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Niederrhein: Nachbarschaftshilfe in Corona-Zeiten

Unterstützung von Alten und Kranken : Nachbarschaftshilfe in Corona-Zeiten

Menschen, Händler und Städte bieten an, Besorgungen zu übernehmen, falls jemand daheim bleiben muss.

Angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie bieten viele Menschen an, dass sie für Kranke, Ältere und Alleinstehende einkaufen gehen und Besorgungen erledigen, wenn diese das Haus nicht mehr verlassen können, weil sie in Quarantäne sind oder das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus vermeiden wollen. Diese private Unterstützung wird vor allem über die sozialen Netzwerke wie Facebook organisiert. Allerdings sind darüber nicht alle Menschen zu erreichen. Deshalb rief eine Frau aus Xanten bereits dazu auf, einfach in der Nachbarschaft zu klingeln und zu fragen, ob jemand Hilfe brauche.

Die Stadt Xanten organisiert außerdem eine Nachbarschaftshilfe und vermittelt insbesondere älteren, alleinstehenden und Menschen mit Behinderung eine Unterstützung. Anfragen werden über die Rufnummer 02801 772761 angenommen. Dabei gehe es um alltägliche Dinge und Besorgungen, die übernommen würden, erklärte Bürgermeister Thomas Görtz. Der Nachbarschaftskoordinator der Stadt und Kollegen in der Verwaltung vermittelten Hilfe. Ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützten das Angebot. Dafür würden weitere Helfer gesucht.

Die private Hilfe hatte Ende vergangener Woche begonnen. „Sollten Sie über 65 sein und ein geschwächtes Immunsystem haben, möchte ich Sie unterstützen, gesund zu bleiben“, schrieb zum Beispiel Serif Alabas am Freitag in einer Alpener Facebook-Gruppe. „Ich gehöre nicht zur Risikogruppe und könnte ihnen durch kleinere Besorgungen und Einkäufe unter die Arme greifen.“ Die Sonsbecker Pfadfinder haben sich ebenfalls angeboten: „Wer zur Corona-Risikogruppe gehört und Unterstützung benötigt, kann sich gerne bei uns melden“, schrieben sie auf Facebook. „Wir werden versuchen zu helfen und können zum Beispiel Einkäufe und Besorgungen für Sie tätigen.“ Sie sind unter Tel. 0152 53497376 zu erreichen.

Auch in der Facebookgruppe „Wir sind Xantener“ erklärten viele Menschen ihre Bereitschaft zu helfen. „Nachbarschaftshilfe ist doch selbstverständlich“, schrieb eine Frau. „Da wir eh jeden Tag einkaufen gehen, können wir bei Bedarf gerne jemandem mit einem persönlichen Bringdienst zur Seite stehen.“ Andere schrieben, dass sie in Vynen, Wardt, Birten und anderen Ortsteilen wohnen und Menschen in der Umgebung Lebensmittel vom Supermarkt bringen könnten.

Händler bieten auch selbst ihre Hilfe an: Die Kriemhild-Mühle schrieb, dass sie für eventuell gefährdete Kunden einen Lieferdienst aufbauen könne. Die Ware könne zum Beispiel in den Flur gestellt werden, um einen Kontakt und damit ein Ansteckungsrisiko zu vermeiden. Der Rewe in Xanten bietet schon seit längerem einen Lieferdienst an. „Der wird gut angenommen“, sagte Inhaber Jeffrey Karlen. Durch die Corona-Pandemie rechne er in den nächsten Tagen mit doppelt so vielen Anfragen. Am Freitag habe er zum Beispiel ein älteres Ehepaar beliefert, das vorsichtshalber zu Hause geblieben sei, um kein Risiko für eine Ansteckung einzugehen. Die Waren habe er in die Garage gestellt. Die Edeka-Märkte in Xanten und Lüttingen überlegen gerade mit den Johannitern, wie sie eine Belieferung umsetzen können.

In den vergangenen Tagen ist auch im Kreis Wesel die Anzahl der Corona-Fälle gestiegen. Bis Freitagnachmittag wurden 26 bestätigte Fälle gezählt. Ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen gelten als sogenannte Risikogruppen, bei denen ein schwerer Krankheitsverlauf nach einer Infektion möglich ist.

Das Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen, wie das Bundesgesundheitsministerium erklärt. Deshalb haben die Behörden mehrere Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Unter anderem bleiben Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, Veranstaltungen werden abgesagt. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und andere Politiker riefen rief außerdem dazu auf, soziale Kontakte einzuschränken, um das Risiko für eine Ansteckung mit dem Corona-Virus zu senken.