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RB 31: Ersatzverkehr startet mit Problemen

Schienenersatzverkehr auf RB31-Strecke : Ersatzbus lässt Haltestellen rechts liegen

Auf der Strecke der Regionalbahn 31 gilt nun ein Ersatzfahrplan. Einzelne Züge werden durch Busse ersetzt. Aber noch läuft nicht alles rund. Zum Ärger der Kunden.

Am Montag ist auf der Zugstrecke zwischen Xanten, Alpen, Rheinberg, Moers und Duisburg ein Ersatzfahrplan in Kraft getreten, er gilt bis Ende April. Die Nordwestbahn (NWB) reagiert damit auf den Lokführermangel in ihrem Unternehmen. Bevor Züge der Regionalbahn (RB) 31 kurzfristig ausfallen, weil Triebfahrzeugführer fehlen, setzt sie zu bestimmten Zeiten direkt Busse ein. Am ersten Tag knirschte es im Ablauf, ein Bus ließ Haltestellen aus, einige Fahrgäste erreichten ihr Ziel zu spät. Eine NWB-Sprecherin versicherte auf Anfrage, dass sich das ändern wird. Ein Erfahrungsbericht.

6.08 Uhr Vier Frauen und Männer stehen am Bahnhof in Xanten und warten auf den Schienenersatzverkehr. Laut Fahrplan sollte jetzt der Expressbus abfahren: Diesen Namen trägt er, weil er außer in Xanten nur noch in Alpen, Millingen sowie Rheinberg hält und dann direkt Duisburg ansteuern soll, um die gesamte Strecke in einer Stunde und sieben Minuten zu schaffen. Das ist zwar nicht ganz so schnell wie der Zug, der die Distanz von etwa 50 Kilometern in knapp 50 Minuten zurücklegt. Aber wenn ein Bus alle Haltestellen der RB 31 anfahren muss, kann die Fahrt gut und gerne eineinhalb Stunden dauern.

6.21 Uhr Der Expressbus trifft mit einer Verspätung von 13 Minuten ein – sogar doppelt: Ein Gelenkbus wird von einem Solobus begleitet. „Damit wir auf der sicheren Seite sind“, wird später eine Sprecherin der Nordwestbahn auf Anfrage unserer Redaktion erklären. Für den Fall, dass mehr Menschen mitfahren wollen, als in einem einzelnen Fahrzeug Platz finden. Jetzt, am frühen Morgen in Xanten, steigen drei Menschen ein. Der vierte mögliche Fahrgast zögert. Es ist eine Frau, die in Moers arbeitet. Aber hält der Bus dort überhaupt? Der Busfahrer schaut auf seinen Fahrplan und schüttelt den Kopf. Die Frau muss auf den nächsten Bus warten. Planmäßig sollte er genau jetzt abfahren.

6.25 Uhr Ein weiterer Gelenkbus erreicht den Bahnhof in Xanten. Er fährt anstelle der Regionalbahn um 6.21 Uhr, ist also ein paar Minuten zu spät. Die Frau von vorhin steigt ein, sie muss um 7.45 Uhr an ihrem Arbeitsplatz sein. Laut Fahrplan dürfte das klappen: Der Bus soll den Bahnhof in Moers um 7.13 Uhr erreichen. Ihr bliebe dann noch eine halbe Stunde für den Weg innerhalb der Stadt. Der Bus dagegen fährt weiter und hält noch – anders als die Expressverbindung – in Trompet und Rumeln, bevor für ihn in Rheinhausen Endstation ist. Von dort geht es für die Passagiere dann weiter mit dem Zug, wenn sie Duisburg erreichen wollen.

6.40 Uhr Der Berufsverkehr nimmt zu. Trotzdem kommt der Ersatzbus von 6.21 Uhr zügig voran. Der Fahrer lenkt den langen Wagen gekonnt an parkenden Autos vorbei, ohne Zeit zu verlieren. Mittlerweile hat er die Verspätung von vier auf zwei Minuten halbiert. Zwei Fahrgäste steigen in Alpen ein.

6.59 Uhr An der Haltestelle in Rheinberg warten vier Frauen und Männer. Vor einer Viertelstunde hätte doch der Expressbus kommen sollen, wo sei der denn abgeblieben?, fragen sie den Busfahrer. Aber der Mann weiß keine Antwort. Die neuen Fahrgäste suchen sich einen Platz, während der Bus weiter nach Moers fährt. Auf der Bundesstraße 57 wird der Berufsverkehr dichter. Der Bus muss immer wieder stoppen und verliert Zeit.

7.21 Uhr Der Schienenersatzverkehr erreicht Moers mit acht Minuten Verspätung. Die Frau aus Xanten ist schon aufgestanden, als der Bus in die Straße am Bahnhof einbiegt. Sie muss sich beeilen, ihr bleiben noch gut 20 Minuten, um entweder zu Fuß bis zu ihrer Arbeitsstelle zu laufen – dafür brauche sie 20 Minuten, schätzt sie – oder um auf einen Bus zu warten, der sie in zehn Minuten dorthin fährt. Sie ist unzufrieden. „Die Fahrkarte kostet so viel“, schimpft sie. 25 Euro zahle sie für die Hin- und Rückfahrt, und ihr Job sei schon stressig genug. Da wolle sie sich nicht auch noch abhetzen müssen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Der Ersatzbus fährt indes weiter und rumpelt über den holprigen Asphalt.

7.47 Uhr Der Bus erreicht mit fünf Minuten Verspätung seine Endstation: Rheinhausen. Eine Handvoll Menschen steigt aus. Die Frauen und Männer wollen nach Duisburg weiterfahren. Die RB 35 ist schon weg, aber gleich kommt der RE 42.

7.58 Uhr Der RE 42 fährt im Duisburger Hauptbahnhof ein. Er ist pünktlich und für eine Frau aus Rheinberg trotzdem zwei Minuten zu spät – ihr Anschluss nach Oberhausen ist gerade abgefahren. Sie hatte vor eineinhalb Stunden in Millingen auf den Expressbus gewartet, dieser war aber nicht gekommen. Also hatte sie um 6.50 Uhr den folgenden Ersatzbus genommen. Ihren Arbeitsplatz in Oberhausen wird sie heute zu spät erreichen. Mit dem Expressbus wäre sie aber auch nicht pünktlich um 7.15 Uhr in Duisburg gewesen – er stand im Stau und erreichte sein Ziel eine halbe Stunde zu spät, wie ein Fahrgast berichtet, der mitgefahren ist. Die Frau aus Rheinberg will am nächsten Tag keinen Ersatzbus mehr nehmen, sondern einen Zug, der früher fährt. Sicher ist sicher. Sollte das auch nicht klappen, steige sie aufs Auto um, sagt sie.