Xanten: Ostfriesen-Krimis habe eine Menge Fans

Xanten: Ostfriesen-Krimis habe eine Menge Fans

Autor Klaus Peter Wolf und seine Frau Bettina Göschl als Musikerin unterhalten zahlreiche Zuhörer im Xantener Rathaus vortrefflich.

Leer war leer. Gerade mal sieben Zuhörer verkrümelten sich bei seiner Lesung. Einige waren extra herantelefoniert worden. So war's mal. Und Klaus-Peter Wolf erinnerte sich beim Gastspiel in Xanten genüsslich an seine Anfangszeiten als Krimiautor. Und demütig. Heute füllt er große Säle.

Heute ist die Startauflage seines gerade erschienen "Ostfriesenfluch" 220.000, das erste Buch "Ostfriesenkiller" hatte 8000 Exemplare, bringt es bis heute aber auf 700.000 verkaufte Exemplare. Er wirkt ungläubig erstaunt wie ein großer Junge, wenn er davon erzählt, wie sich das alles entwickelt hat und geradezu explodiert ist in den letzten Jahren.

Das alles - das sind seine Krimis mit der "Ostfriesen"-Kennung, die in schöner Regelmäßigkeit aus dem Nichts auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste stürmen. Das sind die ZDF-Verfilmungen seiner Geschichten mit Emmy-Preisträgerin Christiane Paul in der Hauptrolle. Das ist seit Neuestem die Tour-Zusammenarbeit mit seiner Frau und (Kinder-)Liedermacherin Bettina Göschl, die die ersten CDs in Deutschland nur mit Kriminalsongs herausgebracht hat. Das Paar ist gemeinsam auf Tour mit einer einmaligen Mischung aus Lesung und Lied. In Xanten waren sie auf Einladung Stadtbücherei und Buchhandlung Librarium im Ratssaal. Vor 120 Gästen. Wie überall: ausverkauft.

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Klaus-Peter Wolf zeigt starke Bühnenpräsenz, emotional, nah' dran am Leser. Nur ein paar längere Stellen stammen aus dem angehenden neuen Bestseller, lieber erzählt er aus dem Dasein eines Autors und gerne auch über seine Erfolgsgeschichte. 4,5 Millionen Krimis hat er unters Volk gebracht, allein in Deutschland. Er ist ein Riese geworden auf dem Büchermarkt. Besonders freut ihn, dass ihn die Schweiz mag. Im Alpenland hat "Ostfriesenfluch" den Bestseller-Gipfel erklommen. Eine Geschichte aus dem platten Ostfriesenland reüssiert im Gebirge. "Das zeigt, die Qualität meiner Krimis wird anerkannt", sagt Wolf gar nicht bescheiden, aber mit jenem verschmitztem Lächeln, das seine Fans mögen und mit dem er die Wirkung erzielt, einer von ihnen zu sein. So menschlich sind auch seine Bücher erzählt, mit einem Personal wie der sympathischen, klaren Kommissarin Ann Kathrin Klaasen und dem frechen Kommissar Rupert, der für schrille Komik aller Art in den Büchern zu gebrauchen ist.

Kulturkritikern, die sich an tiefgründiger Literatur abarbeiten, ist Klaus-Peter Wolf zu flach. Für sie ist er der Bruder Leichtfuß unter den Autoren. Doch nicht nur der Erfolg zählt, Wolf kann spannend und komisch. Er ist ein routinierter, fantasiereicher Schreiber. In Xanten trug er schnelle, mitunter atemlose Stellen vor, in denen ein Psychopath eine Mutter entführt und deren Kinder bedroht. Das, was zu hören war, ist sehr solide, wirkungsvolle Schreibarbeit auf konstantem Niveau und ohne intellektuelle Kompliziertheiten. Und das machte Lust auf mehr. Natürlich weiß er, dass sein Publikum nicht aufgewühlt nach Hause gehen will. Deshalb legt er eine witzige Passage für den Rupert-Fan-Club ans Ende. Der verirrt sich als Polizist in Uniform auf einen Junggesellinnenabschied, wo er sofort als gebuchter Partyboy identifiziert wird und seine Zweitkarriere als sich entblätternder Gelegenheitsstripper antritt. Das kracht komisch. Zwischendurch singt und spielt Bettina Göschl zur Musik vom Band oder direkt zur Klampfe. Es sind eingängige, thematisch passende Lieder. Wolf-Gölsch sind ein Familienunternehmen in Sachen Krimi und Songs geworden. 200 Tage im Jahr lebte Alleinleser Wolf bisher sein Hotelleben. Nun ist das Ehepaar gemeinsam unterwegs. Das gefällt ihnen sichtlich.

(RP)