1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Projekt vom Posaunenchor Sonsbeck lässt Musik im Amphitheater erklingen

Musikprojekt von Blechbläsern aus Sonsbeck : Posaunen für das Amphitheater

Der Posaunenchor Sonsbeck hat ein Musikprojekt initiiert, um Blechbläser vom ganzen Niederrhein zusammenzuführen. Geprobt wird open-air in der Birtener Arena. Am Donnerstag gab’s Besuch von einem Profimusiker.

In den Hochzeiten der Pandemie waren sie immer wieder zu sehen, die Blechbläser, die sich spontan formierten, um den Menschen Hoffnung zu schenken. Mal waren es lediglich zwei oder drei Musiker, die vor einem Seniorenheim spielten, mal war es eine musikalische Familie, die mit einem Choral vom heimischen Balkon aus Trost spendete. Nun formieren sich die Posaunenchöre erneut. Diesmal aber in größerem Maßstab. Dank des Posaunenchors Sonsbeck, der Chöre vom ganzen Unteren Niederrhein zu einem besonderen Musikprojekt einlud, erklingen jeden Donnerstagabend Lieder im Amphitheater Birten.

An diesem Donnerstag hätte man sogar fast meinen können, die Sommerfestspiele seien einen Tag vorgezogen worden. Rund 40 Musiker aus Moers, Wesel, Rheinberg, Duisburg und anderen Städten kamen zusammen, um gemeinsam zu proben. Zu Gast war Kirchenmusikdirektor Jörg Häusler, der das Posaunenwerk Rheinland leitet. Fasziniert von dem verbindenden Musikprojekt, übernahm er für einen Abend das Dirigat. „Für die Posaunenchöre sowie für Musikvereine insgesamt ist es wichtig, das Miteinander zu pflegen“, erklärte der Profimusiker. „Wenn das gemeinsame Spiel einmal zum Erliegen kommt – wie es im ersten Lockdown der Fall war – dann ist es oftmals schwierig, es wieder aufleben zu lassen.“

 Kirchenmusikdirektor Jörg Häusler, der das Posaunenwerk Rheinland leitet, übernahm am Donnerstag das Dirigat bei den Proben.
Kirchenmusikdirektor Jörg Häusler, der das Posaunenwerk Rheinland leitet, übernahm am Donnerstag das Dirigat bei den Proben. Foto: Armin Fischer (arfi)
  • Pfarrer Albrecht Mewes leitete den Autogottesdienst
    Kirchengemeinde Sonsbeck : Ostergottesdienst endet mit Hupkonzert
  • Sonsbeck : Posaunenchor spielt zum Fünfjährigen
  • Auch in der Basilika Knechtsteden ertönt
    Konzerte in Dormagen : Hier erklingt Musik an Weihnachten

Diese Intention verfolgte auch der Pausenchor Sonsbeck, als die zwölf Mitglieder mit Hilfe einer Förderung aus dem Rettungs- und Zukunftsprogramm Neustart Kultur der Bundesregierung das Projekt initiierten. „Wir selbst haben in der Pandemie sehr gekämpft und mit Videokonferenzen versucht, die Proben aufrechtzuerhalten“, erzählte Jeanette Böhme. „Andere Chöre hat es aber schlimmer getroffen, weil sie beispielsweise altersbedingt Mitglieder verloren hatten.“ Die Pandemie habe zu Entwöhnungseffekten geführt, erklärte die Musikerin weiter und betonte: „Ein Neustart braucht Impulse.“ Einen solchen Impuls wollte der Posaunenchor Sonsbeck mit seinem Projekt geben. Schließlich gehören die Blechbläserensembles seit 2016 zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Ganz nebenbei sollte zudem der Förderverein Amphitheater Birten unterstützt werden. „Denn auch dort mussten zahlreiche Veranstaltungen ausfallen“, sagte Böhme.

Die Resonanz auf die Einladung zum gemeinsamen Spiel habe aber alle Erwartungen übertroffen. „Die vielen Anmeldungen flößten fast schon Respekt ein“, so Böhme, deren Mann den Sonsbecker Posaunenchor vor neun Jahren gegründet hat und auch musikalisch leitet. Die meisten Proben im Amphitheater dirigiert Michael Böhme selbst. Unter den 40 Blechbläsern, die an dem Projekt mitwirken, gibt es aber vier, die selbst Posaunenchöre leiten. „An einem Abend sollten daher sie das Dirigat übernehmen“, erzählte Böhme. „Da jeder so seine Eigenheiten hat, wurde es eine lustige und bunte Probe.“

Und auch unter Leitung von Jörg Häusler hatten die Musiker sichtlich Spaß. Der Profimusiker forderte, gab wertvolle Tipps, ließ die Gruppe musikalisch wachsen. „Er kann die Musik großartig vermitteln“, sagte Stefan Schmelting, der den Posaunenchor Pfalzdorf leitet und regelmäßig zu den Proben im Amphitheater kommt. „Von seinem Dirigat kann man sich einiges abgucken, er hilft, sich ein Lied richtig zu erarbeiten.“

Auf dem Spielplan standen Lieder aus dem Rheinischen Bläserheft „Musik aus Frankreich“, das das Posaunenwerk Rheinland erst in diesem Jahr herausgebracht hatte. Alle vier Jahre gibt es ein neues Liederbuch, das sich einem anderen Land widmet und neben Neuinterpretationen von Chorälen auch klassische Stücke sowie weltliche Musik enthält. Sie bilden das Standardwerk für die 200 Chöre des Posaunenwerks. „In den ersten Proben hätte man uns nicht hören wollen“, erzählte Böhme lachend. „Doch irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man weiß, wohin die Reise geht.“ Perfektion sei dennoch nicht das Ziel der Proben, betonte sie. „Posaunenchöre spielen aus dem Selbstverständnis heraus, einen kirchlichen Dienst zu erweisen – es geht darum, Freude zu schenken, eine Botschaft zu vermitteln, mal ein Patzer ändert daran nichts.“

(beaw)