Xanten: Mini-Porsche auf "Garnröllekes"

Xanten: Mini-Porsche auf "Garnröllekes"

"Fremdarbeiten": Amir Hedayat-Vaziri zeigt von morgen an im Rathaus-Saal in Xanten und ab dem 11. März im Naturforum Bislicher Insel Foto-Collagen und Skulpturen, die er aus verschiedenen Fundstücken fertigt.

"Das ist ein Porsche 928, die Polizeiversion": RP-Fotograf Armin Fischer wusste sofort, welches Spielzeugauto Amir Hedayat-Vaziri da für eine seiner Mini-Skulpturen verarbeitet hat, die von morgen an im Rathaus-Saal in Xanten und dann vom 11. März an im Naturforum auf der Bislicher Insel zu sehen sein werden. "Stimmt", gab der Künstler mit iranischen Wurzeln dem eingefleischten Porsche-Fan recht: "Das ist der mit dem Glas-Kofferraum." Den Porsche in Miniatur-Format hat der 54-Jährige auf einen alten Schuhleisten geklebt, den er auf dem Sperrmüll in Bad Godesberg gefunden hat. Die Reifen des Autos waren einmal Rollen für Nähmaschinen-Garn. Den Rückspiegel, der zu der Skulptur gehört, hat Amir Hedayat-Vaziri bei der Gartenarbeit in Wormersdorf bei Meckenheim ausgegraben.

Eine andere Skulptur stellt einen Vogel dar. Den Schnabel hat er irgendwo gefunden, der passte genau in das Astloch in der Baumrinde, die er - natürlich - ebenfalls gefunden hat, genau wie die Vogelkralle. "Ich glaube, die stammt von einer Krähe", ist sich Amir Hedayat-Vaziri nicht ganz sicher. Seine Kamera hat er immer dabei. Denn auf der Straße findet er immer etwas, das sich für eine Foto-Collage eignet. Eine Schnur, Plastiktüten, Gummibänder, Bananenschalen. Seine Skulpturen sind Unikate, kosten dementsprechend. Ab 1500 Euro aufwärts.

Selbst wenn man ihm die Augen verbinden und irgendwo aussetzen würde, wüsste er, wo er ist. "Ich brauche nur auf den Boden zu schauen, dann kann ich Ihnen sagen, in welchem Land ich gerade bin." Müll könne man sehr gut zuordnen - "Xanten ist ziemlich müllfrei, dafür gibt es hier deutlich mehr Vogelreste als anderswo." Und was andere vielleicht als Müll abtun, ist für Amir Hedayat-Vaziri noch lange kein Abfall.

Seine Miniatur-Skulpturen hat der Künstler, der seit zwei Jahren in Xanten lebt und auf Märkten Schaffelle verkauft, um sein Leben zu finanzieren, aus Fundstücken aus der ganzen Welt gestaltet. Immer wieder falle ihm auf, wie respektlos Menschen nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Material umgehen, bedauert der 54-Jährige, der mit seinen Skulpturen und Foto-Collagen auf Dinge aufmerksam machen möchte, die wenig beachtet werden oder die es heute gar nicht mehr gibt.

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Geboren in Washington DC, aufgewachsen in Teheran: Amir Hedayat-Vaziri war 16, als der Schah gestürzt wurde, die Ayatollahs 1979 die Macht übernahmen. Die Eltern verließen die Heimat, brachten ihn und seinen Bruder nach England ins Internat, lebten selber während der Revolution in der Türkei, kehrten zurück. Amir blieb in England, ging zum Studieren (Anthropologie und Psychologie) in die USA und nach Nizza, kam Ende der 80er Jahre nach Deutschland. Er lebte viele Jahre in Bonn.

Was für ihn Heimat ist? Schwer zu sagen. Als er zur Beerdigung des Vaters in den Iran flog, sei er selber überrascht gewesen über die Gefühle, die das Land in ihm ausgelöst habe. Angenehme, aber auch unangenehme Gefühle. Ob er je irgendwo sesshaft wird, kann er nicht sagen. "Ich reise zu gerne", sagt der Vater zweier erwachsener Kinder, der sich als 20-Jähriger sein Studium mit selbst entworfenen Broschen finanziert hat.

Ausgestellt hat er zum Beispiel 2009 in Rom in der Galerie il Gabiano, die Möwe), 2010 in Köln (Galerie Schenk), 2015 im Haus Metternich in Koblenz. Hildegard Stück hat dem 54-Jährigen geholfen, einen Teil seiner Arbeiten jetzt in Xanten zu zeigen: Für die ArtOrt, die Kunst in Geschäften, hatte sie für Foto-Collagen und Skulpturen von Amir Hedayat-Vaziri Platz in ihrem Tee-Laden an der Klever Straße gemacht: Dadurch ist jemand vom Naturforum und Carolin Schwartz von der Stadt Xanten auf den Künstler aufmerksam geworden.

(jas)