Musik-Projekt am Niederrhein Blechwärts gen Himmel

Sonsbeck/Hamminkeln · Von den Aktionen des Sonsbecker Posaunenchors inspiriert, startet der Hamminkelner Dirigent Marcel Bönninger nun ein einzigartiges Projekt: Musiker geben in Heißluftballonen ein himmlisches Konzert. Damit wollen sie nach dem Corona-Stillstand wieder auf sich aufmerksam machen.

 Die Musiker wollen in fünf bis sechs Heißluftballonen in den abendlichen Himmel aufsteigen, um aus der Luft ein Konzert zu geben.

Die Musiker wollen in fünf bis sechs Heißluftballonen in den abendlichen Himmel aufsteigen, um aus der Luft ein Konzert zu geben.

Foto: dpa, jst cul

Die Corona-Beschränkungen haben Musikgruppen und Chöre schwer gebeutelt. Dirigent Marcel Bönninger aus Hamminkeln hat jetzt den „Resetknopf“ gedrückt, wie er es ausdrückt. Er ist ein kreativer Kopf, der sich für besondere Konzertsituationen neuartige Ideen ausdenkt. Diesmal ist es eine einzigartige: Der Posaunenchor Hamminkeln hebt nicht nur ab, sondern spielt auch in luftiger Höhe. Die Musiker fahren in fünf oder sechs Heißluftballonen mitsamt Instrumenten und geben ein Konzert der himmlischen Art. „Blechwärts gen Himmel“ hat sich Bönninger als Motto ausgesucht. Die Musiker sind begeistert. Neben dem Posaunenchor „An der Issel“, benannt nach der Evangelischen Kirchengemeinde Hamminkeln, ist auch der Posaunenchor Sonsbeck im Spiel.

Bönninger und Karl-Heinz Merz vom unterstützenden Hamminkelner Männerchor Bleib treu stellten das Projekt vor. Für beide ist das Projekt nicht nur spannend, es ist auch eine Chance. Denn nach dem corona-bedingten Stillstand bei den Chören und Instrumental-Gruppen, der zum Teil auch Mitgliederverluste zur Folge hatte, soll die spektakuläre Aktion wieder auf die Musiker aufmerksam machen. „Öffentliche Auftritte waren kaum bis gar nicht mehr möglich, und selbst Proben mussten für einige Zeit eingestellt werden“, erzählt Bönninger.

 Dirigent Marcel Bönninger (l.) hatte die Idee für das Musikprojekt. Unterstützt wird er von Karl-Heinz Merz vom Männergesangsverein Bleib treu.

Dirigent Marcel Bönninger (l.) hatte die Idee für das Musikprojekt. Unterstützt wird er von Karl-Heinz Merz vom Männergesangsverein Bleib treu.

Foto: Thomas Hesse

Auch der Posaunenchor „An der Issel“ blieb öffentlich still. Da sei im vergangenen Jahr eine gute Idee des Sonsbecker Posaunenchors gerade recht gekommen, so Bönninger. „Ein wahres Vergnügen“, nennt er im Nachhinein, dass es auf Initiative der Sonsbecker möglich wurde, 2021 im Birtener Amphitheater corona-gerecht draußen und mit ausreichend Abstand in Gemeinschaft zu proben. Das Musikprojekt, das vom Rettungs- und Zukunftsprogramm Neustart Kultur der Bundesregierung gefördert wurde, führte Blechbläser vom ganzen Niederrhein zusammen. Angeregt durch das gelungene Projekt und auf Anstoß von Jeanette Böhme aus Sonsbeck beantragten die „An der Issel“-Musiker eine Förderung beim Bundesmusikverband Chor und Orchester für ihre kreative Idee: „Der Posaunenchor ,An der Issel‘ hat seit seiner Gründung 1954 schon viel Bläserluft durch seine Instrumente geschickt. Nun geht er selbst in die Luft, fährt mit Ballonen in die Höhe, um von den Körben aus ein Konzert zu spielen“, erklären die Initiatoren.

Mit dem Anbieter Eimers Ballooning wollen die Musiker aufsteigen. Geplant ist auch, mit installierten Kameras das luftige Ereignis zu dokumentieren. „Ich habe gar nicht mit dem Zuschlag gerechnet. Total irre, dass ein solches Ereignis gefördert wird“, sagt der Dirigent. Er habe sofort gedacht: „Wie schräg ist das denn!“

Schräg, aber auch eine Herausforderung. Es werde nach dem ersten Gesang auf festem Boden eine kleine Musikergruppe mit einfacher Stimmenbesetzung abheben, um mit „himmlischen Stücken“ von Pop bis zur geistlichen Musik unterschiedliche Akzente zu setzen. Musikalische Grüße von Ballon zu Ballon und an die Leute, die den vorbeiziehenden „Wolkenchor“ von unten beobachten, gehören zum Programm.

Bönninger hat sich selbst schon in den Korb gestellt. Probeweise wollte er wissen, wie viele Musiker – nämlich drei bis fünf – mitfahren können. Damit der volle Klang entsteht, sollen noch spielerische Defizite in Kondition und Klangfülle, die durch die Zwangspause entstanden sind, bei Sonderproben aufgeholt werden. So wird sich der Posaunenchor mit Bönninger und dem Regionalposaunenwart Gerald Münster vom Posaunenwerk Rheinland am Samstag, 7., und Mittwoch, 25. Mai, für dieses wohl einmalige Ereignis einspielen.

(thh)
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