Rhein: Immer mehr Fische ziehen an Xanten vorbei

Xanten: Anlage erfasst Fische im Rhein

An Stromkilometer 822,8 zwischen Wesel und der Bislicher Insel in Xanten beobachtet eine Fischzählanlage Wanderbewegungen. In den vergangenen zehn Jahren hat die Station rund 540 Junglachse und mehr als 800 Aale gezählt. Tendenz steigend.

Von der chemikalienverseuchten Brühe der zurückliegenden Jahrzehnte ist Vater Rhein inzwischen wieder ein ganzes Stückchen entfernt. Schritt für Schritt erobert sich die Natur den Strom zurück, dem Umweltschutz sei dank. Und damit kehren auch allmählich die Fische in ihre früheren Reviere heim. Von der Nordsee zieht es sie zu den Laichplätzen in den Süßwasserflüssen wie Sieg, Agger, Dhünn und Eifel-Rur. Eine Zählanlage an Stromkilometer 822,8 zwischen Wesel und der Bislicher Insel in Xanten beobachtet diese Wanderbewegungen. Hierzu sind von Ufer zu Ufer dicke, knallrote Kabelantennen verlegt.

Die Anlage haben die Niederländer in den späten 90er Jahren als eine von zahlreichen Kontrollstationen dauerhaft in Betrieb genommen. Die meisten stehen Richtung Rheindelta und an der Maas, manche auch in Frankreich und Belgien und fünf in Nordrhein-Westfalen entlang von Rhein, Lippe, Ruhr, Wupper und Sieg. Es gehe nicht darum, die Fischbestände zu zählen, sagt Wilhelm Deitermann, Pressesprecher beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), sondern um die Erfassung und Zählung von markierten Wanderfischen. Vorrangige Zielobjekte sind Aal, Lachs, Meerforelle, aber auch andere Flussfische. „Über die Migrationsrouten und -zeiten kann man zum Beispiel herauszufinden, wann ein Fisch abwandert, wieder zum Ablaichen zurückkehrt und welche Wege er genommen hat. Damit das überhaupt registriert werden kann, sind zahlreiche Fische mit einem Transponder markiert, der etwa vier Jahre aktiv ist.

Wenn er nun auf seiner Wanderung die Kabel passiert, wird er gezählt. „Die Anlage funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie der Diebstahlschutz, der an den Türen von Kaufhäusern installiert ist“, erläutert der Sprecher des Landesumweltamtes weiter. Eine Datenbank führt die Ergebnisse zusammen. Deitermann: „Dort kann man dann sehen, dass beispielsweise Fisch Nummer 001 die Anlage Xanten zu einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit durchschwommen hat.“ Andere Biologen checken weiter an den Zuflüssen stromaufwärts, wie viele Fische dort ankommen.

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In zehn Jahren hat die Station rund 540 Junglachse und mehr als 800 Aale gezählt. Eine Hochrechnung auf den Gesamtbestand ist nicht möglich und nicht das Ziel. Aber über abwandernde Aale, die über verschiedene Stationen auf ihrem Weg in die Nordsee verfolgt wurden, lässt sich zum Beispiel sagen, dass sie vorzugsweise den „Waal“ und den „Nieuwe Waterweg“ genommen haben. Wird nun in diesem Jahr das küstennahe Binnengewässer Haringvliet geöffnet, stünde den Fischen ein weiterer Wanderweg mit einem wichtigen Übergang vom Rhein zum Meer offen.

Auch wenn sich die ökologische Situation in Vater Rhein schon deutlich verbessert hat, ist noch viel zu tun. „Aus den Ergebnissen ging grundlegend hervor, dass im Rheinsystem bis zur Nordsee noch erhebliche Probleme bestehen und die Wanderwege weiter verbessert werden müssen“, berichtet Frank Molls, Geschäftsführer des Rheinischen Fischereiverbandes von 1880. Immerhin: Die Zahl der Fische, die es an Xanten vorbei zieht, ist bereits deutlich gestiegen.