Roter Ibis in Xanten gesichtet Rätsel um exotischen Vogel am Niederrhein

Xanten · Am Rhein in Xanten ist ein Vogel gesichtet worden, dessen Lebensraum knapp 8000 Kilometer entfernt ist. Unklar ist, wie der Scharlachsichler (auch Roter Ibis genannt) am Niederrhein gelandet ist und ob ihn jemand vermisst.

 Der Scharlachsichler an einem Tümpel in Vynen.

Der Scharlachsichler an einem Tümpel in Vynen.

Foto: Claudia Michalowitzsch

Am Rhein in Xanten ist ein Scharlachsichler gesichtet worden. Ein Anwohner entdecke den Vogel und informierte Horst Redmer vom Naturschutzbund (Nabu) in Xanten, wie dieser unserer Redaktion berichtete. Die Herkunft des Scharlachsichlers ist unklar. Der Lebensraum des Vogels, der auch Roter Ibis, Scharlach-Ibis oder Roter Sichler genannt wird, ist das nördliche Südamerika. Die Strecke über den Atlantik bis zum Niederrhein sei er kaum geflogen, sagte Redmer. Ein Zugvogel für weite Strecken sei er nicht. Wahrscheinlicher sei, dass der Scharlachsichler aus einem Gehege oder Tierpark in der Region stamme. Bisher sei aber keine Suchmeldung bekannt. Beringt sei er nicht.

Claudia Michalowitzsch fotografierte den Vogel. Er habe in einem Tümpel am Rhein in Vynen gestanden, berichtete sie. „Ein wunderschönes Tier.“ Der Rote Ibis habe sich von ihr nicht stören lassen. „Er ist nicht scheu.“ Diese Erfahrung habe auch der Anwohner gemacht, erzählte Redmer. Von Spaziergängern mit Hunden, die über den Deich gelaufen seien, habe sich der Scharlachsichler nicht aufschrecken lassen. Er habe im Tümpel weiter in Ruhe nach Nahrung gesucht. „Er scheint ganz zutraulich zu sein.“

Der Rote Ibis habe einen gesunden Eindruck gemacht, erklärte Redmer weiter. „Dem geht es gut.“ Der Vogel sei zwar ein „verirrter Gast am Niederrhein“. Er könne nicht eingefangen werden. „Man hat keine Chance, dann fliegt er weg.“ Ein Fall für die Feuerwehr sei er auch nicht – sie werde nur gerufen, wenn ein Tier in Not sei. „Aber dieser Vogel ist überlebensfähig“, sagte Redmer und bat darum: „Er sollte in Ruhe gelassen werden.“ Es sei damit zu rechnen, dass der Rote Ibis nicht an diesem Standort bleibe. „Für seine Situation, alleine in fremder Umgebung, gibt es keine völlig zufriedenstellende Lösung.“

Einige Zoos in Deutschland halten Scharlachsichler, etwa Leipzig und Frankfurt, wie sie auf ihren Internetseiten schreiben. Demnach sind Gefieder und Beine scharlachrot gefärbt. Rote Sichler ernährten sich hauptsächlich von Krebstieren, Weichtieren, Insekten, kleinen Fischen und Würmern, erklärt der Zoo Frankfurt. Wie bei Flamingos komme die rote Farbe der Tiere durch den Farbstoff Karotin zustande, der sich in den Panzern der Nahrungstiere befinde, erläutert der Zoo Leipzig. Die Jungtiere hätten erst ein graubraunes Gefieder, das sich im zweiten Lebensjahr nach der Mauser umfärbe. Der Rote Ibis, der in Vynen am Deich gesehen wurde, müsste also ein erwachsenes Tier sein, sagte Redmer.

(wer)
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