Entspannte und stressfreie Einkaufsatmosphäre So war die erste Stille Stunde im Rewe in Xanten

Xanten · Keine Musik, weniger Geräusche, weniger grelles Licht, kein Einräumen: Mit der Stillen Stunde will der Rewe in Xanten das Einkaufen für viele Menschen angenehmer machen. Ein Netzwerk aus Beratungsstellen und Institutionen hofft auf Nachahmer im Kreis Wesel.

Start der Stillen Stunde im Rewe in Xanten: Inhaber Jeffrey Karlen (l.) und Vertreter des Netzwerks. Mittwochsabends gibt es deshalb weniger grelles Licht, keine Musik und weniger Geräusche.

Start der Stillen Stunde im Rewe in Xanten: Inhaber Jeffrey Karlen (l.) und Vertreter des Netzwerks. Mittwochsabends gibt es deshalb weniger grelles Licht, keine Musik und weniger Geräusche.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Der Rewe-Markt in Xanten hat eine sogenannte Stille Stunde eingeführt. Dafür war am Mittwochabend die Premiere. Um 19 Uhr wurde die Hintergrundmusik ausgeschaltet, die Kassen leiser gestellt, und es wurde nichts mehr in die Regale eingeräumt. Dadurch soll das Einkaufen auch für reizempfindliche Menschen angenehmer werden. Künftig geht die Stille Stunde an jedem Mittwoch von 19 Uhr bis 22 Uhr im Rewe-Markt in Xanten.

Für viele Menschen bedeuten helles Licht, laute Musik, viele Geräusche und volle Gänge Stress. Für Menschen mit Autismus oder mit ADHS zum Beispiel. Betroffene würden versuchen, Supermärkte zu meiden, was im Alltag schwierig sei, erklärten Vertreter des Netzwerks Stille Stunde im Kreis Wesel. Oder sie eilten durch die Gänge, um den Einkauf möglichst schnell hinter sich zu bringen, seien aber den Rest des Tages erschöpft, weil sie ihre Kraft für den Supermarktbesuch gebraucht hätten. Innerhalb der Stillen Stunde würden deshalb Reize wie Licht, Musik und Düfte reduziert. Auch das Beladen von Regalen werde eingestellt, weil es laut sei oder Hektik verbreiten könne und damit Menschen im Rollstuhl besser durch die Gänge kämen.

Die Initiative Stille Stunde Kreis Wesel ist ein Zusammenschluss von Beratungsstellen und Einrichtungen, die Menschen mit Behinderungen unterstützen und sich für deren Belange einsetzen. Mehrere Vertreter der Initiative waren am Mittwochabend zum Rewe in Xanten gekommen, um die Kunden den Hintergrund der ruhigen Einkaufsatmosphäre zu erklären. Das wollen sie auch in den nächsten Wochen machen.

Wegen des Deutschlandspiels war weniger los als sonst. Aber auch nach der EM wird es im Rewe mittwochs ab 19 Uhr immer ruhiger sein als zu anderen Zeiten. Während der Stillen Stunde war es so leise, dass zwischendurch das Brummen der Kühltruhen das einzige Geräusch war. Somit hatten die Supermarktkunden in diesen drei Stunden auch weniger Reize gleichzeitig zu verarbeiten als sonst – und konnten sich besser auf ihren Einkauf konzentrieren. Tagsüber sei es manchmal sehr voll, sehr laut, sehr wuselig im Supermarkt, sagte eine Kundin. An diesem Abend sei es deutlich ruhiger. „Ich finde das gut, das ist eine sehr gute Idee.“

Rewe-Markt-Inhaber Jeffrey Karlen hatte über Xantens Wirtschaftsförderer Christian Bossmann von der Stillen Stunde erfahren. Wenn damit Menschen geholfen werden könne, sei es wichtig, das auch zu tun, sagte der Unternehmer. Der Aufwand sei überschaubar. „Für uns ist es nicht viel Arbeit“, sagte Jeffrey Karlen. Ein Teil der Beleuchtung werde ausgeschaltet, genauso wie die Musik, und die Kassen würden leiser gestellt. Für die Stille Stunde sei der Mittwoch ausgewählt worden, weil dienstags neue Ware komme, die am nächsten Morgen eingeräumt werden müsse – bis zum Abend sei das erledigt. Das Piepen an den Kassen werde leiser gestellt, müsse aber eingeschaltet bleiben, als Rückmeldung dafür, dass eine Ware eingescannt worden sei.

Der Rewe in Xanten ist der erste Supermarkt im Kreis Wesel, der eine Stille Stunde einführt. Anderen sei das Problem vielleicht noch nicht bekannt, sagten Vertreter des Netzwerks Stille Stunde im Kreis Wesel. Es gebe auch noch nicht so viele Beispiele am Niederrhein, wo sich Supermärkte die Umsetzung abschauen könnten. Daher hofft das Netzwerk, dass der Rewe in Xanten für andere zum Vorbild wird und weitere Supermärkte folgen. Die Initiative bietet dafür ihre Unterstützung an.

(wer)