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Mobilitätskonzept für Xanten: Kameras zählen Fahrzeuge an 18 Stellen

Mobilitätskonzept für Xanten : Xantens Verkehr wird ausgeleuchtet

Fachleute erstellen ein Mobilitätskonzept für die Stadt. Dafür zählen sie Autos und befragen Bürger.

In den nächsten drei Monaten wird das Fachbüro Stadtverkehr aus Hilden jede Menge Daten über das Mobilitätsverhalten der Xantener und der auswärtigen Besucher der Stadt sammeln. Die Ergebnisse sollen die Basis für ein Mobilitätskonzept für Xanten bilden. Am 17. März startet der Geograph Lennert Bruhn dafür mit der Praxisphase. „Bei der Erstellung werden wir die Bevölkerung einbinden“, betonte er, als er im Rat sein Vorgehen erläuterte.

Warum benötigt Xanten überhaupt ein Mobilitätskonzept? Der aktuelle Verkehrsentwicklungsplan stammt noch von 1991 und wurde zuletzt 2010 geändert. Inzwischen hat sich die Mobilität in der Stadt jedoch ganz erheblich verändert. Auch die Bürger stellen andere Forderungen an die Verkehrspolitik. Die Vermeidung oder zumindest die Reduzierung von Verkehrslärm ist ein Beispiel dafür. Darüber hinaus ist Xanten als Luftkurort dazu angehalten, Maßnahmen zur Luftreinhaltung umzusetzen – auch beim Verkehr. Darum hat der Rat ein Mobilitätskonzept in Auftrag gegeben, das alle Fortbewegungsarten in der Innenstadt einbezieht, vom Fußgänger über den Radler bis zum motorisierten Fahrzeug.

Wie werden die Daten erhoben? Bruhn wird auf verschiedene Instrumente zurückgreifen. Start war schon eine erste Untersuchung über die Nutzung der 1638 Parkplätze während des Weihnachtsmarktes. Eine weitere Untersuchung der Parkraumnutzung soll während des Siegfriedspektakels vom 21. bis 25. Mai stattfinden. Derzeit geht der Geograf davon aus, dass die Großveranstaltung mit ihren vielen Tausend Besuchern trotz Coronavirus stattfinden wird.

Doch jetzt kommt am 17. März zunächst einmal eine Verkehrszählung. Kameras werden an bestimmten Punkten in der Stadt das Aufkommen von Motorrädern, Autos, Transportern, Lastwagen und Busse festhalten. Sie stehen jeweils für mehrere Stunden an zwölf neuralgischen Stellen im Stadtgebiet lokalisiert. Außerdem gibt es an sechs Knotenpunkten Zählungen über 24 Stunden.

Wie werden die Bürger in die Untersuchung eingebunden? Das geschieht auf verschiedene Weise. Ab 1. April können sie sich an einer Online-Befragung beteiligen. Drei Monate lang bis zum 1. Juli können sie Anregungen geben und positive sowie negative Einträge zu jedem Verkehrsmittel machen. „So wissen wir, wo der Schuh drückt“, erläuterte der Hildener Fachmann. Zudem bereitet das Fachbüro Stadtverkehr an zwei Stichtagen eine Befragung von Haushalten zum individuellen Mobilitätsverhalten inklusive Wegeprotokoll mit Reisezweck vor. Bruhn: „Wir möchten wissen, wie sich die Menschen fortbewegen. Welche Wege habe ich zu welchem Zweck mit welchem Verkehrsmittel zurückgelegt?“ Die Ergebnisse geben Bewegungsprofile auch über die Stadtgrenzen hinaus.

Dazu werden rund 2150 Haushalte um eine Teilnahme gebeten. Der Datenschutz bleibt gewahrt, da keine Adressen benötigt werden. Bei einer geschätzten Rücklaufquote von zehn Prozent und einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von zwei Personen rechnet er mit Antworten von 430 Menschen. Das wäre etwa ein Prozent der Xantener Gesamtbevölkerung. Aus den Ergebnissen lässt sich so auf einer Karte ein Bild der Verkehrsströme erstellen. Auf einem Zusatzfragebogen können auch verschiedene Verkehrsmittel bewertet, Mängel angegeben und Verbesserungsvorschläge geäußert werden.

Weitere Daten sollen auf zwei Touren zu Fuß und mit dem Rad erhoben werden. Hierzu will Bruhn noch Teilnehmer gewinnen. Jede Tour am Samstag, 9. Mai, wird etwa zwei Stunden dauern. Vorher werden verschiedene Stationen festgelegt, um sich dort die Situation anzusehen und zu besprechen. Mögliche Gesprächsschwerpunkte können Querung, Wegweisung, Breiten, Barrierefreiheit, Gefahrenstellen, Beleuchtung und Aufenthaltsqualität sein. Eine Mängelanalyse ist in Form eines ersten Bürgerworkshops am 9. Juni ab 19:30 Uhr in der Mensa des Stiftsgymnasiums vorgesehen.

Aus allen Ergebnissen erarbeitet das Büro Szenarien, Ziele und ein Leitbild.

Was geschieht weiter mit den Daten und Ausarbeitungen? Nach der Sommerpause setzt die nächste Phase mit Bürgerbeteiligung ein. Das Hildener Fachbüro wird Maßnahmen getrennt nach Verkehrsarten erarbeiten und auch am Parkraumkonzept feilen. Im Herbst 2020 ist dazu ein zweiter Bürgerworkshop vorgesehen, ehe die Ratsvertreter die Zwischenergebnisse im Fachausschuss diskutieren. Es schließen sich weitere Diskussionsrunden über die Umsetzung der Maßnahmen an, die wiederum in einem dritten Bürgerworkshop besprochen werden. Am Ende des langen Prozesses steht ein Bericht, der im Rat debattiert und beschlossen werden soll.

Für die Veranstaltungen nach den Sommerferien sind allerdings noch keine genauen Termine angesetzt.