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Xanten: Madeline liest das rote U

Xanten : Madeline liest das rote U

Mit Auszügen aus Wilhelm Martinis Jugendbuch will sich Madeline Schätze heute ganz nach vorn lesen. Die junge Xantenerin hat sich für den Landesentscheid beim Vorlesewettbewerb qualifiziert.

Ihren Text dürfte sie fast auswendig kennen. Nicht nur einmal hat sie ihn gelesen, den Abschnitt aus „Das rote U“ von Wilhelm Martini. Schließlich will sie damit heute Staat machen. In Wuppertal. Beim Vorlesewettbewerb. Bis zum Landesentscheid hat es Madeline Schätze gebracht. Jetzt will sie auch noch mehr – „wenn es denn geht“.

Das Lampenfieber

Ganz schön aufgeregt sei sie, gibt die Sechstklässlerin der Xantener Hauptschule zu. Und wie sie sich kenne, werde sich das auch nicht sofort legen, wenn sie das Buch vor der Jury aufschlage und von der Jugendbande lese, die von einem großen Unbekannten ihre Aufträge erhält. Zum Beispiel einen Hasen zu schießen, damit eine arme Familie etwas zu essen bekommt. Oder jemandem Arbeit zu verschaffen. Erst ganz zum Schluss wird der bewunderte Auftraggeber enttarnt. Es ist – der Außenseiter der Klasse.

Madeline verschlingt solche Bücher – in Massen. Gerade am Wochenende, so erzählt sie, habe ihre Mutter im Internet wieder neun Bücher für sie ersteigert. Die hat die Zwölfjährige, die „nichts lieber hat als eben lesen“, auch schon bald durch. Und gut kann sie es auch. Das hat sie schon bei der Schulentscheidung mit „Räuber Hotzenplotz“ bewiesen, beim Kreisentscheid in Dinslaken mit „Stinknormal“ und bei der Bezirksausscheidung in Essen. Jetzt darf sie nach Wuppertal. Ihre Klassenlehrerin Elke Naczynski wird sie auf der Zugfahrt und während des Wettbewerbs in der Buchhandlung Klaus v. Mackensen begleiten. Da zählt dann nicht allein die Leseleistung aus dem eigenen Buch. Auch ein Fremdtext wird als Zweitstück gefordert. Und wenn alle Teilnehmer durch sind, wird es richtig spannend: Wer wird Landeslesechampion?

Elke Naczynski hält ihrer Schülerin natürlich die Daumen. Sie habe Madeline das Lesen zwar nicht beigebracht. „Aber ich bin dankbar, dass sie in meiner Klasse ist.“ In ihren 32 Jahren als Lehrerin habe es nie jemand so weit geschafft. Klar auch, dass Madeline besonders in Deutsch richtig gut sei. „Wer so viel liest, beherrscht die Sprache und ihre Ausdrucksformen.“

Die ersten eigenen Geschichten

Madeline freut das Lob, erzählt, dass sie sich immer in die Geschichten in den Büchern hineinversetzt. Am liebsten in die Geschichte der Mädchenbande „Die wilden Hühner“. So was würde sie selbst gerne mal schreiben. Die ersten Schritte macht Madeline Schätze bereits. Sie schreibt Geschichten. Aus dem Leben halt oder was ihr gerade einfällt. In ihrer neuesten Erzählung verlieben sich zwei Mädchen in denselben Jungen. Da ist die Frage nach dem Berufswunsch beinahe überflüssig: „Autor“, sagt Madeline, „das wärs.“

(RP)