatte“.

Kunst des Lippenlesens

Der Kontakt zwischen den beiden Fußballmannschaften entstand über den SSV-Kicker Christoph Schwartz, der zusammen mit dem Gäste-Trainer arbeitet. Becher steht schon seit zwei Jahren in der Liga für Gehörlose an der Seitenlinie. „Die Jungs fühlen sich in einer Mannschaft der Hörenden oft ausgeschlossen, da es mit der Verständigung schwierig ist“, sagte der Coach, der ebenfalls Worte nur durch die Kunst des Lippenlesens versteht.

(RP)
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