Xanten: Max Mutzke eröffnet lässig die dritte Xantener Sommermusik

Xanten: Max Mutzke eröffnet lässig die dritte Xantener Sommermusik

Es war ein Abend der sanften Bewegungen. Die Schultern immer leicht hochgezogen, die Hände meist in der Hosentasche und die Hüften langsam zur Musik kreisend.

Als er "Creep", eigentlich ein Lied der britischen Band Radiohead anstimmte, standen alle auf einmal ganz still. Ihnen war klar, danach ist das Eröffnungskonzert der dritten Xantener Sommermusik mit Max Mutzke vorbei. Das Publikum verneigte sich vor der musikalischen Leistung von Sänger und Band. Und das, obwohl ihr Start nicht ganz stolperfrei war.

War auch 2017 wieder Ein-Mann-Vorgruppe: Willer (l.). Daneben Dirk Schmidt-Enzmann, der für die Technik verantwortlich ist. Foto: Lörcks

Von vorne: Nachdem es 2016 mit dem ersten Gitarrenakkord der Ein-Mann-Vorgruppe Willer den ganzen Abend aus Kübeln schüttete, waren die Rahmenbedingungen in diesem Jahr nahezu perfekt. Ein lauer Sommerabend, eine professionelle Licht- und Bühnentechnik. Und weiße Pagodenzelte, in denen es Wein aus Gläsern und Wurst mit drei verschiedenen Dips gab. Dennoch kamen nur 750 zahlende Gäste aufs Gelände am Ostwall. Platz wäre für die doppelte Anzahl gewesen.

Foto: Fischer Armin

Warum das so ist, ist schwer zu beantworten. Bürgermeister Thomas Görtz, der auch Schirmherr der Sommermusik ist, fand den Termin nicht ganz glücklich. So hat Max Mutzke bereits eine Woche zuvor gratis beim "Couch'n'Concert" in Straelen gespielt. "Damit war der Niederrhein eigentlich schon abgedeckt." Vera Kilzer (46) und Ruth Walterscheidt (58) meinten, dass der Xantener an sich immer etwas Zeit braucht. "Es ist schön hier, ab dem vierten und fünften Jahr wird das schon was werden." Warum das Festival allerdings seit drei Jahren am Ostwall aufgebaut werden muss und nicht mehr die vorhandene Arena im APX genutzt wird, verstehen die beiden Schwestern bis heute nicht. "Die Infrastruktur ist doch da", sagte Walterscheidt.

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Die beiden Frauen waren es auch, die sich als erste von den Stühlen erhoben als Mutzke, der 2004 den Wettbewerb "Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star" gewann, seinen Siegersong "Can't wait until tonight" sang. "Wir sind ESC-Fans der ersten Stunde und finden Max Mutzke einfach wunderbar", sagte Walterscheidt. Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich mit ihrer Schwester längst in der Nähe der Stehtische und tanzte lässig zu "Welt hinter Glas" und Co. "Die Stühle sind nicht nur unbequem, sie bremsen auch die Stimmung." Selbst Mutzke sagte nach dem vierten Lied. "Sitzen macht müde." Eine Anspielung auf den Luftkurort konnte er sich ebenfalls nicht verkneifen.

Und dann hat er es doch noch irgendwie geschafft, die Menschen mitzunehmen. Spätestens nach "Schwarz auf Weiß", übrigens sein erster, selbst geschriebener Song, wurde nur noch gegroovt. Das wurde auch Zeit. Denn seine Band Monofunk aus den Niederlanden gehört zurecht zu den besten ihrer Klasse. Und auch Mutzke ist viel mehr als ein Castingstar. Er gehört zu den talentiertesten Singer-Songwritern aus Deutschland, hat eine unglaublich starke Stimme und ist mit seiner Musik eins. So trug er Buntfaltenhose, Weste, weißes Hemd und Flatcap zu funky Rhythmen. Seine Bewegung introvertiert, seine Ansprachen zurückhaltend, sein Laut und seine Interpretationen der Songs jedoch gewaltig.

(juö)