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Nabucco im Kurpark Xanten: Oper und Ort überzeugen die Besucher

Xanten : Nabucco im Kurpark: Oper und Ort überzeugen die Besucher

Was für ein Abend: Am Donnerstag wurde Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ im Kurpark aufgeführt. Mit Erfolg. Nicht nur die Festspieloper Prag, auch das ganze Drumherum überzeugte. Darauf haben die Xantener lange gewartet.

Geht doch: Man nehme ein Stück Wiese vom Kurpark, kontaktiere das Veranstaltungsbüro Paulis, das mit „Nabucco“ deutschlandweit unterwegs ist und biete Xanten als Spielstätte für den Opern-Erfolg von Giuseppe Verdi an. Heraus kommt ein schöner Abend unter freiem Himmel, der trotz recht kühler Temperaturen die Herzen erwärmte. Mehr als 1000 Zuhörer hatten sich Karten für das Sommer-Klassik mit der Festspieloper Prag am Donnerstagabend im Ostwall-Park gekauft und einen Abend mit besonderem Flair genießen können.

Und die Veranstalter Daniela Woosmann und Pavol Munk haben alles richtig und gut gemacht: Ihr Team hat morgens um 8 Uhr begonnen, das Stück Wiese am Ostwall mit Bauzäunen und schwarzem Tuch einzugrenzen, hat die elf Meter breite und acht Meter tiefe Bühne und ein Zelt fürs Orchester aufgebaut sowie bequeme Klappstühle aufgestellt. Drei Stunden vor Konzert-Beginn sind Chor, Solisten und Orchester angereist.

Die Oper in vier Akten spielt in Jerusalem und Babylon 587 vor Christus. Sie speist sich aus Legenden um den biblischen Herrscher Nabucco, König Babylons von 605 bis 562 vor Christus. Mit seiner Herrschaft ist unter anderem der babylonische Turmbau verbunden. Hintergrund der Opernhandlung sind die Eroberung Jerusalems 587 vor Christus und die Wegführung des jüdischen Volkes in babylonische Gefangenschaft 586 vor Christus. Handelnde (oder besser singende) Personen sind Nabucco (König von Babylon), Ismaele (Neffe des Königs Sedecia von Jerusalem), Zaccaria (Hohepriester der Hebräer), Abigaille (vermeintlich erstgeborene Tochter von Nabucco, aber in Wahrheit einfache Sklavin), Fenena, die Tochter Nabuccos, Abdallo (Offizier und Getreuer Nabuccos) und Anna, die Schwester des Zaccaria. Giuseppe Verdis „Nabucco“ wurde am 9. März 1842 in Mailand uraufgeführt und unmittelbar danach in vier Monaten 57 weitere Male gespielt. Ruhm und Reichtum des damals 29 Jahre alten Maestro waren damit gesichert.

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Punkt 19 Uhr wurde im Ostwall-Kurpark die Kasse geöffnet. Mit Michael Neumaier hatten die Veranstalter gemeinsam mit der Tourist Information einen Xantener Gastronomen ins Boot geholt, der sich an das Plastik-Verbot in der Innenstadt hielt und den Sekt und Wein stilvoll im Glas kredenzte. Auch auf der Ostwall-Mauer machten es sich einige Frauen und Männer gemütlich, packten ihre Picknick-Körbe aus und lauschten kostenfrei der Musik und dem Gesang – und niemand aus der Security-Riege hinderte sie daran: Großartig!

Die Domglocken waren gerade verstummt, als das Orchester der Festspieloper Prag die ersten Töne der Oper mit dem dramatischen Spiel um Macht und Liebe anstimmte. Martin Doubravsky führte an dem Abend den Taktstock, hatte Solisten und Chor auf der Bühne immer im Blick. Und auch wenn sich die Sopranistin, die die Partie der Abigaille sang, ein ums andere Mal in so manchen Ton hineinschrauben musste: Der Festivalchor Prag unter der Leitung von Lukas Kozubik überzeugte und sorgte an einigen Stellen für Gänsehaut. Vor allem natürlich, als Chor, Solisten und Orchester im dritten Akt den weltberühmten Gefangenenchor anstimmten: „Va, pensiero, sull’ali dorate“. Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen. Verdi, so heißt es, war ein glühender Patriot, der sich nichts sehnlicher wünschte als die Befreiung und Einigung Italiens, das damals unter österreichischer Herrschaft stand.

Wer des Italienischen mächtig oder mit dem Inhalt vertraut ist, ist bei den Aufführungen von „Nabucco“ klar im Vorteil. Und dass man eigentlich, wie eine Opernbesucherin ihrer Sitznachbarin flüsterte, bei einer Oper, die ja eine Geschichte erzählt, nicht nach jedem Stück applaudiert, sondern immer erst am Ende eines Aktes, ließ die Besucher des Konzertabends unter freiem Himmel unbeeindruckt: Sie zollten Solisten, Chor und Orchester der Festspieloper Prag immer wieder Beifall für einen schönen Abend.