Xanten: Mit einer E-Lok durch den Luftkurort

Xanten: Mit einer E-Lok durch den Luftkurort

Ralf Graumann will dem nächsten Zug für die Xanten-Stadtrundfahrt einen Elektroantrieb verpassen. Der dritte Nibelungenexpress soll sauber seine Runden drehen. Noch fehlt der Förderbescheid aus Berlin.

Ralf Graumann biegt mit seinem Nibelungenexpress voller Optimismus in die neue Saison ein. Im vergangenen Jahr verzeichnete er mit rund 20.000 Fahrgästen eine Steigerung von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Als ich begonnen hatte, hätte ich mit einer solchen Resonanz nicht gerechnet", sagt er. Doch die Bimmelbahn durch die Innenstadt erfreut sich steigender Beliebtheit. Nun stehen die beiden Züge erneut startbereit, um sich zunächst auf der Prüfstraße bei Herbrandt von der Dekra die TÜV-Plakette abzuholen und dann in die kommenden Monate durchzustarten sprich durchzutuckern. Das Band mit den Erläuterungen aus den Lautsprechern ist auch aktualisiert, schließlich ist der Kurpark neu hinzugekommen. Saisonstart ist wie fast immer am Samstag des Ostermarkts, der diesmal auf den 24. März fällt.

Mit einer "Lok" und zwei Anhängern hatte der IT-Fachmann in Xanten sein Fahrgeschäft eröffnet; 24 Sitzplätze standen seinerzeit für die 40-minütige gemütliche Fahrt zu vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt zur Verfügung. Vor drei Jahren legte er sich einen zweiten Zug zu. Inzwischen hat sich die Zahl der Sitzplätze auf 96 vervierfacht.

Saison ist von April bis Oktober an sieben Tagen in der Woche. Ab November stellt die Bimmelbahn den regulären Fahrbetrieb ein und rollt lieber zum Überwintern in die Halle. Nur für Sonderfahrten holt Graumann in den kalten Monaten den Zug noch einmal hervor. Dann möchten zum Beispiel Jugendgruppen aus der Jugendherberge zum Naturforum auf der Bislicher Insel gebracht zu werden, wollen Karnevalisten an Altweiber zum Fürstenberg oder Musikfreunde in der Enni-Night of the Bands von Konzert zu Konzert kutschiert werden.

Foto: Armin Fischer

So legen die Züge im Jahr insgesamt etwa 12.000 Kilometer zurück. Einen Ausfall gab es nur ein einziges Mal, und der war noch nicht einmal technisch bedingt, sondern der Schnellfall zeichnete in diesem Januar verantwortlich.

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Demnächst wird sich noch ein dritter Zug in die Fahrzeugflotte von Ralf Graumann einreihen. Diesmal aber nicht mit einem Dieselantrieb, sondern der Vorsitzende des Vereins für Touristische Sonderverkehre und Wegebahnen möchte seinen Kauf zu einem Elektrofahrzeug umrüsten lassen. Das würde einem Luftkurort gut zu Gesicht stehen. Die Zugmaschine ist dafür bereits halb ausgeschlachtet und wird teilweise schon anderweitig genutzt.

Das Getriebe zum Beispiel ist schon in einer anderen Zugmaschine, ein VW Bus T3 synchro Allrad, eingesetzt. "Für ihn bekommt man sonst keine Ersatzteile mehr", erläutert Ralf Graumann. Die Umstellung auf Elektro kostet rund 50.000 Euro. Viel Geld für einen Zugbetreiber. Darum hofft Graumann auf einen Zuschuss aus dem Bundesverkehrsministerium.

Der Antrag ist jedenfalls bereits gestellt, die erforderliche Erklärung der Stadt, dass eine Umrüstung den Zielen des Luftreinhaltekonzepts entspricht, ist beigefügt. Ralf Graumann: "Die Stadt unterstützt mich toll bei diesem Projekt." Nun wartet er gespannt auf Post aus Berlin, um anschließend mit der Bank die Finanzierung zu klären und mit den Arbeiten dann wirklich beginnen zu können.

Er rechnet mit einer Umrüstzeit von etwa drei Monaten. Das heißt: Wenn alles wie geplant seinen Gang geht, kann in diesem Herbst der Express erstmals per Elektro durch die Straßen zuckeln.

(pek)