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Norbert von Xanten: An Weihnachten 1121 wurden die Prämonstratenser gegründet

Ein Heiliger vom Niederrhein : Vom Xantener Kanoniker zum Ordensgründer

An Weihnachten vor 900 Jahren gründete Norbert von Xanten den Prämonstratenser-Orden. Dabei hatte er eine lukrative Karriere als Kleriker in Aussicht. Aber ein Gewitter änderte sein Leben.

Der Legende nach war es ein Gewitter, das das Leben des Norbert von Xanten umgekrempelt hat. Vorher soll er dem weltlichen Leben nicht abgeneigt gewesen sein. Er war ein Adelssprössling mit exzellenten Kontakten, dem eine lukrative Klerikerkarriere bevorstand. Aber im Jahr 1115 erlebte der adlige Geistliche sein Bekehrungserlebnis: Während eines Ausritts soll ein Blitz unmittelbar in seiner Nähe eingeschlagen sein. Er soll sich gefragt haben, welchen Sinn sein Leben bisher gehabt hatte. Geläutert soll er ins reiche Stift St. Viktor in Xanten zurückkehrt sein, um fortan einfach und bescheiden in der Nachfolge Jesu zu leben. Mit 35 Jahren kehrte Norbert seinem bisherigen Leben, seinen Privilegien und seiner üppigen Pfründe den Rücken und lebte als asketischer Buß- und Wanderprediger.

Im nordfranzösischen Prémontré, Fernbesitz der Abtei Prüm, formte er vor 900 Jahren eine neue geistliche Gemeinschaft Gleichgesinnter, aus der an Weihnachten 1121 eine heute weltweit agierende Ordensgemeinschaft, der Prämonstratenserorden, hervorging. Begeistert vom neuerwachten Armutsideal, betrachtete Norbert die Lebensweise der traditionellen Chorherren, die Privateigentum und eigene Wohnungen besaßen, als mit dem Ideal der radikalen Nachfolge Christi unvereinbar. Norberts Vision: Wie die Apostel sollen Priester aus einer Gemeinschaft heraus als Seelsorger wirken, nicht vereinzelt. Sein Orden dient dabei vor allem als ein Zusammenschluss selbstständiger Klöster. Die oberste Instanz, das Generalkapitel, legt lediglich eine für alle Klöster verbindliche Rahmengesetzgebung fest.

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Die Spiritualität der asketisch lebenden Prämonstratenser steht also auf drei Säulen: Priestergemeinschaft, geistliches Ordensleben und engagierte Seelsorge. Zu ihren Hauptaufgaben gehören Predigt, Unterricht und Pfarreiarbeit. Immer mehr Stifte von Chorherren und -frauen in Europa übernahmen Norberts strenge Regel, wurden also „reguliert“, indem ihre Mitglieder Gelübde ablegten.

Für Norbert selbst hielt das Leben noch einen zweiten Bruch bereit. Nicht nur, dass Papst Honorius II. Anfang 1126 die Regel der „Chorherren des heiligen Augustinus nach den Gebräuchen der Kirche von Prémontré“ bestätigte. Er zog auch deren Gründer ab und machte ihn überraschend zum Erzbischof von Magdeburg. Während Norbert offenbar hoffte, damit eines der wichtigsten deutschen Bistümer auf einen Schlag reformieren zu können, kam der Schritt eigentlich bei kaum jemandem gut an.

In Magdeburg, wo er angeblich barfuß und in ärmlicher Kleidung einzog, wollte die Geistlichkeit weder von ihren Besitzungen lassen, noch den Zölibat einhalten. Die Ordensbrüder hingegen sahen ihn als Abtrünnigen, der in Gebräuche der schlechten Welt zurückgekehrt war.

Neben der Kirchenreform widmete sich Norbert in seinen acht Bischofsjahren vor allem der Slawenmission, bevor er im Juni 1134 in Magdeburg starb. Nach der Reformation in Mitteldeutschland kamen seine Gebeine schließlich ins Kloster Strahov oberhalb von Prag. 1582 wurde er heiliggesprochen.

Durch Hussiten- und Türkenkriege und die Säkularisationen des 18. und 19. Jahrhunderts wurde der Prämonstratenser-Orden fast völlig vernichtet. Davon hat er sich wieder erholt: Heute sind die Prämonstratenser nach eigenen Angaben mit rund 1200 männlichen und 100 weiblichen Mitgliedern „auf allen Kontinenten außer der Antarktis“ tätig. Vor allem in Belgien und den Niederlanden werden sie nach ihrem Gründer auch Norbertiner genannt. In Deutschland gibt es drei Abteien – Duisburg-Hamborn, Windberg (Niederbayern) und Speinshart (Oberpfalz) – sowie zwei Priorate: Roggenburg (Bayern) und Magdeburg (Sachsen-Anhalt).

(kna/wer)