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Michael Rüscher: "Ohne Handel veröden die Innenstädte"

Michael Rüscher : "Ohne Handel veröden die Innenstädte"

Michael Rüscher ist der neue Leiter der IHK-Zweigstelle in Wesel. Ein Gespräch über die Zukunft des Einzelhandels, die Stärkung der Innenstädte in Zeiten des Online-Handels und die Bedeutung des Tourismus in der Region.

WESEL In der Trappzeile am Großen Markt in Wesel hat Michael Rüscher - als Nachfolger des pensionierten Michael Pieper - kürzlich sein Büro als neuer Leiter der Zweigstelle Wesel der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK) bezogen. Große Eingewöhnungszeit braucht der 41-Jährige, der mit Frau und zwei Kindern in Dortmund lebt, nicht. Denn Michael Rüscher ist bereits seit sechs Jahren bei der IHK in Duisburg Leiter des Geschäftsbereiches Handel, Dienstleistungen, Mittelstand und Außenwirtschaft.

Die Industrie- und Handelskammer ist nicht unbedingt bei all seien vielen Tausende Mitgliedern beliebt. Denn als Selbstständiger im Bereich Industrie und Handel gehört man ihr automatisch an und muss Beiträge entrichten.

Rüscher Es gibt tatsächlich Mitglieder, die auf den ersten Blick nicht die Vorteile einer Mitgliedschaft erkennen können. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man im persönlichen Gespräch schnell erklären kann, welche Dienstleistungen wir vollbringen und wie wir Interessen von Unternehmern vertreten. Vielen ist nicht bewusst, dass wir uns um Aspekte der Ausbildung kümmern und junge Leute zum Ende ihrer Ausbildung prüfen. Das ist eine hoheitliche Aufgabe. Wir stellen Dokumente für exportorientierte Firmen aus, führen Existenzgründerseminare durch, bieten Krisen- und Länderberatungen durch. Das heißt, wir geben Tipps, worauf man achten muss, wenn man sich in dem einen oder anderen Land geschäftlich engagieren möchte.

Gibt es aktuell Themen, in denen sich die IHK besonders für die Interessen von Unternehmen einsetzt?

Rüscher In der nächsten Woche wird es ein Treffen mit dem neuen NRW-Wirtschaftsminister geben, bei dem es um den aktuellen Landesentwicklungsplan geht, der uns mächtig ärgert.

Was genau ärgert Sie?

Rüscher Es gibt da um eine Textpassage, die Ansiedlungen und Erweiterungen von Freizeiteinrichtungen verhindern beziehungsweise unnötig schwierig macht, die nur Aktivitäten nur in Siedlungsräumen erlauben.

Haben Sie da, außer dem Weseler Kombibad, noch ein anderes Beispiel?

Rüscher In Schermbeck-Gahlen möchte ein Investor den dortigen Campingplatz erweitern. Doch der zuständige Regionalverband Ruhr verweist auf den Landesentwicklungsplan und sagt, dass zwischen Schermbeck und dem Campingplatz der Kanal liege - und das verstoße gegen den Plan. Wir gehen davon aus, dass die neue Landesregierung, wie angekündigt, diese lebensferne Passagen aus dem Plan streicht.

Und was gibt es Neues zum Thema Handel, der sich ja dem immer weiter wachseneden Online-Markt stellen muss?

Rücher Handel ist ein gutes Stichwort. Zum dritten Mal findet am Wochenende 8. und 9. September in den Städten und Gemeinden der Region die Aktion "Heimatshoppen" statt. Diesmal unter dem Motto "Mit allen Sinnen genießen". Wir wollen den Verbraucher nicht belehren, sondern ihn darauf aufmerksam machen, welche Bedeutung die Innenstadt hat. Wenn nämlich der Handel sterben würde, hätte das die Verödung der Innenstadt zur Folge. . Und das wiederum hat gewaltige andere Auswirkungen.

Beispielsweise auf die Immobilienpreise in der gesamten Stadt?

Rüscher Wo die Innenstädte veröden, sinken in aller Regel auch die Immobilienpreise. Das ist das große Problem.

Wie bewerten Sie die Situation in Wesel?

Rüscher Hier hat sich aus meiner Sicht vieles zum Positiven verändert. Ich finde, hier ist vor allem auch an Markttagen richtig was los. Und Leerstände gibt es so gut wie keine. Jedenfalls nicht zwischen Berliner Tor und Großem Markt.

Was aber tun mit leeren Geschäften in den 1 b und 1c-Lagen. An der Ritterstraße oder der Schmidtstraße werden aus ehemaligen Lokalen barrierefreie Wohnungen.

Rüscher Das ist sicher eine Möglichkeit. In Duisburg wird der Versuch unternommen, in solchen Straßenzügen Künstler und Kreative anzusiedeln. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf ein ungewöhnliches Pilotprojekt in Geldern verweisen,

Worum geht es dort?

Rüscher Viele Existenzgründer im Handel haben das Problem, dass sie in aller Regel mittelfristige Mietverträge unterzeichnen. Doch funktioniert ihre Geschäftsidee nicht, haben sie ein Problem. In Geldern gibt es nun ein sogenannten Ausprobiergeschäft, das Händlern oder Gastronomen für günstige Konditionen und maximal ein Jahr zur Verfügung gestellt wird. Es ist ausgestattet mit einer Kasse und Regalen. Hier können Gründer ihr Konzept ausprobieren. Wenn das funktioniert, könnten wir uns so etwas auch für Wesel vorstellen.

Ein wichtiges Standbein für viele Kommunen am Niederrhein ist der Tourismus. Was müsste aus Ihrer Sicht getan werden, um die Region bundesweit noch bekannter zu machen?

Rüscher Wichtig ist, dass auch Städte wie Neuss, Mönchengladbach und Krefeld mit ins Boot steigen, um den Niederrhein zusammen mit den Kreisen Wesel, Kleve und Heinsberg besser vermarkten zu können. Im Oktober wird es dazu einen Fachvortrag eines Professors in Mönchengladbach geben. Ich finde, das ist ein super spannendes Thema. Ich würde mir wünschen, dass der Niederrhein irgendwann einmal so bekannt wird als Region wie beispielsweise der Schwarzwald.

RP-REDAKTEUR KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)