Sonsbeck: Notfall-Gruppe des DRK braucht Hilfe

Sonsbeck: Notfall-Gruppe des DRK braucht Hilfe

Die "First Responder" in Sonsbeck haben bereits mehr als 300 Mal geholfen. Der finanzielle Aufwand ist groß.

Auf Leute wie Willi Voß sind die "First Responder" angewiesen. Der Chef eines Sonsbecker KFZ-Betriebs hat das Auto der Gruppe in seiner Werkstatt generalüberholen lassen. "Wir haben die Kosten minimiert und die Rechnungen später geschrieben, wenn kein Geld da war", sagt er. Nun, mit neuem Motor und neuer Lackierung sei der zwölf Jahre alte Mercedes C-Klasse "fast wie neu", freut sich Stefan Vermöhlen, First Responder der ersten Stunde.

Seit Juli 2011 läuft das Projekt in Trägerschaft des DRK-Ortsvereins. Die Idee dahinter: In Notfällen dauert es auf dem Land mitunter etwas länger, bis der Rettungsdienst samt Notarzt anrücken kann. Doch bei einer ernsthaften Verletzung zählt jede Minute. Die "First Responder" helfen, die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes zu überbrücken. Im Notfall werden sie von der Leitzentrale des Kreises gleichzeitig mit dem Rettungsdienst alarmiert. Da die "First Responder" in Sonsbeck stationiert sind, sind sie in der Regel zuerst am Einsatzort und können bereits helfen.

Was zunächst als Versuch gestartet wurde, ist mittlerweile eine dauerhafte Einrichtung. Weit über 300 Einsätze haben die First Responder — allesamt Mitglieder des DRK Sonsbeck — bisher gefahren, von schweren Verkehrsunfällen über Herzinfarkte bis hin zu kleineren Haushaltsunfällen war so ziemlich alles dabei. Auch bei Notfällen mit Kindern war die Hilfe der First Responder gefragt. Dabei gebe es auch einen wichtigen psychologischen Aspekt, sagt Dr. Guido Kemmeries: "Wenn Eltern professionelle Hilfe sehen, kommt Ruhe in die Sache."

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Kemmeries ist Chefarzt am Institut für Notfallmedizin am Helios-Klinikum Krefeld. Er wohnt in Sonsbeck und hat die Gründung der First-Responder-Gruppe angeregt. Wenn es seine Zeit zulässt, fährt er auch Einsätze. Ansonsten bildet ein Rettungssanitäter die "Minimalbesetzung" des Fahrzeugs. Daneben sind auch Rettungsassistenten oder Sanitäter mit an Bord.

Zehn bis elf DRK-Mitglieder bilden den Stamm der First Responder. Ohne ihre Bereitschaft, ihre Freizeit für die gute Sache zu opfern, wäre das Projekt undenkbar. Im Kreis Kleve, so Kemmeries, komme ein ähnliches Projekt mangels Personal nicht richtig vom Fleck. Das ursprüngliche Ziel, in Sonsbeck für mindestens die Hälfte des Jahres einen Bereitschaftsdienst zu installieren wurde längst erreicht: An 235 Tagen des vergangenen Jahres waren die Sonsbecker First Responder dienstbereit. Ein ganzes Jahr hundertprozentig abzudecken, das hält Kemmeries für illusorisch. Weitere Helfer sind bei den First Respondern dennoch willkommen.

Neben dem ehrenamtlichen Personal ist für das Projekt auch ziemlich viel Geld nötig. Gut 26 000 Euro schlagen seit Juli 2011 zu Buche, für Versicherungen, Instandhaltung, Dienstkleidung, Ausbildung und vieles mehr. Trotz vieler Spender blieb der DRK-Ortsverein bislang auf einem Defizit von rund 8000 Euro sitzen. "So schaffen wir das nicht mehr", lautete Anfang des Jahres das Fazit der Gruppe. Jetzt wirbt sie um Hilfe jeglicher Art — wie beim KFZ-Betrieb Willi Voß. Bei der Gemeinde haben die ehrenamtlichen Ersthelfer sowieso einen Stein im Brett. Der Rat hat beschlossen, ihnen 2500 Euro aus der Gemeindekasse zu gewähren. "Das soll möglichst jährlich geschehen", sagt Bürgermeister Leo Giesbers. Zudem will die Gemeinde 2000 Euro beisteuern, wenn die First Responder auf digitalen Funk umrüsten.

(RP/rl/gre)
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