Sonsbeck: Rieke ist schnell, Lisa kann hellsehen

Sonsbeck : Rieke ist schnell, Lisa kann hellsehen

"Die Spezialisten": Josef Koller erzählt 259 Grundschulkindern spannende Geschichten aus seinem Kinderbuch.

Das muss man erst mal schaffen: Gut 80 Mädchen und Jungen im Grundschulalter eine Schulstunde lang eine Geschichte zu erzählen, zu lesen und sie so zu fesseln, dass sie bei der Stange bleiben und nicht (nur) unruhig hin und her rutschen. Josef Koller schaffte das. Im Forum der Johann-Hinrich-Wichern-Grundschule las er insgesamt 259 Schülern in drei Gruppen aus seinem neuen Kinderbuch "Die Spezialisten" vor. Oder besser: Er erzählte ihnen, worum es in dem Buch geht: Um Kinder, die alle besondere Fähigkeiten haben.

Rieke zum Beispiel, die sei super schnell, aber auch super faul! Und Lisa, die könne hellsehen, "die sagt auch das Wetter voraus". Der Steini, der sei super schlau, ein Mathe-Ass und absolut fit am Computer. Und der glaubt Lisa natürlich nicht, dass sie hellsehen kann. Und der Goram, der sei super stark. "Der ist älter als die anderen Kinder. Der war acht, als er mit seinen Eltern nach Deutschland flüchtete und hier erst einmal die Sprache lernen musste", so Josef Koller.

Und dann gibt es da noch Max, der oft seinen Onkel Erwin auf der Insel besucht. Der Onkel hat den Schrank voller Gold und das Edelmetall einschmelzen und daraus einen drei Meter hohen Roboter namens Herkules bauen lassen. Den wollen Piraten unbedingt klauen. Aber da haben sie die Rechnung ohne die Kinder gemacht . . .

Josef Koller, der schon als Kind angefangen hat, kleine Geschichten zu schreiben, mittlerweile seit 20 Jahren Bücher für Kinder schreibt und "seit 15 Jahren hauptberuflich in ganz Deutschland lesend unterwegs" ist, war vor drei Jahren schon mal in Sonsbeck. "In Grundschulen", so sagt er, "da sind die Kinder noch sehr offen, da kann man noch was bewegen." Und wie aufs Stichwort kommt Bewegung ins Schulforum, löst eine Schülergruppe die vorherige ab, hört zu, lacht mit dem Buchautor und löchert ihn mit Fragen. Wie lange er denn für ein Buch braucht, will ein Kind wissen. "Ein bis zwei Jahre." Wie er das denn so macht, das mit dem Schreiben, fragt ein anderes Kind. "Erst schreibe ich mit dem Stift einen Block voll, am liebsten in einem Café, da sitze ich dann so vor mich hin und schreibe und schreibe." Und dann würde er das, was er geschrieben hat, mit dem Mikrofon in seinen Computer diktieren. Und der würde das dann alles in Schönschrift aufschreiben. Ob er auch Bücher über Einhörner geschrieben hat, fragt Lotte. Nein, hat er nicht, dafür aber ein neues Buch: Joko und das Ratzefumm. "Und wie zeichnest du das alles?", fragt Emma. Koller gibt ehrlich zu, dass er nicht gut zeichnen kann und dies von einer Zeichnerin machen lässt.

Martin Nenno, Leiter der Johann-Hinrich-Wichern-Grundschule, erklärt, warum er Josef Koller wieder nach Sonsbeck geholt hat: "Die Autorenlesung und die Begegnung mit einem Kinderbuchautor sind ein ganz besonderes Ereignis und ein wichtiger Bestandteil von schulischer Lesekultur und auch Leseförderung."

Die Schüler, so Nenno, erfahren beim Zuhören lebendige Literatur und gewinnen Einblicke in den Beruf und das Leben eines Autors. Auch für Josef Koller war der Vormittag in Sonsbeck eine Bereicherung. Da hat er die Kinder wieder getroffen, die vor drei Jahren gerade die erste Klasse besuchten und inzwischen natürlich schreiben und lesen können. Einige haben ihn wiedererkannt, konnten sich an die Lesung vor drei Jahren erinnern. "Das ist toll für mich", sagte Koller.

(jas)
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