Xanten: Mit Lampenhäuschen beginnen

Xanten: Mit Lampenhäuschen beginnen

Das Baudenkmal "Bahnhof Marienbaum" ist zerstört; jetzt regt Ratsmitglied Werner Paessens an, wenigstens das "Lampenhäuschen" zu erhalten – für ein Saison-Café am Alleenradweg und als Hilfe für Bahnhofseigentümer Baier.

Das Baudenkmal "Bahnhof Marienbaum" ist zerstört; jetzt regt Ratsmitglied Werner Paessens an, wenigstens das "Lampenhäuschen" zu erhalten — für ein Saison-Café am Alleenradweg und als Hilfe für Bahnhofseigentümer Baier.

Marienbaum Eigenleistung, solidarische Unterstützung aus dem Wallfahrtsort und städtische Hilfe aus dem Denkmalfonds — für "Anpacker" Werner Paessens könnte "ratzfatz" wieder ein passables Bild an der alten Bahntrasse entstehen, die jetzt ein frisch ausgebauter Alleenradweg im neuen Wohngebiet rund um die alten Bahnanlagen ist.

Für Werner Paessens nicht nur ein städtebauliches Thema, sondern auch eine Hilfsmaßnahme für den Eigentümer der Brandruine Bahnhof, Marcel Baier (34). Der wartet nämlich immer noch auf die Entschädigung seiner Versicherung.

Im Mai jährt sich der für Marcel Baier katastrophale Brand zum fünften Mal. Und die juristischen Streitigkeiten um die Versicherungsentschädigung sind noch nicht beigelegt. Inzwischen ist der Bahnhof, der noch 1904 in der Tradition preußischer Bahnhöfe errichte wurde, nicht nur wegen des Feuers herunterkommen. Baier gestern im Gespräch mit der RP: "Der Denkmalstatus ist vermutlich nur noch auf dem Papier vorhanden."

"Wie eine Schuldenfalle"

Marcel Baier fühlt sich "allein gelassen in einem Rechtsstaat"; der sich über Jahre hinweg streckende Prozess mit den Versicherungen für Hausrat und Brandschutz hat Spuren hinterlassen. "Versichert sein ist wie eine Schuldenfalle. Ich kann hier nichts tun, habe aber alle Kosten." Der ehemals selbstständige Elektrounternehmer verdient heute sein Geld in England — "im Elektroservice".

Dabei hatte es aus seiner Sicht für ihn gut angefangen. Fünf Jahre vor dem Brand hat er sich als Zulieferer für Elektrobauteile für die Industrie selbstständig gemacht. "Der Betrieb lief sogar noch bis 2009 ganz gut — bis zur Finanzkrise." Da sei ihm die Luft ausgegangen. "Ich musste hier weg — um Abstand zu gewinnen und nicht meiner Familie auf der Tasche zu liegen".

In Marienbaum ist er in dieser Woche, weil eigentlich am 15. März Prozesstag mit der Hausratsversicherung sein sollte. "Der Prozess wurde wieder verschoben." Dafür hat er jetzt die Nachricht, dass das OLG Düsseldorf am 29. März bei der Gebäudeversicherung zu einem Urteil kommen will.

Doch nicht nur die Prozessdauer ist zermürbend. Vandalismus und Diebstähle setzten der Brandruine weiter zu. Baier verspürt ein Gefühl von Ohnmacht: "Hier wird alles geklaut; sogar die Bronzeplakette mit der Aufschrift ,Baudenkmal' wurde kürzlich von der Wand geschraubt. Dabei hab' ich doch schon alles verloren."

Und auf den Tag genau vier Jahre nach dem Brand legten Unbekannte Feuer im Lampenwärterhäuschen. Weil zeitgleich die Birgittenschützen auf ihrem Schießstand in der Nähe aktiv waren, konnte Schlimmes verhütet werden, denn die Birgitten stellen auch Feuerwehrleute, die somit schnell am Brandort waren.

Doch Marcel Baier hat noch Träume. So will er nicht ein Baugrundstück in lukrativer Lage, sondern den historischen Bahnhof im Kern erhalten. Der Bahnhof eigne sich als Gastronomiebetrieb, der neue Alleenradweg komme da wie gerufen. "Die Außenmauern sind 60 Zentimeter dick; die haben sowohl das Feuer als auch die Jahre danach gut überdauert", sagt Baier.

Geld für Notdach fehlt

Ob sich solche Träume verwirklichen lassen, hängt auch von der Einschätzung der Denkmalschutzbehörde ab. Aktuell fehlen dem jungen Mann 30 000 Euro für eine Notbedachung der Ruine.

Weshalb Werner Paessens und sein Fraktionskollege Matthias Voll von der BBX sich auf die Renovierung des Lampenhäuschens konzentrieren wollen. "Das ist erst mal ein Packend, damit der Jung' wieder auf die Beine kommt", stellt Werner Paessens fest. Er zumindest blickt zuversichtlich nach vorne: "Im Dorf hilft man sich."

(RP)
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