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Nächtlicher Notarzt: Bürgermeister sind sich uneins

Rettungswesen im Kreis Wesel : Kein Konsens beim nächtlichen Notarzt

Die Bürgermeister aus Alpen, Sonsbeck, Rheinberg und Xanten vertreten unterschiedliche Positionen.

Die Pläne des Kreises Wesel, die nächtlichen Notarztstandorte in Xanten und am Melkweg in Rheinberg aufzugeben und dafür einen neuen in Alpen zu errichten, erhitzen vor allem in Xanten die Gemüter. Nachdem der Rat dort einstimmig eine Resolution auf den Weg gebracht hat (wir berichteten), fordert Altbürgermeister Alfred Melters, der auch Vorsitzender des Fördervereins des Xantener St.-Josef-Hospitals ist, in der Angelegenheit nun von Thomas Görtz, alle Bürgermeister des Kreises zu mobilisieren.

„Das ist jedoch unwahrscheinlich, da es unterschiedliche Voraussetzungen gibt“, sagte Görtz im Gespräch mit unserer Redaktion. Nichtsdestotrotz bleibt er nicht untätig. „Wir bereiten gerade ein Schreiben an den Landrat vor, das in der nächsten Woche an alle Fraktionsvorsitzenden im Xantener Rat sowie an alle Fraktionsvorsitzenden des Kreistages geht.“ Bisher habe es noch keine Reaktion des Kreises auf den Widerstand aus Xanten gegeben. Mit dem Schreiben bittet Thomas Görtz ausdrücklich um eine Antwort. Auch will er wissen, ob der Kreis bei seinen Planungen bleibt: „Wenn sich nichts ändert, werden wir den Druck erhöhen“, droht der Chef im Xantener Rathaus.

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Das ist auch ganz im Sinne der Gemeinde Sonsbeck. Bereits in der jüngsten Ratssitzung brachte Bürgermeister Heiko Schmidt seine Verärgerung über die Pläne des Kreises deutlich zum Ausdruck. Denn die ebenfalls geplante Verlegung der Xantener Rettungswache an den westlichen Stadtrand würde die Anfahrtswege in den Sonsbecker Ortsteil Hamb sogar verlängern. Schon jetzt werden die empfohlenen Hilfsfristen kaum eingehalten. Dort erreichten Rettungswagen oder Notärzte in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich nur in rund 32 Prozent der Fälle den Einsatzort innerhalb von zwölf Minuten. Der gesetzliche Richtwert liegt bei 90 Prozent.

Alpens Bürgermeister Thomas Ahls schert aus der Widerstandsfront aus. Das aber ausdrücklich nicht, weil Alpen nächtlicher Notarztstandort werden soll und so möglicherweise Profiteur der Veränderung wäre. „Ich denke auch in dieser Sache regional“, beteuert er. Er macht rein „fachliche Gründe bei einem emotional besetzten Thema“ für seine Position geltend. Die Alarmierung von Notärzten, die im Krankenhaus Dienst täten, brächte zwangsläufig Verzögerungen mit sich, wenn die Mediziner im Hospital gerade gefordert seien, wenn ein Notruf eingehe. Das sei nicht der Fall, wenn der Notarzt zentral im Versorgungsgebiet nachts auf Abruf bereit stehe.

Ahls vertraut auf die Kompetenz der Besatzung in den Rettungswagen, wo immer die am Ende stationiert seien. „Die Notfall-Ausbildung hat ein hohen Standard.“ Mehr als von Resolutionen halte er vom Dialog mit dem Kreis: „Der will uns den Bedarfsplan noch erläutern und uns ins Boot holen.“

„Ich habe bereits in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusssitzung eine Stellungnahme abgegeben und deutlich gesagt, dass wir keine Verschlechterung für Rheinberg wollen“, unterstreicht Bürgermeister Frank Tatzel. „Wir möchten den Rettungsdienstbedarfsplanentwurf so schnell wie möglich haben, denn bis jetzt hat uns der Kreis nur einen ersten Entwurf gezeigt.“ Aufgrund der ihm bisher bekannten Fakten müsse er allerdings sagen: „Ich sehe das sehr kritisch.“