1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Lockdown in Xanten: „Wir müssen jetzt schließen, das ist unfair“

Lockdown wegen Corona-Pandemie : „Wir müssen jetzt schließen, das ist unfair“

Wegen der Corona-Pandemie muss die Gastronomie für mindestens vier Wochen schließen. Hier beschreibt Ute Keil ihren letzten Abend vor der Zwangspause. Sie betreibt das Oldschool, eine klassische Bier-Kneipe in Xanten.

„Es ist für die nächsten Wochen der letzte Abend, an dem wir unsere Kneipe öffnen durften. Es ist ein mulmiges Gefühl. Ich habe schon geweint. Es ist wie Abschied nehmen, auch von den Gästen. Ich habe viele liebgewonnen, und jetzt sieht man sich vier Wochen nicht. Oder länger. Wir wissen nicht, was kommt. Bleibt es bei den vier Wochen oder müssen wir auch im Dezember noch schließen? Ich befürchte, dass wir erst im Januar wieder öffnen dürfen. Was ich nicht verstehe: Die Maßnahmen wurden am Mittwoch bekanntgegeben. Aber wenn die Infektionszahlen so schlimm sind, warum wird dann nicht sofort alles geschlossen? Warum erst am Montag? Das kann ich nicht nachvollziehen.

Wir wollten an diesem Samstag eigentlich eine Halloween-Party machen. Vor zwei Wochen hätten wir auch noch mit 50 Leuten feiern dürfen. Aber das wäre jetzt schon nicht mehr erlaubt gewesen, deshalb haben wir die Party abgesagt und uns entschieden, die Kneipe am Samstag gar nicht zu öffnen. Sonst wären die Leute, die zur Party kommen wollten, auch so gekommen. Das geht nicht. Wenn es Regeln gibt, dann halten uns daran. Wir haben auch die Sperrstunde eingehalten. Um 22.30 Uhr haben wir an diesem Freitagabend die letzte Runde gemacht, es konnten auch noch alle in Ruhe austrinken, aber dann mussten sie gehen.

  • Das NRW-Landeskabinett in Corona-Zeiten. Archiv-Foto: Rolf
    Nach den Bund-Länder-Vereinbarungen : NRW setzt die neuen Regeln vollständig um
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht bei der
    Regierungserklärung im Bundestag : Merkel verteidigt harte Einschnitte gegen Corona
  • Jessica und Jonny Casselly zeigen ihren
    Weihnachtscircus Xanten : Ein Drahtseilakt für die Zirkusfamilie

Das war jetzt der letzte Abend für mindestens vier Wochen. Das ist nicht fair, gerade nicht für die Gastronomie. Mit sind keine größeren Corona-Fälle in Restaurants, Gaststätten, Cafés oder Kneipen bekannt. Die großen Infektionszahlen gab es nach Hochzeiten und anderen privaten Feiern. Aber nicht bei uns. Trotzdem müssen wir jetzt schließen. Wir müssen leiden, das ist unfair. Und ich weiß nicht, wie es weitergeht. Die Politik hat Hilfen angekündigt. Aber ich muss mir erst anschauen, ob wir diese Unterstützung auch wirklich bekommen. Wenn es so kommt, wie es die Politik sagt, dann wäre der November für uns gerettet. Aber sonst, also ohne diese Hilfe, sehe ich schwarz. Wir werden wochenlang keine Einnahmen haben. Und wir leben von dieser Kneipe. Das ist unser Brot. Wir haben keinen anderen Job.“

Aufgeschrieben von Markus Werning.