Xanten: Milde Haftstrafe für Bankräuber

Xanten : Milde Haftstrafe für Bankräuber

Kempen Ein 65jähriger Kempener muss für vier Banküberfälle für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. „Das war ein außergewöhnlicher Fall, wie ich ihn in 28 Jahren Richteramt noch nicht gehabt habe“, begann der Vorsitzende Richter der Zweiten Großen Strafkammer gestern die Urteilsbegründung. Es galt ein Strafmaß zu finden, das sowohl der Würdigung der Person des Angeklagten, als auch dem Interesse der Öffentlichkeit nach einer gerechten Strafe für vier schwere Verbrechen gerecht wurde. Das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen half der Strafkammer bei dieser schweren Aufgabe. Der Chefarzt der Rheinischen Kliniken in Süchteln beschrieb Günter G. als einen Mann, der 64 Jahre seines Lebens ein prosoziales Leben ohne jede kriminelle Energie geführt hatte. Der Angeklagte hatte Freude an seiner Arbeit im Innenausbau, er war fleißig und kompetent. In den letzten beiden Jahren habe sich aber seine Persönlichkeit verändert, bestätigte seine Lebensgefährtin.

Es war die Zeit, in der G. sich auf die schiefe Bahn begeben hatte. Sein Verhalten bekam paranoide Züge. Das sei auf einen gefäßbedingten Abbau bestimmter Hirnregionen zurückzuführen, wie sie im Alter auftreten können, jedoch habe das den Angeklagten stärker als normal getroffen, sagte der Arzt. Er fügte aber ausdrücklich hinzu, dass G. nicht krank sei. Die Behinderung müsse aber im Urteil mildernd berücksichtigt werden. Als der 65-jährige Kempener in finanzielle Not geriet und selbst von Auftrag- und Arbeitgebern betrogen wurde, hatte er nicht mehr die Willenskraft, die Verbrechen, von denen er sich eine Lösung seiner Probleme erhoffte, nicht zu begehen. Alle Prozessbeteiligten nahmen ihm ab, dass er diese Taten sehr bereue und dass eine Wiederholung höchst unwahrscheinlich sei.

In einem beeindruckenden Plädoyer antwortete der Verteidiger auf den Vortrag des Staatsanwaltes, der sieben Jahre beantragt hatte. Das Gericht folgte der Argumentation weitgehend. Aber der Vorsitzende Richter betonte auch, dass dieses Urteil „kein Persilschein“ dafür sei, im Alter seine Probleme durch Verbrechen zu lösen.

(RP)
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