Radfahren in Rheinberg und Xanten: Wo es hakt

Umfrage in Xanten und Rheinberg : Wo es beim Radfahren hakt

Falschparker auf Radwegen, zu wenig Platz im Straßenverkehr, schlechte Ampelschaltungen: In einer Umfrage des ADFC haben Radfahrer in Xanten und Rheinberg gesagt, was sie im Alltag stört. Eine Übersicht.

Das Thema ist Frank Seitz wichtig. Er fährt viel mit dem Rad, schon seit Jahren. Er ist also Betroffener, wenn er über den Straßenverkehr in seiner Heimatstadt spricht. Und er ist unzufrieden. Denn aus seiner Sicht wird in Xanten für Radfahrer nicht genug getan, und Seitz befürchtet, dass sich daran so schnell nichts ändern könnte.

Denn in dieser Woche hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) seinen neuen Fahrradklima-Test veröffentlicht. Xanten erreichte ein etwas besseres Ergebnis als vor zwei Jahren: 2016 erhielt die Stadt die Schulnote 3,4, dieses Mal eine 3,2. Damit wurde sie die fünfbeste Stadt in ihrer Größenordnung in NRW – von immerhin 82 Kommunen landesweit.

„Eine 3,2 ist aber immer noch eine Drei Minus“, sagt Seitz, der bis vor einigen Jahren Vorsitzender des ADFC im Kreis Wesel war. Aus Sicht des leidenschaftlichen Radfahrers ist das Ergebnis „erschreckend“ – weil die Note 3,2 ausreicht, um in der Tabelle auf den vorderen Plätzen zu landen. „Unter den schlechten Städten gehören wir noch zu den Besten.“ Aber solange eine Stadt keine gute Note erreiche, dürfe sich die Kommune nicht zufrieden geben, fordert der Vorstandssprecher der Xantener Grünen. „Es ist an der Zeit, für die Radfahrer etwas zu tun.“

Da fällt ihm einiges ein. Aber nicht nur ihm. Auch Hans-Gerd Schroers, allerdings für Rheinberg, wo er ADFC-Vorsitzender ist. Seine Heimatstadt wurde schlechter bewertet als Xanten, erhielt nur eine 3,9 und landete im nordrhein-westfälischen Städte-Vergleich auf Platz 47 der Städte mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern. Es werde zu wenig für den Radverkehr getan, moniert auch Schroers. Aber er denkt weniger an einzelne Punkte, die verbessert werden sollten, sondern direkt ans große Ganze: Nötig sei ein Konzept, wie sich der Autoverkehr im Zentrum von Rheinberg reduzieren ließe, um die Innenstadt zu entlasten. Schroers denkt an Park & Ride, also an Parkplätze am Stadtrand, auf denen Autos abgestellt werden, um von dort mit dem Fahrrad oder mit dem Bus in die Innenstadt zu kommen. Vorerst rechnet er aber nicht damit. „Ich sehe keine Aufbruchstimmung.“

Seitz denkt in kleineren Schritten. Der Alltag von Radfahrern ließe sich schon mit vielen Kleinigkeiten verbessern, es koste auch kaum Geld, meint der Grüne. Ein Beispiel: Die Stadt könne häufiger kontrollieren, ob Autos auf Radwegen parken. Ein weiteres: Fahrradfahrer sollten besser an Baustellen vorbeigeführt werden. Bisher heiße es, dass sie absteigen und ihr Fahrrad schieben sollten. Seitz hat dafür kein Verständnis. Von Autofahrern werde das nicht verlangt. „Oder steht auf irgendeinem Schild: Bitte steigen Sie aus dem Auto und schieben Sie es an der Baustelle vorbei?“ Er sieht darin ein grundsätzliches Problem und ist sich mit Schroers einig: Fahrradfahrer würden zu selten als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer gesehen. „Aber sie haben dieselben Rechte wie Autofahrer.“

Aus der Sicht von Seitz wird das zu oft vergessen. Deshalb fühlt er sich durch die Ergebnisse im Fahrradklima-Test bestätigt. Die Teilnehmer mussten 32 Fragen zur Fahrradfreundlichkeit in ihrer Stadt beantworten und Alltagssituationen bewerten. Zwar weiß auch Seitz, dass es keine repräsentative Umfrage ist. In Xanten nahmen 65 Menschen teil, in Rheinberg 71. Aber die Tendenz der Aussagen stimme, meint der Grüne. Demnach sagten die meisten befragten Radfahrer, sie fühlten sich in Xanten unsicher, wenn sie gemeinsam mit einem Pkw auf der Straße fahren müssen. Viele Befragte würden selbst größere Kinder nicht mit gutem Gewissen allein Rad fahren lassen. Gerade das macht Seitz Sorgen. „Wenn Eltern schon Angst haben, Fahrrad zu fahren, dann überträgt sich das auf ihre Kinder“, befürchtet er. „Dabei muss doch alles dafür getan werden, dass die Menschen aufs Rad umsteigen.“

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