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Restaurant Neumaier in Xanten: Mit mobilen Luftreinigern gegen Corona

Restaurant Neumaier in Xanten : Mit mobilen Luftreinigern gegen Corona

In seinem Restaurant, Hotel und im Schützenhaus in Xanten lässt Michael Neuamier die Luft durch neue Geräte filtern. Forscher haben ermittelt, dass sich damit die Infektionsgefahr deutlich verringern lässt.

Michael Neumaier hat Hotel, Restaurant und Schützenhaus auf die Zeit nach dem Lockdown vorbereitet. Der Unternehmer investierte dafür mehr als 30.000 Euro, vor allem in Luftreiniger und Trennwände. Das entspricht in etwa der Hälfte, die er sonst in einem Jahr in die reine Renovierung der Gebäude steckt. „Ich sehe es als notwendige Investition, um die Gesundheit von Mitarbeitern und Kunden zu schützen“, sagt Neumaier. „Wir müssen eine Strategie entwickeln, wie wir mit dem Virus leben können.“ Selbst wenn immer mehr Menschen geimpft seien, werde Corona nicht aus dem Alltag verschwinden, glaubt der Gastronom.

Neumaiers Strategie besteht aus mehreren Maßnahmen, zusätzlich zu Masken, Lüften und Abstand. Im Restaurant sind Scheiben eingebaut worden, um die Tische voneinander zu trennen. Sie sind aus Glas, fallen deshalb nicht sofort auf, stören also die Atmosphäre im Gastraum nicht. Außerdem bestellte Neumaier zwei große, mobile Luftreiniger. Hersteller ist ein Unternehmen aus Heinsberg. Jedes Gerät kostete mehrere Tausend Euro, sie haben Filter der Klasse H14. „Je höher die Nummer, desto feiner arbeitet der Filter, umso höher ist die Sicherheit“, sagt Neumaier, der Studien gelesen hatte, bevor er die Technik bestellte.

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So hatte die Universität der Bundeswehr in München unter anderem untersucht, ob „mobile Raumluftfilter eine indirekte Sars-CoV-2-Infektionsgefahr durch Aerosole wirksam reduzieren können“. Das Team um Prof. Christian Kähler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik testete einen Raumluftreiniger der Klasse H14, also ein Gerät, wie auch Neumaier es gekauft hat und das Aerosolpartikel mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 Mikrometer bis zu 99,995 Prozent aus der Raumluft filtern soll. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Aerosol-Konzentration in einem Raum mit einer Größe von 80 Quadratmetern innerhalb kurzer Zeit überall auf ein geringes Maß reduziert werden kann“, schreiben die Autoren der Analyse. Raumluftreiniger seien „eine sehr sinnvolle technische Lösung“, um die Infektionsgefahr durch Aerosole „stark zu verringern“.

Neumaier geht davon aus, dass solche Filter langfristig in der Gastronomie vorgeschrieben sein werden. Er hat zwei mobile Luftreiniger bestellt, um sie in verschiedenen Räumen im Restaurant oder bei Veranstaltungen im Saal des Schützenhauses einsetzen zu können. Bis zu 2000 Kubikmeter Luft kann ein Gerät pro Stunde filtern, in der höchsten Filterstufe (H14) sind es bis zu 1800 Kubikmeter. Zusätzlich will Neumaier noch mehrere kleine Luftreiniger bestellen.

Die Gastronomie ist seit Anfang November geschlossen. Wann für sie der Lockdown endet, ist noch unklar. Als Bund und Länder die Einschränkungen bis zum 7. März verlängerten, sagten sie zu Gastronomie und Hotelgewerbe, dass eine „sichere und gerechte Öffnungsstrategie“ entwickelt werden solle. Aber Öffnungen solle es erst geben, wenn eine „stabile“ Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen erreicht sei.

Neumaier rechnet damit, dass er um Ostern herum, also etwa Anfang April, zumindest das Restaurant wieder öffnen darf. Er vermisst nach eigenen Worten langfristige Aussagen von der Politik dazu, wie es für die Gastronomie weitergehen soll, damit die Branche eine Perspektive hat. Neumaier erinnert daran, dass die Mitarbeiter von Restaurants und Hotels seit November 2020 in Kurzarbeit seien. Auch wenn der Arbeitgeber die staatliche Unterstützung aufstocke, bleibe ihnen deutlich weniger Geld zum Leben, als wenn sie arbeiten könnten. Seit bald vier Monaten müssten sie damit auskommen. „Sie sind die Verlierer der Krise.“