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Xanten: Marienschülerinnen erinnern an Juden

Xanten : Marienschülerinnen erinnern an Juden

Die Stadt Xanten und die beiden Kirchengemeinden gedenken am Samstag, 27. Januar, 16 Uhr, mit einer Feier der Befreiung aus dem KZ Auschwitz. Im Mittelpunkt stehen 16 Stelen, die später ausgestellt werden.

Am 9. November stand eine Stele im Mittelpunkt der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht von 1938. Am Samstag, 27. Januar, werden es 16 Säulen sein, wenn die Stadt und die beiden Kirchengemeinden als Schirmherren der Veranstaltung an die Schrecken der NS-Herrschaft vor über sieben Jahrzehnten erinnern. In der Aula ihrer Schule werden hauptsächlich Marienschülerinnen die Feier gestalten. Beginn ist um 16 Uhr. Sie erinnern an jüdische Mitbürger aus Xanten, die zwar aus der Stadt fliehen konnten, später aber aufgegriffen und deportiert wurden. Meistens starben die Menschen in den Konzentrationslagern, oder ihr Schicksal ist unbekannt.

Im Kunstunterricht hatten sich die Zehntklässlerinnen unter Anleitung der jüdischen Künstlerin Laula Plassmann und Kunstlehrerin Eva Mesmann auf Spurensuche begeben und in mühevoller Recherchearbeit einiges über die verschollenen Xantener Bürger während der NS-Herrschaft herausgefunden. Mit personifizierten Stelen erinnern sie an diese Menschen, von denen zwei sogar die Marienschule besucht hatten. "Sie haben sich sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt", erläutert Schulleiter Michael Lemkens. Die Mädchen der Marienschule setzen sich seit Jahren intensiv mit dem Nationalsozialismus und der Judenverfolgung auseinander.

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Die Auschwitz-Gedenkfeier sei ein weiterer Mosaikstein, betont Lemkens. Im vergangenen Herbst war zum zweiten Mal eine Schülergruppe nach Polen gefahren, um sich dort aus nächster Nähe über die NS-Gräueltaten zu informieren. Schon im Jahr zuvor war die Resonanz mit 26 Jugendlichen recht groß gewesen, 2017 war die Gruppe weiter angewachsen. Lemkens: "Die Teilnehmer kamen mit überwältigenden Erfahrungen zurück. Leider konnten viele nicht mitfahren." Das wird sich in diesem Jahr ändern. Jedes Mädchen, das möchte, soll auch an der Fahrt teilnehmen können.

Die Gedenkfeier am 27. Januar in der Aula eröffnet Bürgermeister Thomas Görtz mit einem Grußwort. Auf die Vorstellung des Stelen-Kunstprojekts folgt ein bewegender Text "Gegen das namenlose Sterben", dann eine Gesprächsrunde unter anderem mit einigen Schülerinnen. Darüber hinaus ist ein Film zu sehen, den die Jugendlichen auf ihrer November-Fahrt gedreht haben. Den Abschluss bildet ein jüdisches Totengebet. Mit dieser öffentlichen Veranstaltung ist das Stelen-Kunstprojekt jedoch nicht abgeschlossen. Mit Beginn der Fastenzeit werden die Stelen ausgestellt, kündigt Jürgen Kappel, Mitorganisator der Veranstaltung, an.

Den Start macht bis zum Sommer das Stiftsmuseum. Aber danach werden sie an anderer Stelle ebenfalls zu sehen sein, möglicherweise auch im Dom, unter anderem in der Krypta. Lemkens: "So bleibt das Thema präsent."

(kump)