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Präses Thorsten Latzel lobt Kooperation von Xanten, Sonsbeck und Büderich

Sommertour von Präses Thorsten Latzel : Was die Kirchengemeinden Xanten, Sonsbeck, Büderich mit Hummeln gemein haben

Zum Endspurt seiner 600 Kilometer langen Sommertour besuchte der radelnde Präses Thorsten Latzel die Evangelischen Kirchengemeinden Xanten, Sonsbeck und Büderich. Deren Kooperation verglich er mit einem Paradoxon.

Ein wenig aus der Puste war Präses Thorsten Latzel schon, als er auf dem Kirchenvorplatz in Büderich vom Fahrrad stieg. „Auf den letzten Kilometern haben wir nochmal richtig Tempo gemacht“, erzählte der Leiter der Evangelischen Kirche im Rheinland, die sich über Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland erstreckt. Es war quasi der Endspurt auf Latzels Sommertour, die ihn mit dem Fahrrad quer durch die Landeskirche führte. 600 Kilometer weit strampelte er bei Wind und Wetter, besuchte 40 Gemeinden, begegnete zig Menschen und sammelte dabei Geschichten, die von Hoffnung erzählen.

„Die Beine sind inzwischen schwer“, sagte der Präses am letzten seiner acht Tage dauernden Tour. „Doch der Kopf ist klar, und das ist Herz voll.“ Er erzählte von der Größe und Vielfalt der Landeskirche, von starken Gemeinschaften und engagierten Menschen. Er sprach von Jugendlichen, die sich mit Nachhaltigkeits-Projekten und bei Fridays-for-Future-Demos politisch einbringen, von einem herzkranken Pfarrer, der während der Wartezeit auf eine Transplantation von seiner Gemeinde „getragen“ wird. Zu den Begegnungen gehörte ebenso eine Pfarrerin, die ein Lama für die Seelsorge nutzt, wie ein buddhistischer Mönch, der am Wegesrand Kräuter für eine Suppe pflückt.

 Aufbruch zu den letzten Kilometern nach Kleve: Stets an der Seite von Präses Thorsten Latzel (r.) waren Marcell Kuß (l.) und Christian Brand.
Aufbruch zu den letzten Kilometern nach Kleve: Stets an der Seite von Präses Thorsten Latzel (r.) waren Marcell Kuß (l.) und Christian Brand. Foto: Wyglenda
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Und dann war da noch der Besuch im Kloster Arenberg in der Nähe von Koblenz: „Von den rund 50 dort lebenden Frauen waren gut 40 weit über 80 Jahre“, erzählte der Präses. „Und doch: Wenn man dort hinein kam, strahlten die Frauen eine beeindruckende Stärke aus.“ Die leitende Schwester sei eine „Powerfrau“. „Sie hat mir aber auch deutlich gemacht, dass Hoffnung tägliche Übung braucht, ähnlich wie ein Sportler seine Muskeln trainiert.“

Denn Hoffnung, so Latzel, unterscheide sich vom naiven Optimismus. Hoffnung bestehe trotz widrigster Umstände. Sie blende Probleme aber nicht aus, sondern stelle sich ihnen. Sie veranlasse Menschen dazu, nicht einfach abzuwarten, was passiert, sondern aktiv zu werden, Möglichkeiten zu finden. „Die Pandemie ist die Zeit der Kreativen“, ergänzte der Präses. Damit sei Hoffnung stets eine Art von Widerstand.

Von diesem Widerstand konnten auch die Kirchengemeinden Xanten, Sonsbeck und Büderich berichten, die sich unter dem Kürzel „XaSoBü“ zusammengeschlossen haben. „Wir haben sehr unterschiedliche Historien, liegen auch geografisch weit auseinander“, erzählte Presbyterin Brigitte Messerschmidt aus Xanten. „Eigentlich passen wir nicht zusammen.“ Und trotzdem wollten die Gemeinden versuchen, einen gemeinsamen Weg zu gehen. „Denn damit wir gut Kirche sein können, brauchen wir einander“, so Messerschmidt.

Seit drei Jahren arbeiteten die Kirchengemeinden schon zusammen, würden bei Treffen gemeinsame Aktionen geplant. Dann kam Corona, Präsenz-Gottesdienste und Versammlungen wurden verboten. An Silvester gingen die drei Kirchengemeinden daher wieder einen neuen Weg und boten erstmals einen gemeinsamen Zoom-Gottesdienst an. Bis Mai wurden die fortgesetzt. Weitere Herausforderungen ließen aber nicht auf sich warten. Presbyterien seien nicht voll besetzt, zwei Pfarrer seien erkrankt. „Die Arbeit lastet auf weniger Schultern“, so Messerschmidt. Und die Liste der Aufgaben mit Friedhofsordnung, Kita-Betreuung, Umbaumaßnahmen und Schutzkonzepten sei lang. „Und trotzdem haben wir Lust aufs Erproben, auf das Entdecken von Möglichkeiten“, fasste die Presbyterin zusammen. „Manchmal sind wir hier am Niederrhein eben trotzig.“

Präses Latzel lobte den, wie er sagte, „protestantischen Widerstandsgeist“. Die Zukunft der Kirche liege in kooperativen und auch ökumenischen Gottesdiensten. Er erzählte von den Schwierigkeiten, die seine evangelische Mutter und sein katholischer Vater nach der Entscheidung füreinander hatten. „Es ist erstaunlich, welche Schranken es manchmal in unseren Köpfen gibt“, sagte er. In diesem Sinne empfahl er, „alle sollten etwas mehr XaSoBü sein“. Die Kooperation verglich er mit einer Hummel, deren Flügel nach den Gesetzen der Aerodynamik zu kurz seien, damit sie fliegen könne. „Das interessiert die Hummel aber nicht, sie fliegt trotzdem“, betonte Latzel, ehe er zu den letzten Kilometern Richtung Wesel und Kleve aufbrach.

(beaw)