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Xanten: Regen verhindert Große Viktortracht

Xanten : Regen verhindert Große Viktortracht

Die Prozession zum Fürstenberg musste am Sonntag von Dompropst Klaus Wittke abgesagt werden. Beim beeindruckenden Pontifikalamt bringt Erzbischof Joachim Kardinal Meisner eine Grußbotschaft aus dem Vatikan mit.

Morgens um halb neun in der Früh gab es noch ein Fünkchen Hoffnung. Da wurde entlang des geplanten Prozessionswegs durch die Innenstadt der letzte Fahnenhalter ins Pflaster gehauen, derweil die Gläubigen dem Ruf der Glocken folgten und in Richtung Dom strebten. Knapp drei Stunden später musste allerdings Dompropst Klaus Wittke verkünden: "Das Wetter ist nicht besser geworden. Darum ist es nicht möglich, mit dem Schrein nach draußen zu ziehen."

Statt zur wenige Kilometer entfernten Fürstenbergkapelle trugen sechs Männer den goldbeschlagenen Schrein mit den Gebeinen des Heiligen Viktor auf der Schulter, begleitet von der Geistlichkeit und Ministranten, an den Gläubigen im Dom vorbei vom Altarraum durch den Lettner zurück zum Altar. Dort hielt Erzbischof Joachim Kardinal Meisner anschließend seine Predigt und sprach den apostolischen Segen.

Die beeindruckende Veranstaltung konnten nicht nur die Gläubigen im Dom oder per Videoübertragen auf einer Leinwand im Kreuzgang verfolgen. Der Sender Domradio hatte sie im Internet übertragen, so dass Menschen in aller Welt die Xantener Feier sehen konnten.

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Die Große Viktortracht gehört zu den herausragenden Ereignissen im Kalender der St.-Viktor-Gemeinde. Die zahlreichen Fahnen und Banner zeugten davon, dass Verbände, Vereine und Vereinigungen wie Schützenbruderschaften, Kolpingfamilie oder Malteser auch aus dem weiten Umkreis eine Delegation nach Xanten entsendet hatten. Nur etwa alle 25 Jahre, zuletzt 1991, tragen Gläubige den Schrein durch die Stadt. Auch diesmal sollte es für die vielen Tausend erwarteten Besucher ein großes Fest werden. Doch Regen und ein kalter Wind sorgten dafür, dass nur wenige Menschen zu den Ständen auf dem Marktplatz strebten; die Sitzbänke vor der vorbereiteten Bühne blieben leer. Überall war das Wetter eines der Hauptgesprächsthemen, in der Raucherpause im Michaelstor ebenso wie unter den Schirmen der Börse, wohin mancher mit einem Teller dampfender Malteser-Erbsensuppe in der Hand Schutz gesucht hatte.

Das Pontifikalamt im Dom zu Beginn der mehrstündigen Großen Viktortracht zelebrierte Erzbischof Meisner selbst. Ihn hatte der Papst zu seinem Legaten ernannt und mit einer Grußbotschaft aus dem Vatikan nach Xanten entsandt. Der Papst sei "in diesen Tagen mit den Bürgern verbunden, die an der Großen Viktortracht teilnehmen", sagte der Kölner Kardinal.

In seiner Predigt ging Kardinal Meisner auf die Geschichte des Doms ein. "Xanten beschließt im Norden die blutige Spur vieler tapferer Christuszeugen, die als Mitglieder der römischen Legion ihr Leben für Christus hingegeben haben. Unsere heimatliche Erde ist durch ihr Martyrium bewohnbar geworden, weil Gott sie durch ihr Blut als Heimstatt für die von ihm geliebten Menschen bereitet hat", betonte er das Leiden Viktors, der sich im 4. Jahrhundert als Führer einer römischen Legion geweigert hatte, die römischen Götter anzuerkennen und der dafür einen Märtyrertod sterben musste.

Seine Gebeine wurden später geborgen, seit dem 9. Jahrhundert werden sie verehrt und seit dem 12. Jahrhundert zu besonderen Anlässen in einer Großen Viktortracht durch die Stadt getragen.

Manche sagten, das Christentum sei überholt, führte Kardinal Meisner weiter aus. "Doch wir haben noch gar nicht richtig angefangen, es zu verwirklichen", zitierte er einen verstorbenen französischen Kardinal. "Wir haben 2000 Jahre vertan. Wir müssen endlich anfangen, diese Botschaft ernst zu nehmen. Ein festes Fundament ist dafür in Xanten gelegt."

Bei vielen war die Enttäuschung über die ausgefallene Prozession durch die Stadt groß. So zum Beispiel bei den Schülerinnen des Placidahauses, Aylin Bullmann und Kim-Laura Mankertz. Die Viktortracht finde ja nur selten statt, sagten sie, und sie hätten die Chance gehabt, dabei sein zu können. "Es wäre auch ein schönes Gemeinschaftsgefühl für unsere ganze Schule gewesen." Dafür, so Aylin Bullmann, sei der Gottesdienst umso schöner gewesen. "Er war nicht nur beeindruckend, sondern hat einfach gigantisch auf mich gewirkt." Wenn man dort sitze, komme einfach alles zusammen: die Wirkung des Gebäudes, die überaus vielen Menschen, die Fahnen, der tolle Chor, die vielen Messdiener, die ganze Atmosphäre.

(RP)