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Notfallseelsorge zur Hochwasser-Katastrophe: „Solidarität ist in der Krise ein stärkender Faktor“

Notfallseelsorger in Hochwassergebieten : Trostspender in der „Stunde Null“

Auch Notfallseelsorger vom Niederrhein sind in den Hochwassergebieten im Einsatz, um den Menschen zu helfen. Koordinator Peter Bromkamp erklärt, was sie tun können – und wie wichtig Solidarität in der Krise ist.

Wenn sich in diesen Tagen ökumenische Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger vom Niederrhein und Recklinghausen auf den Weg in die von der Unwetterkatastrophe betroffenen Regionen machen, werden sie auf Menschen treffen, die innerhalb von Minuten alles verloren haben. Diese Menschen in ihrem Leid nicht alleine zu lassen, ihnen zuzuhören und da zu sein, wenn die Worte fehlen, ist die Aufgabe der Notfallseelsorger, erklärt der Koordinator für den Niederrhein und Recklinghausen, Peter Bromkamp. Die ersten Teams waren in der Hochwasser-Region auch schon im Einsatz.

„Für viele Menschen, denen oft manchmal buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, ist das die ,Stunde Null‘“, sagt Bromkamp. Müll und Schutt seien wahrscheinlich schon schnell wieder aus Kellern und von den Straßen geräumt, und mit der Zeit würden wieder andere Themen die Nachrichten beherrschen. Doch vor Ort müssten die Menschen weiter damit leben, Erinnerungsstücke und Familienfotos verloren, womöglich sogar Todesopfer in der eigenen Familie beklagen zu haben, erklärt Bromkamp. Und dennoch ist er überzeugt, dass die Menschen nach dieser „Stunde Null“ wieder neue Kraft und neue Hoffnung finden werden.

 Koordinator der Notfallseelsorge: Peter Bromkamp.
Koordinator der Notfallseelsorge: Peter Bromkamp. Foto: Breuer
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Er erinnert an die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Land in Trümmern lag – und tatsächlich erinnern die Bilder aus den aktuellen Katas­trophengebieten an Aufnahmen aus der Kriegszeit. „Natürlich kann man die Menschen jetzt nicht damit trösten, dass es anderen nach dem Krieg vielleicht noch schlechter ging“, warnt Bromkamp. „Leid ist nicht vergleichbar. Und jeder Einzelne hat ein Recht auf die Würdigung des eigenen Leids.“ Doch für ihn als Seelsorger ist das Wissen, dass es auch nach den schwersten Krisen irgendwann wieder weitergeht, eine wichtige Stütze. Sei es, wenn er nach einem tödlichen Verkehrsunfall Hinterbliebene betreuen muss oder nun in der aktuellen Krisensituation nach der zerstörerischen Sturzflut. „Als Notfallseelsorger helfen wir den Menschen dabei, die Zeit zu überbrücken, bis sie wieder selbst Fuß fassen und ins Handeln kommen können“, sagt er.

Eine Aufgabe, die auch durch die vielen Helfer vor Ort automatisch übernommen wird. „Solidarität ist in der Krise ein stärkender Faktor“, betont Bromkamp. Zu wissen, dass man im Leid nicht alleine gelassen wird, dass sowohl materielle als auch seelsorgliche Hilfe geleistet wird, sei bei der Bewältigung der Situation wichtig. „Die Hilfe macht übrigens etwas mit beiden Seiten“, führt er aus. „Helfen ist eine tolle Erfahrung und es tut uns gut, helfen zu können.“ Helfen werde von Menschen als sinnvoll erlebt, „wir sind soziale Wesen, das merkt man nun an der großen Hilfsbereitschaft“.

(RP)