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Lehrpfad am Aussichtsturm Sonsbeck führt 400 Meter rund ums Klima

Lehrpfad am Aussichtsturm Sonsbeck : 400 Meter rund ums Klima

Am Sonsbecker Aussichtsturm entsteht derzeit ein Naturlehrpfad, der an sieben Stationen Einblicke in die heimische Flora und Fauna gibt. Obwohl der Rundweg noch nicht fertig ist, wird er von Kindern schon kreativ genutzt.

Es ist nasskalt an diesem Januar-Montag. Laut Thermometer sinds‘s fünf Grad über Null. Doch auf dem Dürsberg in Sonsbeck pfeift der Wind unbarmherzig, treibt die Kälte trotz warmer Jacken bis in die Glieder. Ungemütlich! Und zugleich lehrreich. Schließlich geht es an der ersten Station des neuen Klimalehrpfades am Aussichtsturm um die bewusste Wahrnehmung des Freilandklimas. Drei Minuten lang soll man es auf sich wirken lassen, um es später mit den Erfahrungen im schützenden Wald vergleichen zu können. „Drehe die Sanduhr und spüre mit allen Sinnen Wind, Feuchtigkeit, Sonne, Geruch,...“, wirbt die dazugehörige Hinweistafel. Eine Sanduhr ist derzeit noch nicht zu finden. „Wir müssen dafür ein bisschen basteln“, sagt Martin Grunenberg vom Bauamt. Die Sanduhr aus Kunststoff soll noch ein schützendes Kästchen bekommen, ehe sie an das Schild angebracht wird.

Fertig ist der Klimalehrpfad noch nicht. Ein paar Tafeln für die insgesamt sieben Stationen müssen noch aufgestellt werden, andere wieder versetzt. Auch die Holz- und Metalltiere, die für die kleinen Entdecker im Dickicht versteckt werden sollen, kommen erst in wenigen Wochen an ihren Standort. Ebenso die vier Sitzbänke direkt am Aussichtsturm. Lieferengpässe beim Holz haben den Aufbau verzögert.

 Am Steinkreis bauten Besucher kleine Türme aus Kieseln.
Am Steinkreis bauten Besucher kleine Türme aus Kieseln. Foto: Armin Fischer (arfi)
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Und doch erfreut sich der circa 400 Meter lange Rundweg schon vor seiner Vollendung großer Beliebtheit, wird von aufgeweckten Naturfreunden nach eigenen Vorstellungen gestaltet. „Einige Kinder sind schon richtig kreativ geworden“, erzählt Katharina Lohmann erfreut. Die zertifizierte Waldpädagogin und Försterin des Landesbetriebs Wald und Holz NRW hat das Konzept des Lehrpfades entwickelt. „Es geht darum, den Wald spielerisch zu erfahren, mit allen Sinnen zu erleben und so von ihm zu lernen“, sagt sie. „Jenseits der Aufgaben gibt es tausende Dinge zu entdecken, man muss nur mit offenen Augen durchgehen.“

Also geht es raus aus der Kälte und rein in den Hain. Spätestens an der Station Waldklima wird offenbar, wie stark Bäume selbst im unbelaubten Winter Regen und Wind abhalten können. Nach wenigen Metern ist auch der erste Kreativplatz zu sehen. Ein kleiner, mit einem Loch versehener Baumstumpf wurde von Kindern mit einer „Rückenlehne“ versehen und zum Stuhl umfunktioniert. Etwas weiter auf dem Weg, an der Station Naturspielplatz, bauten sich Kinder aus den bewusst liegen gelassenen Bohlen und Baumscheiben Wippen, Katapulte, Brücken und Balancier-Wege. Einige Baumscheiben wurden den Hügel hinab gerollt und landeten an der Station Steinkreis.

 Am Naturspielplatz liegen für Kinder Holzbohlen, Baumscheiben und Stümpfe zum Kreativwerden aus. Die Tafel informiert über Baumarten.
Am Naturspielplatz liegen für Kinder Holzbohlen, Baumscheiben und Stümpfe zum Kreativwerden aus. Die Tafel informiert über Baumarten. Foto: Armin Fischer (arfi)

Das ist der Bereich von Linda Prinz vom Landesbetrieb Geologischer Dienst. Hier sind auf einem Kiesbett 20 imposante Steine verschiedener erdzeitgeschichtlicher Epochen im Rund aufgestellt. Der älteste, ein Gneis, ist mehr als eine Milliarde Jahre alt, der „Youngster“ ist ein Tertiärquarzit von schlappen 30 Millionen Jahren. „Doch nur sieben von ihnen sind im klassischen Sinne Findlinge“, erklärt die Geologin. Also Gestein, das während der Eiszeit von Gletschern aus Skandinavien an den Niederrhein transportiert wurde. Die übrigen Blöcke wurden zwar auch in einer nahegelegenen Kiesgrube in Ginderich entdeckt. „Sie stammen aber aus dem rheinischen Schiefergebirge und können somit nicht mit den Gletschern gekommen sein“, sagt Prinz. Ihre Theorie: Die Steine wurden auf Eisschollen flussabwärts in unsere Region getrieben. Gleich zwei Tafeln sollen an dieser Station die spannende Vergangenheit aufschlüsseln. Einen genauen Blick sollten Besucher auch auf den „jungen“ Quarzit werfen. Denn in dem vergleichsweise weichen Material haben sich Muscheln und Schnecken eingedrückt. „Der Quarzit wird im Laufe der Zeit verwittern“, sagt die Geologin. „Ich bin selbst schon gespannt, was dann noch zum Vorschein kommt.“

Etwas Zeit benötigen auch die wie an einer Perlenschnur aufgereihten drehbaren Holzwürfel an den Hinweisschildern. In den kommenden Wochen sollen sie noch mit Alu-Platten versehen werden. Darauf zu finden sind dann spannende Infos. „Zum Beispiel zu Nahrungsketten“, erzählt Lohmann. „Dreht man den ersten Würfel etwa auf ‚Eichenblätter‘, kann man für den zweiten Würfel überlegen, wer sich davon ernährt.“ Eine Antwort darf an dieser Stelle verraten werden: Es sind die Frostspanner, Eichenwickler und Eichenprozessionsspinner. Doch auch die werden von in der Nahrungskette höher stehenden Tieren vertilgt. Wer die Gourmets sind, gibt‘s am Lehrpfad zu entdecken.

(beaw)