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Metall-Innung im Kreis Wesel: Gesellen feiern ihre Lossprechung

Lossprechung der Metall-Innung : Männer, die gefragt sein werden

26 Gesellen der Metall-Innung feierten in Xanten ihre Lossprechung. Gut ausgebildet haben sie hervorragende Berufschancen.

Geschafft: Einzeln werden sie aufgerufen, nehmen die Glückwünsche der Vertreter der Metall-Innung des Kreises Wesel und ihrer Lehrmeister entgegen. Jeder erhält den verdienten Applaus von Eltern, Geschwistern, Freunden. Mit dem Gesellenbrief in den Händen lassen sich die 26 jungen Menschen feiern.

Die Lossprechungsfeier am Sonntagmittag im Historischen Schützenhaus am Fürstenberg in Xanten ist für die Junggesellen immer wieder etwas ganz Besonderes. Allerdings ist sie das seit 19 Jahren erst wieder. Vor fast zwei Jahrzehnten wagte der damals stellvertretende Innungsmeister Rainer Theunissen nach vielen Jahren ein Experiment: „Viele waren skeptisch, dass die jungen Leute und ihre Angehörigen wirklich einen wichtigen Tag würdig begehen wollen“, erinnert sich Theunissen im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich habe mir zum Beispiel vor 33 Jahren mein Zeugnis abgeholt, und das war’s. Aber gleich bei der ersten Feier war die Bude rappelvoll.“

Bei aller zu recht ehrfürchtigen Stimmung: „Ich halte nur bedingt eine Festtagsrede“, hatte Theunissen schon im Vorhinein angekündigt. „Bei den Worten ,Meine sehr verehrten Damen und Herren’ sinken doch sofort alle in einen Dämmerschlaf.“ Da erinnert der Xantener doch lieber daran, wie schnell die dreieinhalb Jahre Ausbildung vergangen seien: „Von den 1277 Tagen bleiben nach Abzug von Wochenenden, Feier-, Urlaubs- und Berufsschultagen ohnehin nur 350 Tage im Betrieb.“

In vergangenen Jahrhunderten war das noch anders. Da lebten die Lehrlinge im Haus der Meister und erhielten noch im 18. und 19. Jahrhundert zum Abschluss reine Leumundszeugnisse. Darin wurde den frisch gebackenen Gesellen ein redliches, frommes, treues, gottesfürchtiges und ehrliebendes Verhalten bescheinigt. Das war ein feierlicher Augenblick bei geöffneter Zunftlade. Dann waren weder Trunk noch Streit oder das Tragen von Waffen erlaubt. Und das bisweilen nicht gerade einfache Lehrlingsdasein mit Kost und Logis hatte ein Ende. Gesellen, die waren schon etwas Besseres.

Das sind sie heute auch noch, weiß Theunissen, auch wenn der alte, bisweilen nicht unblutige Brauch, dass die alten Gesellen den neuen einen dicken Schlüssel im Munde umdrehen durften, nicht mehr an der Tagesordnung ist: „Ein gut gelernter Geselle kriegt überall eine Stelle und wird beileibe nicht schlecht bezahlt.“ Wer weiter lerne, der könne als Meister in einem längst nicht mehr schmutzigen Beruf seinen Weg machen: „Viele Betriebe suchen händeringend einen Nachfolger.“

Daran erinnerten auch Bürgermeister Thomas Görtz und der stellvertretende Kreis-Lehrlingswart Theo Geenen, der gleich einen mehrfachen Grund zur Freude hatte. Aus dem inzwischen von seinem Sohn Benedikt geleiteten Betrieb wurden gleich zwei neue Gesellen freigesprochen, einer sogar als Prüfungsbester: Vachik Mkrtchyan, der mit seiner Familie aus Armenien geflohen war und samt Frau und Kindern Anschluss bei der Familie Geenen gefunden hat (wir berichteten mehrfach).

Der heute 30-Jährige, dreifache Familienvater Mkrtchyan hatte zu allem Prüfungsstress in den vergangenen Monaten auch noch sein Deutsch-Zertifikat machen müssen. Für seine Leistung in der Gesellenprüfung erhielt er wie auch Björn Vassen aus Bochum, der bereits im Sommer seine Prüfung als Bester bestanden hatte und in der Hamminkelner Akademie Klausenhof ausgebildet worden war, ein Geschenk. Früher habe es mal Uhren gegeben, erinnert sich Theunissen. Die liefen zwar gut, seien aber heute nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen gab es dieses Mal moderne Bluetooth-Lautsprecher.